Basketball
Die Starwings verloren gegen Union Neuchâtel diskussionslos mit 58:78 (33:44)

Das Birstaler Kombinat ist wieder auf den Boden der Realität angekommen. Nach zwei hartumkämpften Siegen in Lausanne und zu Hause im Derby gegen Luzern folgte gegen einen seriösen Titelkandidaten eine Art «Bruchlandung», die für Insider nicht gänzlich unerwartet kam.

Georges Küng
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Der Starwings-Topscorer Chris Jones (r.) kämpft sich durch.

Der Starwings-Topscorer Chris Jones (r.) kämpft sich durch.

Uwe Zinke

Aufgrund der Rangliste hatten vielleicht einige der knapp 500 Matchbesucher gedacht, dass die Unterbaselbieter ihre Serie von fünf Erfolgen in Folge (zweimal im Novartis Cup, zwei Meisterschaftspartien und ein Cupmatch beim Erstligisten Aarau) fortsetzen würden.

Umso mehr, als der Auftakt den Gelb-Blauen glückte. Die ersten beiden Angriffe schlossen die Starwings mit zwei Dreipunktewürfen ihres Captains Joël Fuchs ab – von der Tafel leuchtete nach 39 Sekunden ein 6:0 auf. Doch der Beginn der Herrlichkeit war zugleich auch dessen Ende.

Eine Basket-Welt für sich

Denn ab diesem Zeitpunkt waren die Gäste der Equipe von Cheftrainer Roland Pavloski um Klassen überlegen. Balltechnisch, taktisch-strategisch, individuell und als Kollektiv. Al­les, was mit Basket annährend zu tun hatte, taten die Romands um eine bis mehrere Klassen besser. Und aus ihrem Ensemble ragte – nicht unerwartet – ein Mann heraus, der seit zehn Tagen an den Gestaden des Neuburgersees «gestrandet» ist: Zoran Krstanovic.

Ein 34-jähriger Serbe, 205 Zentimeter gross, der auf eine ordentliche bis gute Basket-Laufbahn zurückbli­cken kann. Der polyvalent einsetzbare Athlet hat nie die ganz grossen Ligen (Spanien, Italien, Frankreich, Russland, Israel, Deutschland) gesehen. Aber er war in der holländischen, rumänischen, österreichischen, polnischen und zuletzt ungarischen Meisterschaft beschäftigt. In Championnats, die stärker als die hiesige Nationalliga A sind. Und noch in der letzten Saison spielte er im Europa-Cup eine gute Rolle – davon sind alle Starwings-Akteure in etwa so weit entfernt wie die Erde vom Jupiter.

Krstanovic zelebrierte das ganze Repertoire. Vier von fünf Dreiern, locker aus dem Hand­gelenk, fanden den Weg in den Korb. Er holte sich zwölf Rebounds, dribbelte, stellte Blocks, täuschte, blockte aus, passte und skorte. Je nach Belieben, je nach Bedürfnis, wohl auch nach seiner persönlichen Lust respektive Empfinden.

Er degradierte jeden Anti­poden zu Anfängern – ein Octavius Brown ist im Vergleich zu ihm kein „Rookie“ aus dem College/University, sondern ein Schulbub. Und weil die Gäste mit Brian Savoy den Auf­bauer der Nationalmannschaft in ihren Reihen haben (der gebürtige Freiburger lernte sein Basket-ABC primär in Argentinien, was auch kein Zufall ist) und zuletzt in Durand Johnson über einen US-Profi verfügten, der einer Wurfmaschine gleich skorte, darf das Birstaler Kombinat zufrieden sein, dass die Gäste den Rhythmus drosselten und so das finale Sko­re im Rahmen blieb.

Schwache Wurfquoten

Es ist nichts als logisch, dass die Starwings gegen diese Landesgrösse (die 14. Nieder­lage in Folge in den letzten vier Jahren) verlieren. Wer im Basket mit einem dreimal hö­heren Budget (350'000 Franken zu 1,1 Milionen) operieren kann, ist schlicht stärker, hat mehr Substanz und die besseren Spieler. Beim Gastgeber genügten nur Chris Jones (mit Abstrichen, da er zu oft den Durchbruch zum Korb nicht abschloss) und Alexis Herrmann höheren Aufgaben; die restlichen Spieler waren bemüht und hatten gleichzeitig mehr als Mühe.

Während bei den «Wings» von der Bank absolut nichts kam, konnte sich Gasttrai­ner, ex-Nationalcoach Manu Schmitt, erlauben, als ersten Ersatzspieler einen gewissen Durand Johnson zu bringen, welcher in den zweiten 20 Minuten ein spektakuläres Wurf­festival veranstalte. Oder anders gesagt: Das Trio Savoy – Krstanovic – Johnson hätte die Partie auch zu dritt gewonnen!

Katastrophal die Freiwurfquote (sieben von 15, was peinliche 45 Prozent ergibt) der Birs­felder. Und dass in einem Heimspiel der Gastgeber zwischen der 31. und 39. Minute nur gerade zwei Pünktlein erzielt – gegen Ende des dritten Viertels waren die Starwings noch­mals auf 49:56 herangekommen -, zeigt, wie weit die Unterbaselbieter von einem Sieg ent­fernt waren.

Dass Krstanovic kaum geschwitzt hatte und mit seinem Repräsentanten von einem «besseren Trainingsspiel gegen einen netten Sparringpartner» sprach, zeigt, dass dieser Serbe entweder in einer falschen Liga spielt oder auf einen gar inferioren, dazu noch uninspirierten und taktisch ungenügenden Rivalen traf. Die Wahrheit dürfte in etwa in der Mitte liegen.

Starwings – Union Neuchâtel 58:78 (33:44)

Sporthalle Birsfelden. - 475 Zuschauer. - SR: Novakovic/Pillet/Balletta.

Starwings: Jones (25), Herrmann (5), Fuchs (7), Octavius Brown (14), Vinson (6); Verga, Sager, Schoo (1), Pavlovic; Devcic, Thélemarque.

Neuchâtel: Savoy (8), Mafuta (3), Tony Brown (8), Krstanovic (33!), Hale-Edmerson (2); Johnson (22), Schittenhelm (2), Colon, Miavivululu; Jovanovic, Keller, Prêtre.

Bemerkungen: Starwings ohne Carrara und Hauri (beide verletzt). - Neuchâtel ohne US-Center Ju­wann James (verletzt). - Viertelsresultate: 15:23, 18:21 (33:44); 16:14 (49:58) und 9:20 (58:78). - Fouls: Starwings 9, Neuchâtel 17. - Hervorragende Refleistungen. - Zu den besten Spielern wur­den Jones und Krstanovic gewählt.