Volleyball

Dora Grozer verlässt Sm'Asch: Zunächst in die Quarantäne-WG mit den Brüdern und dann?

Zwei Jahre spielte Dora Grozer bei Sm’Aesch. Jetzt hat sie die Schweiz verlassen – wegen des Coronavirus und weil sie einen Traum hegt.

Die letzten zwei Jahre war Dora Grozer Aussenangreiferin beim NLA-Spitzenteam Sm’Aesch Pfeffingen. In diesen zwei Wochen hingegen ist sie in Quarantäne. In Ungarn, im Haus ihres älteren Bruders Georg Junior. Wie die 24-Jährige ist auch der 35-Jährige Volleyballer, steht in Russland bei Zenit St. Petersburg unter Vertrag. Gemeinsam mit Tim, dem jüngsten Spross der Grozer-Familie, bilden die drei eine Quarantäne-Wohngemeinschaft.

«Es geht mir jetzt gut. Als mir klar war, dass ich nicht mehr in der Schweiz bleibe, gab es so einiges zu erledigen», erzählt die Deutsche. Es stellten sich diverse Fragen: «Wie bekomme ich all mein Hab und Gut nach Ungarn? Die Wohnung in Dornach musste gereinigt und abgegeben werden und ich habe eine Katze, mit der das Reisen auch nicht so einfach ist.» Neben den Problemen, die durch Corona entstanden sind, wechselte sie in jenen Tagen auch ihren Manager, der ihr ein neues Team suchen muss. «Es kam alles irgendwie auf einmal, sodass ich schon ein wenig überfordert war. Ich habe aber eine tolle Familie und gute Freunde, die mir in dieser Zeit sehr geholfen haben», sagt­ ­Grozer.

Altbekanntes oder neue Grenzen ausloten?

Welches Dress sie nächste Saison tragen wird, ist aktuell so wenig klar wie und wann man sich auf diese werde vorbereiten können. «Ich könnte mir vorstellen, in eine mir schon bekannte Liga zurückzukehren. Ich möchte aber auch etwas Neues kennen lernen, meine Grenzen etwas ausloten. Ich bin in einem guten Alter. Ich kann, nein, muss das jetzt machen, sonst werde ich es eines Tages sicher bereuen.»

Irgendwann will sie in einem italienischen Team spielen, das stehe so gut wie fest. «Als ich etwa neun Jahre alt war, sagte ich meinem Bruder Georg, dass wir eines Tages beide in Italien Volleyball spielen werden. Das ist bei mir noch immer im Kopf.» Ohnehin hat Volleyball eine grosse Bedeutung in der Familie Grozer. Vater Georg Senior war in Ungarn und Deutschland Nationalspieler und sein Spitzname lautete vielsagend «Hammer-Schorsch». Mutter Timea war ungarische Nationalspielerin und Grossmutter Judith Gerhardt war die erfolgreichste Volleyballerin Ungarns mit über 300 Länderspielen. Bruder Georg Junior spielte ebenfalls in den Nationalteams von Ungarn und Deutschland, wo er ein Leistungsträger mit etlichen Auszeichnungen war. Im Januar trat er aus dem deutschen Nationalteam zurück. Tim, mit 21 Jahren das jüngste der Grozer-Kinder, spielt aktuell in Deutschland, während Tom, der Zweitälteste, im Basketball zu Hause ist.

Die mögliche Rückkehr ins Baselbiet

Ein bekannter Name verpflichtet. Das weiss auch Dora Grozer. Aber in ihrer Zeit in Aesch wollte sie nicht mit dem Namen, sondern mit Leistung überzeugen und wurde auch wegen ihrer ruhigen, freundlichen Art zu einem Publikumsliebling. «In Deutschland kommen die Fans auf dich zu, wollen dein Trikot. In der Schweiz sind sie zurückhaltender, was ich aber auch schätzte. Ich gebe mich immer so, wie ich bin, und wenn das ankommt, freut es mich», erzählt Grozer.

Dass die Deutsche überhaupt in Aesch gelandet ist, hat viel mit Headcoach Andi Vollmer zu tun. «Andi hat mir den Wechsel nach Aesch schmackhaft gemacht. Er glaubte immer an mich, gab mir die Freude zurück, pushte mich und arbeitete viel mit mir. Er machte mit mir Einzeltrainings und Videoanalysen und ich konnte mich deshalb wesentlich verbessern.» Auch deshalb blickt Grozer, wie sie sagt, mit einem guten Gefühl auf die beiden Saisons in der Schweiz zurück. «Ich hatte gute Teamkolleginnen und lernte viele tolle Menschen kennen. Es gefiel mir in Aesch und ich denke, ich könnte eines Tages wieder zu Sm’Aesch zurückkehren. Der Verein hat mir signalisiert, dass eine Rückkehr irgendwann durchaus denkbar sei und das finde ich schön, wenn man sich so trennen kann.»

Doch aktuell ist für sie nicht wirklich an Volleyball zu denken. Stattdessen vertreibt sie sich in der Quarantäne in Ungarn die Zeit mit einer weiteren Leidenschaft: Grozer kocht sehr gerne, wenn sie Zeit und Gäste habe, wie sie verrät. «Meine Eltern hatten mich früh eingespannt zu Hause, beim Kochen und generell bei Arbeiten im Haushalt. Ich koche gerne ungarische Gerichte und freue mich, wenn ich von meiner Mutter Rezepte bekomme.»

Das dürfen jetzt vorläufig Georg Junior und Tim geniessen. «In den ersten Tagen in Quarantäne haben wir noch nicht so viel Sport gemacht. Ja, bis ich hier ankam, hatte ich gar nicht an Volleyball denken können. Doch jetzt wurde es dann doch langweilig. Wir haben einen grossen Garten, können uns da ausreichend bewegen. Auch ohne Halle wissen wir, wie wir uns auch auf wenig Raum fit halten können», zieht die 24-Jährige trotz Quarantäne ein positives Fazit.

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