Fussball
Drohnen, Disco-Musik und Dosenbier: Ein Tag auf dem Gelände des Marbella Football Centers

Der FC Basel verbringt derzeit sein Trainingslager im sonnigen Marbella. Neben den Baslern verbringen auch noch weitere Mannschaften die Wintertage im milden Andalusien. Dies bringt Vor- und Nachteile.

Sébastian Lavoyer
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Stretching vor dem Training in der Morgensonne: Der FC Basel bereitet sich im Marbella Football Center auf die Rückrunde vor.

Stretching vor dem Training in der Morgensonne: Der FC Basel bereitet sich im Marbella Football Center auf die Rückrunde vor.

Andy Mueller/freshfocus

Als FCB-Materialwart Roger Eglin und sein Kollege Mauro Vivarelli am Dienstag kurz vor 9 Uhr auf das Gelände des Marbella Football Centers (MFC) fahren, sind die Schatten noch lang und ausser dem Plätschern des Brunnens gleich beim Eingang der Trainingsanlage ist kaum etwas zu hören. Noch ruht der Ball. Dafür stochert ein gutes Dutzend Hilfsarbeiter mit ihren Rechen auf dem Platz herum. Der Rasen ist das grosse Kapital der Anlage.

Als der FCB-Car auf die Anlage biegt, säubert José den Rasen vor dem Tor mit einem Laubbläser. Manolo streut Dünger. Es ist 9.43 Uhr. Während sich die FCB-Stars rund um Captain Matías Delgado aufwärmen, fahren weitere Cars mit Millionen-Fracht an Bord die Auffahrt hoch. Fast im Minutentakt kommen sie. Zuerst die Suwon Bluewings aus Südkorea, dann Dynamo Dresden aus der 2. Bundesliga und schliesslich Dynamo Kiew (Ukraine), der Zweite der ukrainischen Premier Liga.

FCB-Assistenz-Trainer Marco Walker leitet die erste Übungseinheit. Langer Pass, kurzer Pass, langer Pass. Alles direkt, alles in hohem Tempo, immer im Kreis. Spanisch, Englisch, Deutsch – in drei Sprachen heizt Walker den Profis ein. Urs Fischer in der Hocke. Noch ist er Beobachter. Die vier Torhüter rund um Nummer 1 Tomas Vaclik wärmen sich auf dem kleineren Nebenplatz auf.

Ein Spion auf dem Dach?

Aus dem Kellergeschoss des dreistöckigen Gebäudes im Zentrum der Trainingsanlage dröhnt zeitgleich laute Musik. Immer wieder Schreie, Gebrüll. Es tönt wie eine Mischung aus Disco und Folterkammer. Die Südkoreaner stemmen Gewichte, reissen an Gummischläuchen. «Ein Kollege von mir hat mal in Südkorea gearbeitet. Er erzählte mir, dass die rennen, als gäbe es kein Morgen», sagt FCB-Fitnesscoach Werner Leuthard zu Leistungsdiagnostiker Michael Müller. Kopfschütteln. Die Südkoreaner werden an diesem Morgen keinen Ball sehen. Trainingsmethoden wie anno dazumal, als man in der Vorbereitung noch Kilometer abspulte.

Plötzlich steigt vom Dach des Gebäudes eine Drohne in die Luft. Ein Spion? Nein, ein Mitarbeiter von Dynamo Dresden, der Aufnahmen für die Vereinshomepage macht. «Ich muss die Gelegenheit nutzen, wenn es schon mal so windstill ist», sagt er. Unten, auf der kleinen Tribüne hängen rund 50 Dynamo-Fans auf den Bänken in der Sonne. Immer wieder schlendert einer runter in die kleine Bodega von Maria Steppuhn und Werner Wehner. «Sie holen sich hier ihren Lieblingstee», sagt Maria. «Hopfenblütentee», ruft Werner unter der Theke hervor.

Urs Fischer hat sich unterdessen die Verteidiger geschnappt, übt mit ihnen Stellungsspiel. Seit rund 45 Minuten sind die FCB-Profis jetzt auf dem Platz. Die Mittelfeldspieler und Stürmer trainieren zeitgleich die Angriffsauslösung unter der Leitung von Assistent Markus Hoffmann und Talentmanager Thomas Häberli. «Hei Delgado», ruft auf einmal jemand aus der Umkleidekabine. Es ist Derlis Gonzalez. Im Sommer 2015 wechselte der Paraguayer vom FCB in die Ukraine. Als Delgado endlich schaut, zeigt er ihm den Mittelfinger. «Hast du das in Paraguay gelernt?», ruft der FCB-Captain zurück und lacht.

Die Südkoreaner trotten gerade zum Car, als die Spieler von Lokomotive Moskau zu den Kabinen laufen. Ein kurzer Stopp beim FCB-Training, Getuschel. Am Donnerstag spielen die beiden Teams gegeneinander. Dann verschwinden sie im Innern des Fussballzentrums. Der FCB trainiert unterdessen Überzahlsituationen. Das ganze Team unter der Leitung von Cheftrainer Urs Fischer. Er unterbricht, erklärt, nimmt Taulant Xhaka zur Seite oder weist Seydou Doumbia zurecht.

Die kettenrauchende Heliane

Die Sonne steht nun im Zenit. Alle Teams sind jetzt fertig, nur Lokomotive Moskau trainiert zur Mittagszeit noch. Auf allen anderen Plätzen haben sich die Hilfsarbeiter ans Werk gemacht. Viele von ihnen haben lateinamerikanische Wurzeln. Allesamt Billig-Arbeitskräfte im Dienste des Millionen-Geschäfts Fussball. «Rund 45 Leute kümmern sich hier zwischen Januar und März um Rasen, Mähmaschinen und Fussballer-Bedürfnisse», wie Gastón Iglesias in seinem Büro sagt. Er ist Pressechef von Football Impact, der Firma, die das Zentrum betreibt. Der Himmel draussen ist wolkenfrei, der Schweiss perlt auf den Stirnen der Rasen-Pfleger. Sie und die Sicherheitsleute sind nun alleine auf dem Gelände.

Kurz nach 14.30 Uhr endet die Fussball-Siesta, der FCZ ist gerade aus dem 45 Autominuten entfernten San Roque angekommen. Präsidentengattin Heliane Canepa sitzt im Schatten eines Segeltuchs und stimmt sich kettenrauchend auf das Freundschaftsspiel gegen Dynamo Dresden ein. Während die Basler auf dem Hauptplatz ein mannschaftsinternes Trainingsspiel absolvieren, taucht der FCZ gegen Dresden mit 1:3.

Kaum abgepfiffen schlendert Seydou Doumbia auf den Platz, er steuert direkt auf Gilles Yapi zu, seinen alten Kumpel aus YB-Tagen. Auch Renato Steffen und Taulant Xhaka sind da. Im Doppelpack, wie so oft dieser Tage. Ihr Ziel: Uli Forte. Unter dem FCZ-Coach trainierte Steffen bei YB und Xhaka bei GC. So klein ist die Fussball-Welt. Und während sich in Basel und Zürich schon jetzt alle auf das Derby im Cup freuen (2. März), meint Forte nüchtern: «Das ist eine schöne Sache, aber wenn wir den Start in die Rückrunde verschlafen, können wirs gegen Basel sowieso vergessen.»

Die Sonne senkt sich hinter die Hügel im Westen. Der Rasen wird noch ein letztes Mal massiert. Der Ball soll rollen, nicht springen. Auch heute.