FC Basel
Die Wahl der neuen Führungsetage ist geheimer als die Papstwahl

Die designierte neue FC-Basel-Führung wird am Mittwoch ihr neues Konzept präsentieren. Gibt es neben Bernhard Burgener und Marco Streller weitere Kandidaten?

Sébastian Lavoyer und Céline Feller
Merken
Drucken
Teilen
Bernhard Heusler (l.) und Georg Heitz werden den FCB verlassen.

Bernhard Heusler (l.) und Georg Heitz werden den FCB verlassen.

Keystone/Patrick Straub

Alle warten auf den weissen Rauch über dem Joggeli. Heute wird der neue FCB-Papst von einem unabhängigen Gremium geprüft und soll dann von der Mitgliederversammlung abgesegnet werden. Im Vatikan versammeln sich jeweils die wahlberechtigten Kardinäle in der Sixtinischen Kapelle. Die Wahlmänner sind bekannt, der Ort, die Zeit – einzig die Entscheidung ist offen und wird mit Spannung erwartet.

Beim FC Basel sieht es etwas anders aus. Es wird nicht nur ein Papst, das heisst Präsident, gesucht, sondern darüber hinaus ein Staatssekretär, also ein Sportchef. Während bei Papstwahlen jeweils heftig spekuliert wird, wer denn neuer Papst werden könnte, ist diese Frage in Basel längst beantwortet. Bernhard Burgener soll auf Bernhard Heusler folgen und Marco Streller auf Georg Heitz. Es wird nur noch darüber spekuliert, ob sie denn auch dürfen oder nicht.

Marco Streller wird auf Georg Heitz folgen. Marco Streller hält nie mit seiner Meinung hinter dem Berg, gleichzeitig ist er aber ständig bemüht um Harmonie. Foto: Urs Lindt/Freshfocus

Marco Streller wird auf Georg Heitz folgen. Marco Streller hält nie mit seiner Meinung hinter dem Berg, gleichzeitig ist er aber ständig bemüht um Harmonie. Foto: Urs Lindt/Freshfocus

Schweiz am Wochenende

Die erste von zwei Hürden nehmen Burgener und Streller heute, wenn sie dem Gremium ihr Konzept präsentieren. Dieses Gremium wird aber nicht entscheiden, ob das Konzept vom Team Burgener/Streller gut oder schlecht ist, sondern ob es reif genug ist, um es den Mitgliedern vorzulegen. Diese werden das letzte Wort haben. So wollten es Heusler und Heitz.

Dennoch wird über das Gremium heiss diskutiert. Wie unabhängig ist es? Wer hat die Leute ausgesucht? Das Einzige, was sich FCB-Präsident Heusler entlocken lässt, ist, dass man zu all diesen Fragen keine Stellung beziehen werde, weil man wolle, dass das Gremium – und später auch die Mitgliederversammlung – ohne Beeinflussung und im Sinne des FC Basel entscheiden können.

Erfolg mit Föderalismus

Etwas gesprächiger zeigte sich Burgener selber in einem Interview gestern mit «OnlineReports». Auch wenn er eine Vertraulichkeits-Erklärung abgegeben hat, lässt er einiges durchblicken. So bezeichnet sich Burgener selber als Unternehmer in der Entertainment-Branche, zu welcher der Fussball mittlerweile längst gehört. Und er betont auch einmal mehr, wie sehr er grosse Marken schätzt. «Marken funktionieren immer, in guten wie in schlechten Zeiten.»

Bernhard Burgener wird Bernhard Heusler beerben.

Bernhard Burgener wird Bernhard Heusler beerben.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Und dass genau daher auch sein Interesse an der Übernahme kommt. «Der FCB ist eine der wichtigsten Marken in der Region Basel.» Sollte das Gremium und später die GV zustimmen, würde er alleine die rund 90 Prozent der Aktien der Gruppe um Heusler an der Holding erwerben, wie er erklärt, und damit den Verein alleine kontrollieren. Über den Betrag, den er überweisen müsste, schweigt er sich aus. Dafür verrät er sein Erfolgsrezept: der föderalistische Aufbau. «Ich vertraue auf die Kompetenz der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ich bin Verfechter der dezentralen Führung und der lokalen Verantwortung.»

Verantwortung, die soll Urs Siegenthaler, enger Vertrauter Burgeners und Chefscout beim DFB, entgegen aller Erwartung (vorerst) nicht erhalten. «Darüber haben wir uns wirklich nie unterhalten», sagt Burgener dazu.

So konkret seine Pläne schon sind, vermutet er trotzdem, dass seine Wahl zum Heusler-Nachfolger noch nicht in Stein gemeisselt ist. Gegenüber der «Nordwestschweiz» sagt Burgener ungefragt, dass er vermute, dass noch weitere Konzepte vorgestellt würden. Was ist davon zu halten? Gibt es wirklich weitere Kandidaten? Und was hilft die Intransparenz? Für eine Papstwahl kommt theoretisch jeder getaufte männliche Katholik infrage.

Ungefragt sagt Bernhard Burgener, dass er vermute, dass noch weitere Konzepte vorgestellt würden.

Vermutlich gibt es weniger Menschen, die man für die Wahl zum FCB-Präsident in Betracht zieht als Kardinäle. Man will eine Basler Lösung, es muss jemand sein mit Ahnung vom Fussball und gewissen finanziellen Mitteln. Dinge, die Burgener beide hat. Ausserdem muss der Neue glaubwürdig und doch ein harter Verhandler sein. Mit anderen Worten: Man darf daran zweifeln, dass es neben Burgener/Streller weitere Projekte gibt. Wer sollte ernsthaft eine Chance haben? Es macht viel mehr den Eindruck, als würde alles dazu dienen, die gefundene Lösung möglichst breit zu legitimieren.

So, dass Bernhard Heusler seine ohne jeden Zweifel hervorragende Arbeit nicht nachträglich entwerten will. Dem Duo Burgener/Streller darf man getrost zutrauen, dass es der Aufgabe gewachsen ist. Doch heisst es erst einmal: Warten auf weissen Rauch über dem Joggeli. Noch hat niemand entschieden. Trotzdem: Eine Überraschung wird es kaum geben.