Basketball
Die Starwings verzichten auf die Verpflichtung von Mohamed Souaré

Der Schweizer Basketball erlebt turbulente Wochen. Aufsteiger Lausanne lanciert die Aktion «Sauvez Lausanne» (und benötigt 150 000 Franken zum Überleben), während Central Luzern zwei seiner drei ausländischen Profispieler frühzeitig aus ihren Verträgen entlässt, während die Starwings an ihrer Klubphilosophie konsequent festhalten.

Georges Küng
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Joël Fuchs (l.), ein Zürcher Oberländer, spielt seit neun Jahren bei den Starwings, ist Captain und Leistungsträger und wird im Sommer sein Jus-Studium abschliessen. Für Nur-Spieler, wie es Mohamed Souaré sein wollte, ist in Birsfelden kein Platz.

Joël Fuchs (l.), ein Zürcher Oberländer, spielt seit neun Jahren bei den Starwings, ist Captain und Leistungsträger und wird im Sommer sein Jus-Studium abschliessen. Für Nur-Spieler, wie es Mohamed Souaré sein wollte, ist in Birsfelden kein Platz.

Jonathan Picard

«In unseren Reihen werden nur nationale Akteure spielen, die entweder in der Ausbildung sind, studieren, sich weiterbilden oder arbeiten. Leute, die nur Basketball spielen wollen, sind in Birsfelden an der falschen Adresse.» Diese klaren Voten sprachen Pascal Donati, der Vize-Präsident der Starwings, und Roland Pavloski, seit drei Jahren Cheftrainer der «Wings», aus.

Sie galten nicht nur Mohamed Souaré (24, 200cm), einem Genfer Basketballer mit athletischen Qualitäten, der bis dato für Meyrin (Nationalliga B) und einige Partien im Herbst 2016 beim punktelosen Tabellenschlusslicht Winterthur (Nationalliga A) gespielt hatte.

Souaré war drei Tage im Probetraining des Birstaler Kombinats - «und er hätte uns kurzfristig, in Anbetracht der dünnen Personaldecke und der vielen angeschlagenen Spieler, helfen können», so Pavloski (bz berichtete).

Aber die Klubverantwortlichen um Präsidentin Gaby Weis spürten, dass Souaré «nur Basket spielen wollte. Die Finanzierung und das Wohnen wären kurzfristig, dank externer Hilfe, garantiert gewesen. Doch im Sommer 2017 hätte dieser Spieler, der von zwei (!) Managern beraten wird, seine Forderungen verdoppelt oder gar verdreifacht – und wir sind nicht bereit, Schweizer Akteuren, die bessere Ergänzungsspieler sind, ein Gehalt wie unseren drei amerikanischen Profis zu zahlen», so Donati mit aller Deutlichkeit. Oder anders, und als Wortspiel, ausgedrückt: Schweizer Profi(t)-Spieler sind in Birsfelden nicht erwünscht.

Quo vadis, Lausanne?

Am Samstagnachmittag bestritt Aufsteiger Lausanne den Cup-Halbfinal, verlor diesen aber gegen Leader Monthey deutlich (68:85). Dass die Waadtländer überhaupt spielten, war einer grossen «Jammer»-Aktion zuzuschreiben, welche seit anfangs Januar 2017 läuft. Der Neuling benötigte per sofort 45 000 Franken, um überhaupt das Cupspiel bestreiten zu können.

Das Ziel wurde, Stand Freitagabend, nicht ganz erreicht (37 000 Franken), doch anscheinend geht es vorerst weiter. Allerdings müssen an den Gestaden des Lac Léman bis Ende Saison noch 150 000 Franken gefunden werden, was unwahrscheinlich erscheint, denn in Lausanne gibt es Eishockey, Fussball und Volleyball in der Nationalliga A, sodass die Basketballer ein Schattendasein fristen.

Luzern zieht Reissleine

Auch in der Innerschweiz ist die Euphorie, die im Herbst herrschte (Central war nach fünf Runden Co-Leader und zelebrierte seine Heimspiele im NBA-Stil), vorbei. Und aus dem starken Profi-Trio wird bis Ende Januar eine «Einzelmaske».

Der Bulgare Veselin Veselimov, der smarteste Flügel der Liga, ist bereits in seine Heimat zurückgekehrt. Rhamel Brown, der «Charles Barkley der Nationalliga A» und der beste Defense-Spezialist sowie stärkster Rebounder des Landes, verlässt Luzern, um seine Profi-Karriere ab Februar in der Dominikanischen Republik fortzusetzen.

Die Gründe hiefür sind nicht klimatischer Natur, sondern haben eine monetäre Causa. Auf ihrer Homepage werden diese Abgänge diplomatisch kommuniziert: «Swiss Central Basketball muss zwei namhafte Abgänge wegstecken: Sowohl Topscorer Veselin Veselinov als auch Rhamel Brown machen von ihrer Ausstiegsklausel Gebrauch. Die SCB-Leistungsträger konnten in Bulgarien (Veselinov) und in der Dominikanischen Republik (Brown) höher dotierte Verträge unterzeichnen».

