Handball
Die Ungarin Timea Mezei fand via Facebook zu Basel Regio

Die einstige Handballerin Aranka Koreh liess die Welt über das grösste soziale Netzwerk wissen, dass die SG Basel Regio Spielerinnen suche. Timea Mezei wurde auf diesen Eintrag aufmerksam – und spielt nun am Rheinknie.

Andreas Fretz
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Timea Mezei im Training mit den Baslerinnen.

Timea Mezei im Training mit den Baslerinnen.

bz Basellandschaftliche Zeitung

Die 23-Jährige stammt ebenfalls aus Ungarn und spielte wie Koreh für Vasas Budapest in der 2. Division. Seit dem 4. Januar gehört Mezei nun dem Kader von Basel Regio an. Im vergangenen Mai schloss sie ihr Studium ab, fand jedoch keinen Job. «Die Jugendarbeitslosigkeit in Ungarn ist hoch», sagt Mezei. Zu ihrem Wechsel in die Schweiz sagt sie: «Ich habe nichts zu verlieren. Ich will die Chance, die ich hier erhalte, nutzen.» Es ist auch die Chance auf ein besseres Leben.

Gegenseitige Kennenlernphase

Der Wechsel der Kreisläuferin kam keineswegs überstürzt zustande. Bereits im letzten Jahr weilte Mezei eine Woche in der Schweiz. Basels Trainer Thomas Mathys und der Sportchef besuchten Mezei eine Woche in Ungarn. Man lernte sich und das Umfeld gegenseitig kennen. «Bei diesem Transfer ging es nicht nur um Handball», sagt Mathys, «wir wollen Timea eine Chance geben, ihre Lebensqualität zu verbessern.»

Bis Mezei in der Schweiz Tritt gefasst hat, wird sie durch den Club in vielerlei Hinsicht unterstützt. Im Moment besucht sie viermal pro Woche die Sprachschule, um Deutsch zu lernen. Der Unterricht wird vom Verein bezahlt. Dank den Beziehungen des Speakers wurde für Mezei ein Job in einem Online-Versand gefunden. Derzeit wartet die Handballerin noch auf die Arbeitsbewilligung. Wohnen kann Mezei vorübergehend beim Juniorinnen-Trainer in Dornach. Das Ziel ist es, dass Mezei bald auf eigenen Füssen stehen kann.

Und Mezei dankt es mit Toren. Vier Spiele hat sie bisher in der Finalrunde für Basel Regio bestritten. In diesen vier Spielen gelangen ihr 27 Tore. Keine traf öfters. «Das ist nur, weil ich die Penaltys schiesse», sagt Mezei bescheiden. «Wir sind sehr zufrieden mir ihr», entgegnet Trainer Mathys. Trotz ihres jugendlichen Alters ist Mezei eine erfahrene Spielerin. In Ungarn geniesst Frauen-Handball einen hohen Stellenwert. «Das Niveau der 2. Division entspricht etwa dem Niveau der SPL in der Schweiz», sagt Mezei.

Eine weitere Ungarin folgt

Gut möglich, dass Basel Regio bald mehr ungarische Unterstützung erhält. Die Reise in den Osten nutzte Trainer Mathys, um den Kontakt mit Vasas Budapest zu suchen. «Nächste Saison wird sicher noch eine weitere Spielerin zu uns stossen», sagt Mathys. Vielleicht werden es auch zwei oder gar drei. Dann stünde auch der Gründung einer ungarischen Wohngemeinschaft nichts im Wege. Manchmal verspüre sie Heimweh, sagt Mezei, «aber ich fühle mich von Tag zu Tag wohler in der Schweiz». Bleiben würde sie am liebsten so lange wie möglich.
Sportlich hat Basel Regio mit dem Erreichen der Finalrunde das Saisonziel erreicht. Zwar belegt man momentan nur Rang sechs, doch das sei eher nebensächlich, sagt Mathys. Wichtig sei es, Jahr für Jahr Fortschritte zu erzielen. Nächste Saison nimmt der Trainer – mit ungarischer Unterstützung – Rang vier ins Visier.