Nein, so hatte sich das keiner der Anwesenden vorgestellt. Nach den zwei Auswärtssiegen in Luzern zum Auftakt der Best-of-five-Finalserie rechnete jeder mit dem Therwiler Titelgewinn am Samstag. Im Idealfall schon vor dem Mittagessen, notfalls halt im zweiten Spiel am Nachmittag. Der Meisterpokal stand neben dem Feld bereit, der Champagner lag angenehm gebettet in der Kühltasche daneben. Es kam aber anders.

Therwilerinnen zu unkonzentriert

Die Therwil Flyers wurden nach ihren zwei Auftaktsiegen, der erste in der Sensationshöhe von 34:7, vom gleichen Phänomen heimgesucht wie die Schweizer Fussballnationalmannschaft in der zweiten Halbzeit gegen Island. Die Spielerinnen waren sich ihrer Sache zu sicher, gingen zu überheblich in die dritte Partie gegen den dreifachen Schweizer Meister Luzern Eagles.

Dieser glaubte an seine Chance und wurde in den letzten Jahren nicht ohne Grund Meister. «Ich hatte am Mittwoch im letzten Training schon ein komisches Gefühl», sagte Spielertrainerin Melanie Wanner nach den Samstagspartien. Ihre Doppelfunktion war an diesem Tag eine spezielle Herausforderung. Sie musste versuchen die eigenen Gefühle zu unterdrücken und gleichzeitig die Mannschaft zu motivieren.

Innerschweizerinnen zeigen ihre Klasse

Die Eagles gingen in Spiel eins mit 4:1 nach dem dritten Inning in Führung. Drei Umgänge lang konnte das Heimteam nicht reagieren. Obwohl Luzern im letzten Inning zwei Punkte machte, wurde es nochmals spannend. Dennoch: Luzern gewann das dritte Finalspiel mit 6:5.

Das war ein Schock für die Therwilerinnen. «Wir hatten in dieser Saison zu Hause noch nie verloren und vor einer Woche in Luzern so dominiert, plötzlich machten sich Zweifel breit», sagte Wanner.

Nicht auf zweites Spiel vorbereitet

Die 30-minütige Pause bis zur zweiten Partie am Samstag reichte nicht, um sich neu zu fokussieren. Die Sicherheit war weg, die Leimentalerinnen gerieten abermals in Rückstand. Trotzdem wurde es eng und ein Zusatz-Inning musste entscheiden.

Mit 4:3 hatten am Ende wieder die Luzernerinnen die Nase vorne. «Wir sind heute nicht auf Touren gekommen, währenddessen die Eagles präsent waren und an ihre Chance geglaubt haben. Jetzt haben sie das Momentum auf ihrer Seite», sagte eine enttäuschte Wanner nach Spielschluss. Luzern hätte gut gespielt und dank Umstellungen im Team auch die Fehlerquote stark verbessert, stellte die 37-jährige Baslerin fest und wirkte nicht sehr zuversichtlich für das Entscheidungsspiel, welches für den Folgetag wiederum auf der Känelmatt II angesetzt wurde.

Über Nacht wieder gesammelt

Doch plötzlich lief es wieder. Nach einem kurzzeitigen Rückstand funktionierte auf einmal wieder alles wie im ersten Finalspiel. 16 Punkte erzielten die Therwilerinnen im dritten Inning. Am Ende stand es 31:10 und der ehemalige Serienmeister Therwil war nach drei Jahren Unterbruch zum zehnten Mal Titelträger.

Luzerner Serie gebrochen

«Hätten wir heute verloren, hätte Luzern diese Aura des Unbesiegbaren erhalten. Ich bin sehr stolz auf das Team, dass es nach dem miserablen Samstag eine solche Leistung abliefern konnte», sagte Wanner. Die Flyers sind also zurück auf dem Thron. Und der Champagner schmeckte auch mit einem Tag Verspätung hervorragend.