Den ersten Korb erzielte der letztjährige Triple-Gewinner, der auch heuer wieder sämtliche Titel (Meisterschaft, Cup und Ligapokal) holen dürfte, bereits nach vier Sekunden. Dann jedoch hatte das Arlesheimer-Birsfelder Kombinat zwei wundersame Minuten - und ging mit 9:2 in Führung. Es sollte aber die letzte Herrlichkeit am gestrigen Nachmittag bleiben.

Lugano konstat mit doppeltem Vorsprung

Innert vier Minuten änderte das Skore auf 13:25 - und alle in der Sporthalle wussten, dass es für die Gäste aus der Südschweiz zu einem Schaulaufen respektive -werfen kommen würde. Auch wenn Lugano auf Mohamed Abukar (USA), den Besten der vielen Guten, verzichten musste, war der Unterschied zwischen Baselbietern und der internationalen Armada frappant. Nie in den sieben Nationalliga-A-Jahren hinterliessen die Unterbaselbieter einen derart inferioren Eindruck.

Nach 19 Minuten hatten die «Tigers», wie sich Lugano so gerne nennt, das Resultat verdoppelt (26:52). Zehn Minuten später war es erneut verdoppelt worden - nur stand es diesmal bereits 38:76. Und in der 37. Minute hatten die Starwings 50 Punkte geworfen, der Champion aber bereits deren 101 Zähler.

Die Kluft wird immer grösser

Fast zur gleichen Stunde verlor das sonst heimstarke SAM Massagno gegen Les Lions de Genève mit 54:100 - die Kluft im Schweizer Basketball zwischen der «Top Five» und den restlichen vier Vereinen ist derart gross, dass man grundsätzliche Fragen stellen darf. Während bei den Starwings als achter Mann ein kaufmännischer Angestellter namens Ralph Güttinger, in der letzten Saison beim B-Ligisten Central Basket Luzern tätig, zum Einsatz gelangt, schlürft beim «Millionen-Euro» der Serbe Dacevic aufs Feld.

Während Lugano unter den Brettern mit Zarko Rakocevic einen Mann hat, der einst mit Partizan Belgrad in der Euro League (entspricht im Fussball der Champions League) spielte, mühen sich bei den Starwings Niels Matter und Roman Albrecht Woche für Woche gegen ausländische Center ab.

Die Showtruppe aus dem Tessin

Sie geben ihr Bestes - und hatten gegen Lugano zusammen nach vier Minuten Spielzeit bereits fünf Fouls gesammelt. In der gleichen Zeitspanne hatte der Serbe Rakoceciv bereits sein ganzes Repertoire an Bewegungen gezeigt und locker zehn Punkte geworfen. Andererseits wird Matter in einigen Jahren Mathematik-Professor sein, während die Gästespieler als Beruf schlicht «Korbjäger» aufführen können.

Und wer glaubt, dass Lugano eine Mannschaft von europäischem Format ist, der irrt gewaltig. Die Schweiz ist, zusammen mit Malta und Irland, das einzige Land, das an keinem Europacup-Wettbewerb teilnimmt. Selbst Armenien, Aserbaidschan, Luxemburg oder Moldawien messen sich europäisch. Lugano bevorzugt es, als eine Art «Showtruppe» durch die Provinz zu ziehen und die Rivalen zu deklassieren. Wem damit gedient ist, ist nicht ganz klar.