Soll der FCB die Option auf Dimitri Oberlin ziehen oder nicht? Diese Frage diskutieren derzeit nicht nur die Fans intensiv, sondern sie beschäftigt natürlich auch die sportliche Führung des FC Basel. Oberlin sei «eines der grössten Talente Europas», so wurde er von Sportchef Marco Streller letzten Sommer angekündigt. Wegen seiner Schnelligkeit, seiner Unberechenbarkeit, seinem Instinkt. 

Der FCB hat Oberlin für ein Jahr von Red Bull Salzburg ausgeliehen. Mit der Option, ihn für knapp unter fünf Millionen Franken definitiv zu übernehmen. Bis am 30. April müssen sich die Basler entscheiden. Und alles deutet darauf hin, dass Oberlin in Basel bleibt. An der Bilanz-Pressekonferenz vom Donnerstag sagte FCB-Präsident Bernhard Burgener: «Dimitri erinnert mich irgendwie an Mohamed Salah, als er nach Basel kam. Ich finde ihn ein riesen Talent.»

Erstes Nati-Aufgebot als letzter Höhepunkt

Zugleich betonte der Präsident, dass er auf die sportliche Führung vertraue, wenn es darum geht zu entscheiden. Die Transferkommission, in der neben ihm auch Trainer Raphael Wicky, Sportchef Marco Streller, Nachwuchschef Massimo Ceccaroni, U18-Trainer Alex Frei und Chefscout Ruedi Zbinden sitzen. Was hat ihnen Oberlin geboten? Zweifelsohne, dass er enormes Potenzial hat.

Vor allem in der Champions League wuchs Dimitri Oberlin über sich hinaus. Sein sensationelles Tor gegen Benfica Lissabon ging um die Welt. Sein Tempo, seine Unbekümmertheit faszinierten die Massen. Gleichzeitig hat man in der Meisterschaft oft einen ganz anderen Oberlin gesehen. Einen, der Bälle verstolpert oder so wirr auf dem Platz rumrennt, dass er die eigenen Mitspieler irritiert. Es war ein Auf und Ab. Der letzte Höhepunkte: Das Nati-Aufgebot von Vladimir Petkovic für das Länderspiel gegen Griechenland, wo er für die letzte Viertelstunde ran durfte. «Ich bin gleicher Meinung wie unser Präsident»

«Es ist logisch, dass ein 20-Jähriger nicht die gleiche Konstanz hat wie ein 28-Jähriger», sagt Trainer Raphael Wicky. Er finde, dass Oberlin eine gute Saison gemacht habe. Und: «Ich bin absolut gleicher Meinung wie unser Präsident. Dimi hat Entwicklungspotenzial, aber wir wissen, was wir kriegen. Und wir wissen auch, woran er noch arbeiten muss.»

Zum einen findet er es absolut normal, dass ein junger Spieler stärkere Formschwankungen durchmacht als ein gestandener Fussballer. Zum anderen weiss er auch, dass die Spielanlage in der Champions League fast wie gemacht war für Oberlin. «Wir hatten zwar weniger Ballbesitz, aber mehr Platz. Das kommt ihm mit seinem Tempo natürlich entgegen», so Wicky. 

Auch Oberlin hat Begehrlichkeiten geweckt

Und obwohl Oberlin im 2018 nur ein Spiel von Anfang an bestritt, war Wicky mit seinen Auftritten zufrieden. Ein Tor hat er erzielt gegen Thun, sonst schaute wenig Zählbares heraus. Aber Wicky relativiert: «Egal, wann Dimi kommt, er bringt Wirbel auf den Platz.» Auch zuletzt am Ostermontag in Bern. Da hat er für Valentin Stocker pfannenfertig aufgelegt, bloss wusste der Winter-Neuzugang diese riesen Gelegenheit nicht zu nutzen. 

Nach den Äusserungen von Präsident und Trainer scheint es eigentlich nur noch eine Frage der Zeit, bis der FCB bekannt gibt, dass man Dimitri Oberlin definitiv übernimmt. Und wenn seine Entwicklung in die von den FCB-Exponenten erwartete Richtung geht, wird er kaum allzu lange in Basel bleiben. Denn mit seinen Gala-Vorstellungen in der Königsklasse hat er schon jetzt grosses Interesse in den Top-Ligen Europa geweckt.