Nachdem sie vor Jahresfrist von den Bernern auf breiter Front plattgewalzt wurden, ist den Nordwestschweizern heuer der Auftritt auf ihrem Hausberg vorab an der Ranglistenspitze geglückt. In seinem grünen Hemd entpuppt sich der Wahl-Solothurner Bruno Gisler für die Hosenlupf-Zunft zusehends zum «incredible Hulk». Zum hünenhaften Kraftprotz mit durchschlagender Stärke also – bekannt aus dem Marvel-Comic. Unglaublich, wie selbstsicher, dynamisch und wuchtig der 92-fache Kranzer aus Rumisberg derzeit im Sägemehl auftritt.

Wer nicht mindestens eidgenössischer Kranzschwinger ist, geht dem Kurz- und Hüfter-Monster derzeit besser aus dem Weg. Ansonsten könnte es ihm blühen, dass ihn Gisler hoch hinauf in die Milchstrasse schmeisst. Nach seinem famosen Triumph am Innerschweizerischen vor zwei Wochen in Emmen bettete der Lokalmatador auch auf dem Weissenstein jeden Gegner ins Sägemehl. Zum Auftakt gleich mal den vierfachen Saisonsieger Arnold Forrer. Mit fünf weiteren Plattwürfen liess er in der Folge nichts, rein gar nichts mehr anbrennen und wiederholte damit seinen Triumph aus dem Jahr 2003. Seinerzeit noch für den Nordostschweizerischen Verband.

Gisler gehört nun zum Favoritenkreis

Nach seinem vor Kraft und Energie nur so strotzenden Auftritt auf dem Weissenstein gehört der Gisler Bruno Ende August am Eidgenössischen in Burgdorf definitiv zum Favoritenkreis. «Das ist wohl so», murmelt der nunmehr 16-fache Kranzfestsieger zurückhaltend. «Der absolute Hammer», schwärmt dagegen Stefan Strebel über den Sport, den Gisler derzeit im Sägemehl-Ring abliefert. Strebel ist Technischer Leiter der Nordwestschweizer. Einen, der so auftrete, habe es in seinem Verband schon lange nicht mehr gegeben. Woher die Klasse des 30-jährigen, dreifachen Familienvaters herrührt, ist für Strebel klar: «Er hat eine Topvorbereitung hinter sich und wird auch am Tag X in Burgdorf voll parat sein, da bin ich mir ganz sicher.»

Insofern glaubt der Technische Leiter daran, dass der NWS einen der Finalisten in Burgdorf stellen kann. «Die Hoffnung ist berechtigt», hält Strebel fest. Um in Burgdorf effektiv um die Krone mitzuschwingen, wird Gisler freilich auch den einen oder anderen Teamkameraden brauchen, der mithilft, die Konkurrenz aus Bernbiet, Nordost- und Innerschweiz zu bremsen. Ein Solo wie auf dem Weissenstein ist ihm zwar, Stand jetzt, durchaus auch am Esaf zuzutrauen; ein solches indes würde dann ungleich schwerer.

Nerven und Kaltblütigkeit gefragt

Nun, im Idealfall hätte es für die Gastgeber auf dem Weissenstein, trotz härtester Konkurrenz, fünf bis sechs Kränze absetzen können. Lorenz Blatter (Feldbrunnen), Cédric Huber (Pratteln), Romeo Freund (Laufen) oder auch Jimmy Hasler (Hellikon) hätten mit einem Sieg im sechsten Gang gekranzt. «Speziell an einem Bergfest braucht es aber eben auch Nerven und Kaltblütigkeit, wenn es um die Wurst geht», hält Strebel fest. Just an denen hat es dem genannten Quartett diesmal (noch) gefehlt. Andres Henzer (Schönenbuch) und Henryc Thoenen (Binningen) schwangen zwar im letzten Gang obenauf – verloren den nötigen halben Punkt zum Kranz jedoch schon auf dem Weg dahin. So blieb dem Basler Duo «finalement» Platz 1 hinter den Kränzen.

Nebst dem Sieger konnten sich so «nur» noch zwei andere NWS-Protagonisten – sprich Eidgenossen – unter den 16 Kranzgewinnern einreihen. Die Routiniers Mario Thürig und Christoph Bieri behielten die Nerven und klassierten sich auf den Rängen fünf und sechs. «Drei bis vier Kränze waren für uns realistisch», sagt Strebel. Insofern sei er mit der Leistung seines Teams «sehr zufrieden». Dies just auch angesichts der namhaften Konkurrenz aus Inner- und Nordostschweiz. Wenn am Abend Kapazitäten wie ein Arnold Forrer, Andi Imhof oder Ivo Laimbacher die Heimreise ohne Eichenlaub antreten müssen, spricht dies durchaus für die Qualität des Siegers, der Kranzer und des Teilnehmerfelds.