Volleyball
Die Europameisterschaft steht an: Drei Sm’Aesch-Spielerinnen wollen Geschichte schreiben

Für die Schweizer Volleyball-Nationalmannschaft beginnt morgen gegen Kroatien die Europameisterschaft. Erstmals will sie in den Achtelfinal vorstossen. Madlaina Matter, Méline Pierret und Sarah von Rooij wollen tatkräftig mithelfen. Inspiration für Grosstaten haben sie.

Simon Leser
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Sarah von Rooij absolviert in Kroatien ihre erste Europameisterschaft.

Sarah von Rooij absolviert in Kroatien ihre erste Europameisterschaft.

Anthony Anex / KEYSTONE

Zadar ist ein hübsches Städtchen, auf einer Landzunge am Adriatischen Meer gelegen, der alte Kern an drei Seiten von Wasser umgeben. Ruinen und Tore prägen das Bild in der kroatischen Hafenstadt, in der gestern die Schweizer Volleyball-Nationalmannschaft der Frauen gelandet ist. Doch ihr Interesse gilt nicht der Altstadt, sondern liegt weiter ausserhalb. Dort, wo die Strassen an Charme verlieren, erhebt sich ein Sporttempel, der wie ein auf der Erde gelandetes Ufo erscheint: die Kresimir Cosic Sports Hall. Hier will die Frauen-Nati Volleyballgeschichte schreiben, indem sie anstrebt, erstmals an einem Grossanlass in den Achtelfinal vorzustossen.

Dass das gelingt, liegt auch in den Händen von drei Akteurinnen, die in der kommenden Saison zusammen bei Sm’Aesch-Pfeffingen spielen werden. Madlaina Matter, Méline Pierret und Sarah von Rooij sind Teil einer Schweizer Mannschaft, die morgen Donnerstag an der Volleyball-Europameisterschaft ihre Gruppenphase beginnt – mit einem Spiel gegen Mitgastgeber Kroatien. Matter sagt dazu:

«Wir sind als Aussenseiterinnen in einer guten Verfassung, sie zu ärgern. Doch die Kroatinnen werden als Heimmannschaft topmotiviert sein.»

8500 Zuschauerplätze fasst die Halle, doch wegen der Coronaregeln sind nur 1000 zugelassen. Zumindest ein Hexenkessel bleibt den Schweizerinnen erspart.

In ihrer Gruppe treffen sie nebst Kroatien auf Ungarn, Weissrussland, die Slowakei und Italien. Allesamt Nationen, die in der Weltrangliste teils deutlich vor der Schweiz stehen. Zwei Teams muss diese hinter sich lassen, um nach Belgrad reisen zu dürfen, wo der Achtelfinal stattfindet. Da Kroatien und Italien normalerweise eine Nummer zu gross sind, gilt der Fokus den anderen drei Teams. Zwei Mal heisst es: Verlieren verboten. «Dieser Druck ist schön, weil wir dann beweisen können, dass wir auch unter Druck imstande sind, Leistung abzurufen», meint Matter. Und von Rooij ergänzt: «Dafür trainieren wir nun seit Ende Juni.»

Beachvolleyball Inspiration für eigene Grosstaten

Vor zwei Jahren stand das Nationalteam ebenfalls in der Gruppenphase einer EM, doch es reichte nur zu einem Sieg. Zu wenig für den Achtelfinal und die Geschichtsbücher. Matter und Pierret waren damals in Bratislava schon dabei. Eine Erfahrung, die jetzt hilft: «Wir sind weniger nervös, weil wir den ganzen Rummel schon durchgemacht haben», sagt Matter. Das Team sei breiter aufgestellt, das Niveau bleibe trotz Wechsel gleich. «Zudem haben wir alle persönliche Fortschritte gemacht», sagt Pierret, welche die Eingespieltheit und die druckvollen Anspiele als Stärke hervorhebt.

Die einzige der drei Sm’Aesch-Spielerinnen, für die eine EM Neuland ist, ist gleichzeitig die älteste: Sarah von Rooij. Dafür, dass die 29-Jährige deswegen nervös die Decke hochgehen würde, sei sie zu alt, sagt sie und lacht. «Ich habe solche Spiele immer im Fernseher angeschaut. Selbst Teil davon zu sein, ist einfach sehr cool.»

Madlaina Matter (mit der Nummer 6) streckt sich in einem Testspiel nach dem Ball.

Madlaina Matter (mit der Nummer 6) streckt sich in einem Testspiel nach dem Ball.

Anthony Anex / KEYSTONE

Wenn die drei Sm’Aesch-Spielerinnen morgen in der Kresimir-Cosic-Halle einlaufen, wollen sie sich auch von ihren Schweizer Berufskolleginnen inspirieren lassen, die im Sand nach den Bällen hechten. Bronzemedaille an den Olympischen Spielen, Goldmedaille an der Europameisterschaft in Wien – die Schweizer Volleyballszene ist in aller Munde. «Das gibt uns Motivation und den Glauben, dass auch wir Grosses erreichen können», sagt Matter. Zusammen hat sie mit ihren Teamkolleginnen nach den Trainings, gebannt um ein Handy stehend, die Spiele verfolgt. Doch auch die eigenen Erfolge bestärken. In der Vorbereitung bezwang das Team von Saskia van Hintum mit Spanien zwei Mal hintereinander einen anderen EM-Teilnehmer.

Sm’Aesch liegt für Matter, Pierret und von Rooij gedanklich noch in weiter Ferne. Nur Nachrichten, die im internen Teamchat gelegentlich aufpoppen, erinnern sie an den Klub. Wenn sie in wenigen Wochen im Baselbiet ankommen, wollen sie mindestens den EM-Achtelfinal im Gepäck haben. Und damit Geschichte geschrieben haben.

Die Spiele der Schweiz

19.08.21, 17 Uhr: Kroatien – Schweiz 

21.08.21, 20 Uhr: Ungarn – Schweiz

23.08.21, 20.15 Uhr: Schweiz – Weissrussland 

24.08.21, 20 Uhr: Schweiz – Slowakei

26.08.21, 20 Uhr: Italien – Schweiz

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