Er wolle noch kurz eine kleine Pointe nebenbei erzählen, sagt Marcel Koller. Hinter ihm am Flughafen in Eindhoven steigen seine Spieler und sein Staff in den Flieger ein, der sie nach Hause bringen wird. Aber Koller nimmt sich Zeit. Die 2:3-Niederlage sitzt nicht so tief. Jeder hätte das Resultat im Vorfeld unterschrieben, im Speziellen aufgrund der zwei Auswärtstore.

Einer der beiden Torschützen war Albian Ajeti, um die sich Kollers Pointe dreht: «Ich habe ihm gesagt, dass ich einen Stürmer suche, der läuft und der Tore erzielt.» Ajeti habe gekontert, dass andere Trainer entweder das Eine oder das Andere wollen. «Ich aber brauche beides», habe Koller ihm erklärt. Und war glücklich mit Ajetis Umsetzung gegen PSV: «Er war viel unterwegs, hat den Ball verteidigt und ein schönes Tor erzielt.»

Ajeti steht bei Koller, aber auch in der öffentlichen Wahrnehmung, stellvertretend für eine gute Basler Offensive. Und vor allem: für eine effiziente Basler Offensive und damit für eine wiederentdeckte, lange vermisste Qualität.

In den Vorbereitungsspielen erzielte der FCB mit einer Ausnahme immer vier oder mehr Tore. Gegen Sion resultierten ebenso viele, gegen Eindhoven zwar nur zwei, aber auswärts sind diese wahrlich doppelt wertvoll.

Bemerkenswert ist vor allem, wie viele beziehungsweise wenige Chancen der FCB auf einmal benötigt. Sechs Mal schoss man in Sion aufs Tor. Vier Mal war er drin. Drei Chancen hatte man in Eindhoven. Zwei davon landeten im Netz. Es ist eine Treffsicherheit, die man wohl zuletzt mit Seydou Doumbia und Marc Janko in der Spitze bestaunen durfte.

Insbesondere in der letzten Saison herrschte König Chancenwucher. Bestes Beispiel: Zu Hause gegen GC gibt der FCB 32 (!) Torschüsse ab. Drin sind: Null. Auch Ajeti spricht dieses Spiel an: «Wenn man daran denkt, kann es ja nur besser werden.»

Gerade der 22-Jährige wurde im vergangenen Winter harsch kritisiert, war statistisch gesehen der Spieler, der in der ganzen Liga die meisten Chancen in den Sand setzte. Dennoch war er mit wettbewerbsübergreifend 21 Treffern Basels Torschütze Nummer 1. Auch jetzt hat er bereits wieder zwei Tore und zwei Assist auf dem Konto – nach nur zwei Spielen.

Die Basis? Ehrlich die Meinung geigen

Doch woher kommt der Wandel? «Wir haben das ganze letzte Jahr an der Effizienz gearbeitet und die Spieler immer wieder darauf hingewiesen», sieht Koller einen Grund. Ajeti streicht heraus, dass «wir in der Vorbereitung viel als Mannschaft unternommen haben, uns ehrlich die Meinungen gesagt haben und was besser werden muss. Auf dieser Basis wurde dann gearbeitet.»

Eine fruchtbare Basis, vor allem wenn man die Zahlen der noch jungen Saison einem Vergleich unterzieht: Gegen Paok Thessaloniki, über den der FCB vor einem Jahr in der selben Qualifikationsrunde stolperte, hatte der FCB in zwei Spielen acht Torchancen. Die Resultate lauteten 1:2 und 0:3. Einen Achtel der Chancen wurden damals genutzt, am Dienstag zwei Drittel. «Wir haben Selbstvertrauen. Wir machen aus wenig viel. Wir machen aus Halbchancen Tore», fasst Ajeti prägnant zusammen. Bedenkt man, dass der FCB im heimischen Joggeli die eine oder andere Chance mehr haben dürfte als in Eindhoven, stimmt dies positiv.

Überbewerten will der Cheftrainer die jüngsten Entwicklungen aber noch nicht. Auch wenn eine Chancenauswertung wie die aktuelle etwas ist, was in den Augen Kollers eine Fähigkeit von Top-Teams ist, sagt er auch: «Jetzt schon zu sagen, dass wir einen Schritt weiter sind, wäre ein zu grosser Satz.» Man müsse das erst einmal beibehalten können und weiter arbeiten. Koller streicht Ajeti heraus, sagt, «er soll weiter dran bleiben.» Und als kleine, weitere Pointe fügt er noch an: «Das können Sie ihm mit einem schönen Gruss von mir ausrichten.»