Denn nur mit dem serbischen Spielmacher Nemanja Kovacevic dürfte es schwer werden, weitere Siege einzufahren, sodass die Playoffs ein Wunschtraum bleiben werden. Was aber eigentlich keine Rolle spielt, da es heuer erneut keinen sportlichen Absteiger geben wird.

Allerdings wollen die Luzerner zumindest Brown durch einen Landsmann ersetzen. Das dürfte kein Problem sein – im Basketball herrscht ein Überangebot an Spielern, die bereit sind, kurzfristig als «Feuerwehrleute» einzuspringen. Und es ist bekannt, dass einige Klubs solche Akteure als «Feriengäste» deklarieren und dementsprechend auch bezahlen... Ein Schelm, wer da primär an die Kantone Jura und Tessin denkt.

«Winti» holt Profi(t)spieler

Obwohl alle Vereine (auch die sogenannten Landesgrössen) um jeden Franken kämpfen und über fehlende Mittel «chlönen», haben in dieser Saison nur Rekordmeister, Renommier- und Vorzeigeklub Fribourg Olympic sowie die Starwings keine Wechsel an ihren Profispielern vorgenommen.

Schlusslicht Winterthur wechselte das bezahlte Personal zeitweise monatlich aus – sei es wegen Verletzungen, ungenügenden Leistungen oder weil sich angebliche «Trouvailles» anboten. Just am Freitag wurde bekannt, dass die Zürcher Kevin Monteiro (zwei Spiele in der Nationalliga A ohne Punkte und meist in der Freiburger Académie in der Nationalliga B eingesetzt) für die restliche Spielzeit engagiert haben.

Mit Gehalt, Wohnung und Essen kostet dieser Akteur einem Klub, der absolut keine Chance auf die Playoffs hat (aber auch nicht relegiert werden kann), rund 2500 Franken im Monat (da wäre Souaré günstiger gewesen!). In Birsfelden schüttelt man ob dieser Philosophie nur die Köpfe.

Die Folge ist aber, dass «genau solche Angebote dazu führen, dass Schweizer Spieler unverschämte Forderungen stellen, diese sukzessive erhöhen – und irgendwann werden die Vereine nicht bereit sein, diese zu erfüllen. Die Quintessenz wird sein, dass man die Anzahl Profispieler wieder erhöhen wird», sagt Pavloski.

Es sei in Erinnerung gerufen, dass ein Chris Jones, der magistrale Spielmacher der Starwings, der längst im Fokus von Vereinen aus grösseren Ligen steht, das Arlesheimer-Birsfelder Kombinat nicht viel mehr kostet als Monteiro. Oder krass ausgedrückt: Winterthur zahlt für einen einfachen Wurstsalat soviel wie die Unterbaselbieter für ein Fünf-Gang-Menü...

Nur Olympic und «Wings»

In dieser Saison haben neun von elf Nationalliga-A-Vereinen bereits Fluktuationen bei ihrem ausländischen Personal vorgenommen. Boncourt wechselte, wegen «Doping»-Vergehens (Cannabis), vor Weihnachten gleich alle drei Amerikaner aus.

In Winterthur kommen und gehen die Profispieler oft monatsweise. Aber auch andere Klubs haben bereits sechs und sieben Lizenzen verbraucht. Nur Titelhalter, Rekordmeister, Renommier- und Vorzeigeklub Fribourg Olympic und die Starwings haben ihre drei Profispieler stets gestützt.

Auch wenn ein Octavius Brown die Erwartungen der Starwings nicht ganz zu erfüllen vermag. In 12 Jahren Nationalliga A haben die Starwings gegen 60 ausländische Profispieler unter Vertrag gehabt. Und nur einmal, im Herbst 2009, wurde ein Akteur (Michael Jones) vom damaligen Cheftrainer Patrick Koller (der heutige Pressechef des Weltverbandes) entlassen. Nicht aus sportlichen Gründen, sondern weil Jones mit seinem Ego das Teamgefüge gefährdete.

Sein Nachfolger (Marcus Sloan) war das pure Gegenteil – und sechs Monate später gewannen die Starwings am 10. April 2010 den epischen Cupfinal gegen die SAV Vacallo (91:83 nach Verlängerung). Und schrieben Schweizer Basket-Geschichte – dank Sloan, der den letzten Punkt in der regulären Spielzeit, nach einem Offensivrebound, erzielte.

Europa-, ja weltweit gelten die Starwings mit ihrer Personalpolitik als Unikum. Und vielleicht ist diese Demut, nur das zu verpflichten, was auch bescheiden, aber sicher bezahlt werden kann, der Grund dafür, dass die «Wings» seit 12 Jahren in der Nationalliga A mitwirken. Obwohl sie heuer das zweitkleinste Budget aller Teams verfügen, liegen sie (noch) auf dem 4. Rang. Und haben beste Chancen, sich direkt für die Playoffs zu qualifizieren (Platz 6 ist nötig).

Diese Klubphilosophie würde verhindern, dass Lausanne vor dem Aus steht, Winterthur, das seit zwei Jahren jede Partie im Oberhaus verloren hat (aber am meisten Ausländer kontraktierte...), Spieler um Spieler «verbrennt» und Luzern vorzeitig auf zwei ihrer so starken Profispieler verzichten muss.