Es kann schnell gehen im Biathlon. Ein paar Fehlschüsse, und man wird nach hinten durchgereicht. Ein Patzer der Konkurrenten, und bereits sind wieder einige Positionen gewonnen. Was für einen einzelnen Wettkampf gilt, widerspiegelt im Fall von Mario Dolder die bisherige Saison.

Der Einstieg verlief äussert unglücklich: Nach guten Trainingsleistungen verpatzte der 23-Jährige aus Zeglingen den ersten internen Vergleichswettkampf. Die Konsequenz: Saisonstart im zweitklassigen IBU-Cup statt im Weltcup.

Dort ist Dolder inzwischen angelangt, wenn auch nicht auf jenem Weg, den er sich vorgestellt hatte. Die Leistungen allein reichten nicht aus, um sich für die höchste Wettkampfstufe zwingend zu empfehlen. «Die läuferische Form war da, und das Training war auch in Ordnung, aber im Wettkampf klappte es einfach nicht mit dem Schiessen», sagt der Oberbaselbieter. «Ich habe mir wohl zu viel Druck gemacht, weil ich unbedingt so rasch wie möglich in den Weltcup zurückkehren wollte.»

Weil mit Claudio Böckli ein Teamkollege krankheitsbedingt ausfiel, rutschte der Oberbaselbieter letzte Woche gleichwohl kurzfristig ins Aufgebot für die Rennen in Oberhof nach. Mit einem ansprechenden 36. Platz im Sprint konnte er sich dort für weitere Einsätze im Weltcup empfehlen – obwohl er tags darauf im Verfolgungsrennen auf Rang 57 zurückfiel. «Nach dem Trainingsblock über die Weihnachtstage, wo ich nochmals in den Grundlagenbereich investierte, hat mir dort die läuferische Frische etwas gefehlt», sagt er.

Das Olympia-Drehbuch liegt bereit

Die Chancen auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen im Februar in Sotschi sind damit für Dolder nach wie vor intakt. Um die Selektionskriterien von Swiss Olympic als Einzelläufer zu erfüllen, benötigt er dieses Wochenende in Ruhpolding (mit dem 20-km-Einzelrennen von morgen und allenfalls der Verfolgung vom Sonntag) und nächste Woche in Antholz zwei Klassierungen unter den besten 25 oder ein Top-15-Resultat. Just zwei 25. Plätze aus der letzten Saison stellen Dolders bisher beste Weltcupresultate dar.

Sollte es mit der Olympia-Qualifikation im Einzel nicht klappen, bleibt noch die Möglichkeit mit dem Team. Da die Schweizer Staffel die geforderten Kriterien erfüllt hat, wird auf jeden Fall eine Mannschaft nach Sotschi reisen. Wer dann neben dem gesetzten Teamleader Benjamin Weger zum Einsatz kommen wird, ist noch völlig offen. «Es liegt an mir, mich in den nächsten Rennen aufzudrängen», sagt Dolder.

Sotschi ist noch weit entfernt

An die Olympischen Spiele verschwendet er derzeit keine grossen Gedanken. «Im Moment steht für mich die Qualifikation im Vordergrund. Sotschi selber ist noch weit entfernt.» Mental auf die Spiele vorbereitet hat sich Dolder aber bereits im Sommer. «Ich habe mir im Kopf wie ein Buch erarbeitet, das ich nach einer Selektion nur hervorzunehmen brauche.»

Nationaltrainer Jörn Wollschläger traut dem Baselbieter eine Steigerung zu. «Mario befindet sich definitiv auf dem aufsteigenden Ast», sagt der Deutsche, der Dolder seit der letzten Saison vor allem im läuferischen Bereich einige Fortschritte attestiert. «Ich bin überzeugt, dass er mehr kann, als er bisher in diesem Winter gezeigt hat.»

Ein Erfolgserlebnis gab es für Dolder gestern schon mal als Schlussläufer der Staffel in Ruhpolding, wo er im Stehendschiessen ohne Fehler blieb und sagte: «Aus diesem Rennen kann ich ein positives Gefühl mitnehmen.»