Die Tür ist zu. Es ist ein sehr ungewohntes Bild. Nie ist der Durchgang von der Mixed-Zone in die Gästekabine im Stade de Suisse zu. Immer ist die Türe offen. Aber dieses Mal, da ist sie verschlossen. Lange. Dahinter, da sind sie alle. Die Spieler des FC Basel. Der Trainer des FC Basel. Sie sind in ihrer Kabine. Verdauen, was da gerade geschehen ist. Und das ist an diesem Abend alles andere als einfach.

1:7 hat der FC Basel eben gegen die Young Boys verloren. Eine Klatsche sondergleichen, ein Debakel von historischem Ausmass.

Kurz geht die Türe auf. Silvan Widmer wagt einen Blick nach draussen – und verzieht sich ganz schnell wieder. Während die Basler Schutz suchen hinter verschlossener Tür, geben die Berner bereitwillig Auskunft. Ob Miralem Sulejmani, Steve von Bergen oder Loris Benito – sie alle können ihr Glück kaum fassen.

Er könne sich nicht daran erinnern, wann er zum letzten Mal 7:1 gewonnen hat, sagt Benito. Derweil öffnet sich im Hintergrund die Türe, Ricky van Wolfswinkel und Kevin Bua kommen heraus, die Blicke gesenkt. «Ein Sieg gegen den FCB ist immer geil. Wenn er dann in diesem Ausmass ist, dann natürlich noch mehr», sagt Benito.

Klatsche ins Gesicht

Als der Berner noch die Freude über diesen Sieg erklärt, wagt sich Widmer raus. Auf das Feld, den Ort des Geschehens. Ein kurzes Auslaufen, dann kehrt er zurück. Als er von Spielerbetreuer Pascal Naef in Richtung der wartenden Journalisten gelenkt wird, kann er nicht verbergen, dass er darauf keine Lust hat. Einen tiefen Seufzer später steht er dennoch vor den Mikrofonen.

Die Fassungslosigkeit ist ihm ins Gesicht geschrieben. «Was soll ich schon sagen?» fragt er. «Diesen Nachmittag kann man nicht in Worte fassen.» Und doch findet der Rechtsverteidiger des FCB in der Folge Worte, um seine Gemütslage zu beschreiben. «Das ist eine Klatsche direkt ins Gesicht. Es ist einfach alles gegen uns gelaufen. Die rote Karte hat und das Genick gebrochen. Ich bin am Boden zerstört.»

Während Widmer zögerlich diese Worte sagt, zückt ein Journalist sein Handy. Ein kurzer Blick auf die Tabelle der Super League zeigt: Der FCB ist auf Rang sieben abgerutscht. «Das hätte ich nie gedacht. Der FCB gehört nicht auf Rang sieben. Aber es ist alles nahe zusammen. Wir geben uns nicht geschlagen. Wir haben viel Qualität, wir müssen sie nur auf den Platz bringen.»

«Es gibt keine Ausreden»

Qualität – die ist an diesem Sonntagnachmittag auf Basler Seiten nicht zu sehen. Zwar kann der Vizemeister gegen den Meister zwanzig Minuten mithalten, in der zweiten Halbzeit aber «sind wir auseinandergefallen», wie Widmer treffend analysiert. «Es hätte ein Spitzenspiel werden sollen. Aber wir waren dem nicht würdig. Das war ein Klassenunterschied.»

Nach Minuten der Qual, der Aufarbeitung dieser Pleite, darf Widmer gehen und wieder hinter der verschlossenen Türe verschwinden. Erklären kann er sich immer noch nicht, was da auf dem Rasen passiert ist. Das kann an diesem Tag kaum jemand. Auch Fabian Frei nicht, der nach Widmer den Gang vor die Mikros tun muss. Für Frei ist es noch ein bisschen bitterer.

Er hat Schuld an den beiden ersten Gegentoren. Beim 0:1 verliert er das Kopfballduell, beim 0:2 lenkt er den Ball ins Tor ab. «Natürlich stehe ich als Depp da. Aber es sind auch noch andere Dinge schiefgegangen. Wir sind scheisse gewesen heute. Es gibt keine Ausreden.»

Die Schuld liegt in Freis Augen klar bei der Mannschaft «und nicht bei Marco Streller oder dem Präsidenten. Ich werde jetzt aber nicht hinstehen und sagen, wir brauchen 25 neue Spieler.» Welchen Lösungsansatz er sonst verfolgen würde, kann er nicht beantworten. «Wir müssen das alles analysieren. Aber wir sind offen für Ideen. Auch von aussen.»

Wenige Meter nebenan steht noch immer von Bergen und erzählt vom Glück. Frei aber hat genug. Er schliesst seine Ausführungen ab und verschwindet. Hinter die verschlossene Türe. Es hat symbolischen Charakter. Denn nicht nur die Türe zur Basler Kabine ist zu. Sondern auch jene zu einem Meistertitel in dieser Saison für den FCB. Und das bereits nach erst sieben gespielten Runden.