«Es war ein Grottenkick von uns», nahm FCS-Verteidigerin Rahel Lattmann kein Blatt vor den Mund. Und Trainer Dominik Stutz warf seinen Akteurinnen im Spiel gegen Schlusslicht Therwil mangelndes Engagement vor. «Ihr wisst selbst, dass es so nicht geht», sagte er in seiner Ansprache.

Unzufriedenheit dominierten Bilder und Worte - dabei liegt Absteiger Schlieren nach fünf Runden in der NLB auf Platz zwei. Doch der Schein trügt. «Unsere Situation sieht in der Tabelle besser aus als auf dem Platz», sagt Trainer Stutz offen, «es stimmt zu vieles nicht zusammen in unserem Spiel.» Was vor allem nicht stimmt: die Torausbeute. Zwar stellen die Limmattalerinnen mit 13 Treffern zusammen mit Aarau die beste Offensive, doch diese Zahl ist ein Hohn, gemessen an der Zahl der Möglichkeiten. Das Glück Schlierens: Bis auf das verlorene Match in Rapperswil - die einzige Niederlage bislang - wurde es nicht dafür bestraft.

Frühe Führung nicht beruhigend

Auch gestern hätte das Resultat anders aussehen können. Weil aber auch bei den Baselbieterinnen der Schein trügt - mit umgekehrten Auswirkungen im Vergleich zu Schlieren -, standen die Gastgeberinnen am Ende doch als Sieger da. Nach der frühen Führung durch den Treffer der überzeugenden Jessica Berger (8.) machte es den Anschein, als würde alles seinen erwarteten Gang nehmen. Doch auch hier trügte der Schein. Sanja Mijovic (nach einem herrlichen Pass von Münevver Akyol) und Patrizia Dreyer (vom Elfmeterpunkt) scheiterten an der überragenden Torhüterin Sandro Pieragostino respektive an der Präzision.

Die Gäste deuteten stets ihre Gefährlichkeit mit Kontern an, erst in der zweiten Halbzeit kamen sie aber wirklich zu vielversprechenden Abschlüssen. Ein Schuss des auffälligen Captains Luana Castellano streifte über die Latte (52.) - der Warnschuss an die Adresse der Schlieremerinnen. Doch diese ignorierten ihn, Stephanie Capomolla traf zum 1:1 (62.). Nun hatte Therwil das Momentum auf seiner Seite, das Spiel schien zu kippen. Doch auch diesmal kam es anders als angenommen.

Schlierens eigentliche Ersatztorhüterin Marilena Tufaro machte mittels einiger Paraden Werbung in eigener Sache. Auf der Gegenseite traf Akyol aus 25 Metern - vermeintlich, denn das «Wembley-Tor» war keines (80.). «Der Ball war bei weitem nicht drin», gab der gut postierte Trainer Stutz nach dem Match zu. Der einzige Fehler von Schiedsrichterin Michèle Schmölzer, aber ein folgenschwerer. Die Gäste liessen ihrem Frust freien Lauf, Nadia Iuliano mähte direkt nach Wiederanpfiff Romana Trajkovska um und sah die Ampelkarte. Trotzdem musste Schlieren um den Sieg zittern: Campomolla verzog im Strafraum.

Profitiert Schlieren von GC-Aus?

Dominik Stutz verordnete statt des heutigen Trainings einen Grillabend zwecks Teambildung. Was die Kaderbildung anbelangt, sprach er Klartext: «Wir brauchen sicherlich noch eine Klassestürmerin sowie in der Abwehr die eine oder andere Spielerin», sagte er. Auf dem Zelgli kursierten Gerüchte, wonach die Grasshoppers ihre Frauenabteilung bald schliessen würden. Attraktive Aussichten für Schlieren - wenn der Schein nicht trügt.