Super League
Die Zeit für die nächste Gala des FC Basel ist gekommen

Es gab sie in Basel zuletzt nicht mehr so oft – die Spiele, auf die die ganze Stadt hinfieberte. Das liegt auch daran, dass es auf nationaler Ebene keine ernsthafte Konkurrenz für den FCB gab. Für das Publikum ist darum nur noch das Beste gut genug.

Sebastian Wendel
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Nach dem YB-Spiel soll gefeiert werden: Für Marco Streller wird es das drittletzte Spiel im St. Jakob-Park sein.

Nach dem YB-Spiel soll gefeiert werden: Für Marco Streller wird es das drittletzte Spiel im St. Jakob-Park sein.

Keystone

Es gab sie in Basel zuletzt nicht mehr so oft – die Spiele, auf die die ganze Stadt hinfieberte. Das liegt auch daran, dass es in dieser Saison auf nationaler Ebene keine ernsthafte Konkurrenz für den FCB gab. Und weil das Publikum im St. Jakob-Park verwöhnt ist von den vielen Erfolgen der letzten Jahre, ist nur noch das Beste gut genug. Nur zwei Mal in dieser Spielzeit war das Stadion voll – bei den Champions-League-Gruppenspielen gegen Liverpool und Real Madrid, hingegen klafften bei der sportlich wichtigeren Affiche, dem Achtelfinal-Hinspiel gegen Porto, Lücken im Rund.

Kein Schweizer Fixplatz in der Königsklasse

Alles Daumendrücken war umsonst: Der Schweizer Meister – und somit zu 99 Prozent der FC Basel – erhält in der kommenden Saison keinen fixen Startplatz in der Gruppenphase der Champions League. Der Grund: Das Ausscheiden von Napoli im Europa-League-Halbfinal (im Final stehen Dnjepropetrowsk und Sevilla). Die Süditaliener (Out gegen Dnjepr) hatten als einziges Team der vier Halbfinalisten noch Chancen, sich in der heimischen Liga einen fixen Startplatz in der Champions League zu sichern.

Nur wenn sich der Europa-League-Sieger dieser Saison via Liga einen Fixplatz in der Königsklasse ergattert hätte, wäre auch der Schweizer Meister direkt qualifiziert gewesen. So aber steigt der FC Basel im Sommer in der dritten Runde in die Champions-League-Qualifikation ein – und somit gleichzeitig wie Vizemeister YB. Bis sich Basel und YB an den prall gefüllten Geldtöpfen bedienen können, müssen sie auch noch die Playoff-Runde überstehen. Somit erwartet den «neuen» FCB (Rücktritt von Captain Marco Streller, wahrscheinliche Abgänge der Leader Fabian Frei und Fabian Schär) gleich zu Beginn des kommenden Fussballjahres der erste Härtetest – einer, bei dem nicht weniger als rund 20 Millionen Franken auf dem Spiel stehen: So viel Geld nämlich verdient der FCB erfahrungsgemäss, wenn er in der Gruppenphase der Champions League mitspielt. (wen)

Doch morgen dürfte es wieder einmal so weit sein, ist die Zeit gekommen für die nächste Gala, für die Krönung des Meisters. Die Partie gegen YB ist DAS Stadtgespräch. Ob beim Bäcker, auf dem Pausenplatz, im Tram oder beim Znacht daheim – alle wissen: Ein Pünktchen noch – und der sechste Titel in Serie ist im Trockenen. Dieses Event wollen sich natürlich auch die nicht entgehen lassen, die gegen Aarau oder Vaduz nicht ins Joggeli pilgerten: Bis gestern Abend waren knapp 35 000 (von möglichen 36 000) Tickets verkauft. Ob voll oder nicht – gegen YB wird es so viele Menschen im Stadion haben wie noch nie in dieser Saison in einem Liga-Heimspiel.

Traum, mit dem Titel aufzuhören

Und sie alle – abgesehen von den mitgereisten Fans aus Bern – wünschen sich nichts sehnlicher, als dass die Mannschaft von Paulo Sousa den ersten Matchball verwertet. Wären sie selber Regisseur, würden die Zuschauer mit rot-blauen Herzen wohl Marco Streller zum Hauptdarsteller bestimmen, der nach einem packenden Schlagabtausch irgendwann in der Schlussphase den Siegtreffer zum 3:2 erzielt. Wunschdenken oder wieder einmal eine dieser Geschichten, die nur der Fussball schreibt?

Fakt ist: Es ist morgen der drittletzte Auftritt von Streller im St. Jakob-Park – es folgen noch das letzte Ligaspiel gegen St. Gallen und am 7. Juni der Cupfinal gegen Sion. Und auch wenn der Captain vor einer Woche gerne Meister geworden wäre im Letzigrund, im Stadion des Erzrivalen FC Zürich – den Titel im eigenen Wohnzimmer (so fühlt sich Streller im «Joggeli») einzufahren, vor dieser tollen Kulisse, wäre ein wunderbares Geschenk für ihn: «Mein Traum, die Karriere mit dem Meistertitel zu beenden, ist zum Greifen nah. Ich freue mich riesig auf das YB-Spiel.»

YB und FCB im Gleichschrit

Auf der anderen Seite werden die Berner alles unternehmen, um der Party, für die in Basel alles bereit ist, den Stecker zu ziehen. YB müsste dafür das Spiel gewinnen. Dass es dies kann, hat das Forte-Team zuletzt im Februar beim furiosen 4:2-Heimsieg bewiesen. Was YB fehlt, damit es morgen das Meisterrennen nochmals spannend machen könnte, sind die vergebenen Punkte in der Anfangsphase der Saison.

Seit Anfang November nämlich, seit dem 14. Spieltag, haben YB und der FC Basel genau gleich viele Punkte geholt – 44 an der Zahl. «Es ist schon bitter, wenn man so eine starke Serie hat, aber dennoch nicht näher rückt», ärgert sich YB-Sportchef Fredy Bickel. In Bern setzt man alle Hoffnungen in die nächste Saison. Dazu sagt Trainer Uli Forte: «Das Spiel ist eine Chance für uns, ein Zeichen zu setzen. Ein Moment, der sehr wichtig sein kann für die Entwicklung des Teams.»

Doch morgen ist YB halt auch der perfekte Gegner für die nächste Gala im St. Jakob-Park. Oder mit den Worten von FCB-Topskorer Shkelzen Gashi: «YB kommt genau im richtigen Moment.»

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