FC Basel
Dorflädeli statt Spezialitätengeschäft in der FCB-Verteidigung

Während der FC Basel in der Offensive mit sehr viel Qualität bestückt ist, sieht es in der Defensive wegen Verletzungen und Abgängen etwas anders aus. Warum die prekäre Situation in der Abwehr FCB-Trainer Paulo Sousa in die Karten spielt.

Sebastian Wendel
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Schafft es der FC Basel (links Fabian Frei) heute Abend, sich in St. Gallen für die Heimniederlage im Juli zu revanchieren?

Schafft es der FC Basel (links Fabian Frei) heute Abend, sich in St. Gallen für die Heimniederlage im Juli zu revanchieren?

KEYSTONE

Versetzen wir uns einmal in die Lage von Paulo Sousa, wenn der FCB-Trainer jeweils morgens die Kabine betritt und in die Gesichter seiner Spieler schaut. Sousa muss sich dabei vorkommen wie ein Feinschmecker im Spezialitätenladen: köstliche Empanadas aus Paraguay, frisches Sushi aus Japan, würzige Falafel aus Ägypten oder zarteste Schweizer Schokolade. Egal, was der Gourmet einpackt – es wird ihm schmecken.

Das Gleiche gilt für Sousa: alles da, alles vom Feinsten. Ob nun der Paraguayer Gonzalez, der Japaner Kakitani, der Ägypter Hamoudi oder der Schweizer Streller – sie alle genügen hierzulande höchsten Ansprüchen und sind Garanten für offensives Spektakel. Die Regale im FCB-Laden sind randvoll. Woche für Woche muss Sousa Spielern, die andernorts gesetzten wären, erklären, warum für sie nur ein Platz auf der Ersatzbank oder auf der Tribüne bleibt.

Luxus pur also für den FCB-Trainer? Ja, aber! Denn schiebt Sousa sein Wägeli weiter in die Abteilung «Verteidiger», präsentiert sich dort die Auswahl überschaubarer als noch zu Beginn der Saison. Für den Feinschmecker hiesse das: Dorflädeli statt Spezialitätengeschäft.

Safari löst Degen ab

Von acht gelernten Verteidigern im Kader sind bislang nur drei verlässliche Konstanten: Fabian Schär, Marek Suchy und der junge Naser Aliji. Gaston Sauro ist schon im August nach Sizilien zu Catania geflüchtet – mangels Perspektiven. Ivan Ivanov, dessen Rückkehr nach langer Verletzung bevorstand, fehlt nach der erneuten Knieoperation mindestens bis Ende Jahr. Auf Arlind Ajeti, einen weiteren Innenverteidiger, verzichtet Sousa seit dem Auftaktspiel in Aarau freiwillig.

Walter Samuel, der argentinische Altmeister, kämpft seit dem 1:5 in Madrid mit Knieproblemen und ist bislang den Beweis schuldig geblieben, sein Haltbarkeitsdatum noch nicht überschritten zu haben. Kommt hinzu, dass seit Wochen ein Aussenverteidiger ausfällt: Erst Philipp Degen, der seine Fersenentzündung mittlerweile auskuriert hat und den freien Platz im Lazarett nun Behrang Safari überlassen hat: Muskelfaserriss am Mittwoch gegen Liverpool, mehrere Wochen Pause.

Sousas Idealvorstellung

Wie behebt Paulo Sousa die Baustellen im Defensivbereich? Nicht, indem er bei der Klubleitung neue Verteidiger fordert. Im Gegenteil, die scheinbar prekäre Situation spielt dem Portugiesen in die Karten: Sie erlaubt ihm umso mehr, seine Idealvorstellung vom «Multifunktionssystem Fussballprofi» umzusetzen.

Taulant Xhaka etwa: Der fühlt sich laut eigener Aussage als Abräumer vor der Abwehr am wohlsten. Unter Sousa aber lief Xhaka meist als Innen- und Aussenverteidiger auf. Oder Derlis Gonzalez: Er kam gegen Liverpool für Safari ins Spiel und übernahm defensivere Aufgaben, als es seine Ausbildung vorsieht. Ähnliches gilt für den gelernten Flügelstürmer Davide Callà, in dem Sousa auch einen Rechtsverteidiger sieht. Und hat der Ägypter Ahmed Hamoudi bei seiner Ankunft in Basel damit gerechnet, gegen Liverpool die linke Abwehrseite dichtzumachen? Kaum.

Hartes Brot oder Crèmeschnitten?

Sousa sagt: «Wenn ein Verteidiger wie Safari ausfällt, verändern wir deswegen nicht unsere defensive Organisation. Unser Plan ist es, dort andere Spieler einzubauen.» Am Mittwoch ist sein Plan aufgegangen. Auch, weil sich auf der Champions-League-Bühne kein Basler zu schade war, Dreck zu fressen. Im Alltagsgeschäft Super League aber hat Rot-Blau in zehn Spielen 14 Gegentore erhalten – vier Mannschaften stehen besser da.

In St. Gallen soll die Bilanz möglichst aufgebessert werden. Ausgerechnet in St. Gallen: Gegen die Ostschweizer hat der FCB am fünften Spieltag zum ersten Mal ein Pflichtspiel unter Paulo Sousa verloren. «St. Gallen war damals nicht besser, aber effektiver», sagt er.

Isst der FCB heute in der AFG-Arena erneut hartes Brot? Oder gibts vor der Länderspielpause Crèmeschnitten?