Kürzlich hat Otto Demarmels ein paar Müsterchen aus der glorreichen Benthaus-Ära zum Besten gegeben. Die Reserven des FCB seien damals fast so gut wie die erste Mannschaft gewesen, hat die Basler Legende erzählt. Sie habe in Freundschaftsspielen gegen NLA-Klubs meistens gewonnen. Man stutzte und dachte: Was es doch alles gab in den alten Zeiten!

Und staunte gestern umso mehr, dass es Rekordmeister GC im Spiel gegen die Basler Reserven auch so erging: 1:3-Niederlage. FCB-Trainer Urs Fischer hatte im Vergleich zum Cupfinal sein Team auf acht Positionen verändert und Cracks wie Suchy, Lang, Traoré, Xhaka, Steffen und Delgado erst gar nicht mit nach Zürich genommen. Der Grund: Der Energieverlust in Genf und bei den Feierlichkeiten in Basel. So entsprach die Mannschaft tatsächlich plus/minus der zweiten Garnitur.

FCB kehrt mit Reservemannschaft zum Erfolg zurück

Und Fischer durfte am Ende des Nachmittags für sich in Anspruch nehmen, alles richtig gemacht zu haben. Nach vier Ligapartien ohne Dreier wieder auf die Erfolgsstrasse zurückgekehrt zu sein und mit einem Sieg im saisonabschliessenden Heimspiel am Freitag gegen St. Gallen den Punkterekord (85) aus der Saison 2003/04 noch knacken zu können. Die Jungen machten ihre Sache ordentlich; auch Innenverteidiger Manuel Akanji, der für die Pausenführung verantwortlich war, zählt ja noch zu den Youngsters.

Als die Grasshoppers dann nach einer Stunde durch einen Caio-Freistoss aus dem Nichts zum 1:1 kamen, brauchten die FCB-Reserven dann aber doch noch die Hilfe der Stammspieler Luca Zuffi und Seydou Doumbia, um die drei Punkte einzufahren. «Ich sagte Seydou, eine halbe Stunde müsste ihm reichen, um noch zwei Tore zu machen», sagte Fischer. Und bekam recht.

Seydou Doumbia erzielte zwei Tore.

Seydou Doumbia erzielte zwei Tore.

Mit einer Doublette (85./88.) bescherte der Ivorer dem FCB nicht nur einen 3:1-Sieg, sondern er schloss damit in der Torschützenliste auch zu Guillaume Hoarau auf. Weil der YB-Stürmer verletzt ist, kann sich Doumbia nun gegen St. Gallen zum alleinigen Torschützenkönig krönen. Fischer wird ihn gewiss von Beginn an spielen lassen. «Klar bin ich heiss auf die Trophäe», sagte Doumbia, «dafür lebt doch ein Stürmer.» Ohne lange nachzudenken, konnte er die Trefferzahlen seiner erfolgreichen YB-Zeit runterrasseln. «2008/09: 20 Tore. 2009/10: 30 Tore.» Wenn man bedenkt, wie oft er in dieser Saison auf der Bank sass, sind seine 18 erzielten Treffer e ein exzellenter Wert.

Wie aber sieht die Zukunft aus? Doumbias Vertrag bei der AS Roma läuft noch bis 2019, und bisher deutete nichts daraufhin, der FCB möchte die Option ziehen und den Torschützenkönig behalten. Zumal ja offenbar der Zuzug des Vitesse-Arnhem-Angreifers Ricky van Wolfswinkel aufgegleist ist. Falls der FCB die fünf Millionen Euro für den Transfer aufbringen will − wie holländische Medien berichten. «Ich habe noch nicht mit Rom gesprochen, aber wenn es eine Möglichkeit gäbe, beim FCB zu bleiben, würde ich nicht Nein sagen. Die Schweiz ist schön», sagte Doumbia.

Und GC? Bei der dritten Niederlage in Folge zeigte es in einem Spiel auf bedenklich tiefem Niveau vor der Pause eine miserable, danach eine schlechte Leistung. 7000 erwartungsfrohe Zuschauer waren in den Letzigrund gekommen, hatten dreissig oder vierzig Franken bezahlt, um dann von den Zürchern ein Gekicke ohne Engagement zu sehen, das nichts mit seriösem Profifussball zu tun hatte. Ihr Glück ist, dass es die Barrage nicht mehr gibt. Was für die Liga schade ist, würde sie doch viele Kehrausspiele verhindern.

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