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Diebstahl und Intrigen: Neben dem Platz herrscht bei OB weiterhin Chaos

Sportlich läuft es bei den Old Boys trotz Umbruch und Budgetkürzung ganz gut. Doch neben dem Platz häufen sich die Probleme an. Nach der Chaos-GV im Mai versendet der Interims-Vorstand jetzt ein Mail voller Vorwürfe.

Jakob Weber
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OB am Boden. Diese Symbolik trifft aktuell eher für das Geschehen neben dem Platz zu.

OB am Boden. Diese Symbolik trifft aktuell eher für das Geschehen neben dem Platz zu.

Edgar Hänggi/eh-presse

Mit einer brisanten E-Mail, die auch der bz vorliegt, macht die interimistische Geschäftsleitung des BSC Old Boys auf Missstände innerhalb des Vereins aufmerksam. Niggi Kägi und Christian Schmid halten darin zwar explizit fest, dass die Unschuldsvermutung gilt und dieses Schreiben lediglich die geleistete Vorstandsarbeit aufzeigen soll und damit keinerlei Anschuldigungen gegen irgendeine Person erhoben werden. Doch der Inhalt dieser Mail, die am 1. November 2019 an alle OB-Mitglieder verschickt wurde, hat es in sich.

Nach der Prüfung der Bücher kommen Schmid und Kägi zu dem Schluss, dass die Buchhaltung «unqualifiziert geführt» wurde. In 14 Punkten klären sie die Vereinsmitglieder über den Stand der Dinge auf und stellen Fragen. Gemäss Schmid hat eine eingeholte Rechtsauskunft zu diesem Schritt geraten. Doch es ist nicht erst seit der Chaos-GV im Mai 2019 ein offenes Geheimnis, dass bei den ehemaligen und aktuellen Entscheidungsträgern beim Basler Traditionsverein einige das Heu nicht auf der selben Bühne haben. Damals musste kurzfristig eine Interims-Geschäftsführung einberufen werden. Der neu gewählte Präsident Stefan Koller war nach nur 30 Minuten im Amt wieder zurückgetreten, weil der vorgeschlagene Vizepräsident nicht gewählt wurde.

Dass die interne Kommunikation immer noch unglücklich ist, unterstreicht jetzt folgendes Beispiel. Schmid und Kägi schreiben in ihrer Mail von plötzlich aufgetauchten alten Rechnungen von fast 13000 Franken, durch welche die Jahresrechnung 2018 mit einem Verlust zu Buche steht. Urs Hipp, der ehemalige Kassier von OB, erklärt gegenüber der bz, dass die 13000 Franken zwar tatsächlich ein Buchhaltungsfehler seien, die Summe aber rechtzeitig an den Lieferanten bezahlt und über die GmbH BSC Old Boys abgerechnet wurde. Diese hat den Kleidereinkauf und Verkauf an Mitglieder zum Zweck. Bestellungen für die 1. Mannschaft und für Schiedsrichter wurden fälschlicherweise ebenfalls über die GmbH und nicht über den Verein abgerechnet. Die Verrechnung dieser Forderung der GmbH an die Fussballsektion muss nun buchhalterisch im laufenden Geschäftsjahr berücksichtigt werden.

Doch OB fehlt auch tatsächlich Geld. Doch das hat einen ganz anderen Grund: Diebstahl oder Veruntreuung. Von 14000 Franken aus der GmbH fehlt jede Spur. OB hat Anzeige gegen Unbekannt erstattet, die Staatsanwaltschaft hat ermittelt. Doch bei OB geht keiner davon aus, dass dieses Geld wieder aufgetrieben wird. Auch ob die Diebe von intern oder extern stammen, ist unklar. «Der Fall ist abgeschlossen und das Geld fehlt leider», sagt Schmid.

In der kommenden Woche soll es ein Treffen geben

Diese Ungereimtheiten trüben den Aufwind, den die Old Boys nach dem Zwangsabstieg eigentlich verspüren. Seit Sommer wurde das Budget der 1. Mannschaft um einen sechsstelligen Betrag gekürzt. Die OB-Spieler, die aktuell auf Rang 3 der 2. Liga inter stehen, verdienen mit dem Fussball kein Geld und stammen grösstenteils aus dem eigenen Nachwuchs.

Die Juniorenarbeit ist nach wie vor erstklassig. Zwanzig ehemalige OB-Spieler spielen aktuell in den U-Mannschaften des FC Basel. Und für seine Talente will der Verein auch in Zukunft sorgen. Das ist allen Verantwortlichen wichtig. «Am Ende geht es um den Verein, nicht um Personen», sagt Hipp und stellt Besserung in Aussicht. In der kommenden Woche will man sich zusammen setzen und Lösungen für die offensichtlichen Probleme suchen. Von Angesicht zu Angesicht und nicht via E-Mail.