Ultimate
«Die WM-Kosten muss jeder Spieler selber berappen»

Olivier Gaugler startet morgen mit Freespeed Basel gegen die Österreicher von FWD in die Klub-WM in Italien.

Dean Fuss
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Der Basler Olivier Gaugler während eines Testspiels von Freespeed Basel im Sommer.

Der Basler Olivier Gaugler während eines Testspiels von Freespeed Basel im Sommer.

Uwe Zinke

Morgen Nachmittag gilt es für Freespeed Basel ernst. Das Erste von drei Gruppenspielen an den Klub-Weltmeisterschaften in Italien steht dann auf dem Programm. In der eher unbekannten Sportart Ultimate – früher hiess dies noch Ultimate Frisbee, was aber aus markenrechtlichen Gründen geändert werden musste – gehören die Basler zu den besten Teams Europas.

Als Vize-Klub-Europameister dürfen die Spieler von Freespeed Basel mit breiter Brust nach Lecco reisen. Trotzdem sind Olivier Gauglers Ambitionen im Vorfeld des Turniers nicht in den Himmel gewachsen: «Wir sind an Nummer 11 gesetzt, etwas mehr als an der letzten Klub-WM sollte aber auf jeden Fall drinn liegen», sagt der 24-jährige Stadtbasler. 2010 hatte sich sein Team in Prag im 23. Platz klassiert.

Gaugler war damals nicht dabei gewesen, weil er sich aus Kostengründen zwischen den U23-Weltmeisterschaften in Florenz und der Klub-WM in Prag hatte entscheiden müssen. «Beides im selben Jahr hätte ich mir nicht leisten können.»

Fehlende Sponsoren

Und damit spricht Gaugler auch eines der Hauptprobleme seiner Sportart an: Weil Ultimate keinen grossen Bekanntheitsgrad hat, fehlen entsprechend die Geldgeber. «Wir haben keine Sponsoren», bringt er die finanzielle Situation von Freespeed Basel – zusammen mit den Flying Angels aus Bern immerhin das beste Team in der Schweiz – auf den Punkt. Deshalb bezahlen die Spieler vom Trikot, über die Turnierbeiträge, bis hin zu Unterkunft und Verpflegung an den Spielorten alles selber. Rund 3000 Franken muss jedes Teammitglied jährlich für den Ultimate-Sport einrechnen. In Jahren mit internationalen Grossanlässen kann es auch einmal etwas mehr sein. «Auch die Kosten für die Teilnahme an der Klub-WM muss jeder Spieler selber berappen», sagt Gaugler.

Gerade deshalb brauche der Sport enorm viel Leidenschaft. «Man verzichtet schon auf andere Sachen, beispielsweise auf Ferien.» Doch manchmal kann man den Sport auch mit der Freizeit verbinden: So hat Gaugler an seine Teilnahme an der U23-WM in Toronto im vergangenen Jahr gleich noch eine mehrwöchige Kanada-Reise angehängt. «Ich dachte mir, wenn ich sowieso schon den teuren Flug gebucht habe, kann ich gleich noch etwas in Kanada bleiben.»

Per Zufall mit Ultimate begonnen

Dass der ehemalige Handballer Olivier Gaugler heute bei Freespeed Basel spielt, hat sich zufällig ergeben: «Ich habe wegen Verletzungen mit dem Handball aufgehört», sagt er. Als ihm ein Lehrer an der FMS im Jahr 2008 vorgeschlagen habe, er solle doch zum Ultimate kommen, sagte er zu – ahnungslos, was ihn dort erwarten würde. «Schon nach kurzer Zeit habe ich meinen Gefallen daran gefunden und wollte Ultimate unbedingt wettkampfmässig ausüben.»

Und nun reist Gaugler mit Freespeed Basel an seine erste Klub-WM. Beim letzten Testspiel gegen die Wellington Wildcats vom Dienstag zeigten die Basler mit einem 17:12-Sieg, dass sie dafür bereit sind.