Rollhockey
Dummheit, Missgunst und Neid regieren im Schweizer Rollhockey

Er steht nicht gerne im Rampenlicht. Und medial lässt er sich schon gar nicht «einnehmen». Aber er ermöglicht es, dass in der Schweiz und Deutschland überhaupt auf ordentlichem Niveau Rollhockey gespielt werden kann. Roger Ehrler, der Basler Rollhockey-Förderer und Mäzen, will sein Engagement einstellen.

Georges Küng
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Will und kann dem Treiben in der Rollhockey-Szene nicht mehr länger zusehen: Roger Ehrler.

Will und kann dem Treiben in der Rollhockey-Szene nicht mehr länger zusehen: Roger Ehrler.

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Roger Ehrler, den man guten Gewissens «Mister Rollhockey» – zumindest auf dem europäischen Kontinenten – nennen kann.

Ehrler, einst beim RS Basel aktiv, ermöglichte in den 90er-Jahren, dass der RSV Weil am Rhein zu einer der besten Adressen im Schweizer Rollhockey wurde. Denn die Weiler hatten mit Erfolg einen Wechsel von der 1. Bundesliga in die Nationalliga A (um Kilometer und Reisekosten zu sparen) angestrebt.

Roger Ehrler ist grosszügig. Wohl zu grosszügig. Er alimentiert den Schweizer und Deutschen Rollhockey-Verband. Er hilft neuen Vereinen bei der Gründung und bezahlt Material und Lizenzgebühren. Vor allem die Jugend hat es ihm angetan. Wer immer, egal ob in Deutschland oder der Schweiz, finanzielle Hilfe des Industriellen einforderte, bekam diese.

Legendärer Transfer-Coup

«In den letzten 30 Jahren habe ich Millionen von Franken dem Rollhockey-Sport zukommen lassen», sagte Ehrler vor zwei Jahren, als er im Krach vom RSV Weil am Rhein schied. Und den Ortsrivalen RHC Friedlingen International e.V. gründete.

Innert drei Jahre haben sich die Friedlinger an der Spitze der Nationalliga A etabliert. Und mit dem Zuzug von David Paéz (einst 15 Jahre beim FC Barcelona, dem «Lionel Messi auf Rollschuhen»), gelang Ehrler auch ein Coup, der durch die ganze Rollhockey-Welt ging.

Viele sind der Meinig das der RHC kein Anrech auf Europa hat

Doch Ehrler sieht sich mit Hürden konfrontiert. Der europäische Verband (CERH) lässt die Friedlinger nur am Europacup mitmachen, wenn diese den Deutschen Pokal gewinnen. Was heuer nicht der Fall ist.

Und die Schweizer Klubs, die einst um die Integration des RSV dankbar waren, sehen in den beiden Weiler Vereinen (die am Samstag die Halbfinal-Hinspiele um die Schweizer Meisterschaft bestreiten) nun Rivalen, welche ihnen Europacup-Plätze, oder gar Titelehren, wegnehmen.

Dass ein Grossteil der Schweizer Klubs aber nur europäisch spielen kann, weil ein gewisser Roger Ehrler die Kosten übernimmt, übersehen die Ligakonkurrenten grosszügig. Und weil der RHC Friedlingen halt doch ein Deutscher Klub ist, welcher in der Schweizer Meisterschaft mitspielt, sind nicht wenige der Meinung, dass sie kein Anrecht auf eine europäische Teilnahme haben.

Eine Frage der Existenz

Dazu lässt man die Friedlinger, die mit dem Katalanen Jordi Camps, den beiden Argentiniern Páez und Fabrizio Marimont sowie dem Brasilianer Michel Dantas gleich über ein ausländisches Quartett verfügen, spüren, dass sie eine Profi-Equipe sind.

Dass die meisten Schweizer Klubs, sicher bedingt durch die Wirtschaftskrise in Spanien und Portugal, ebenfalls mit Akteuren aus der Iberischen Halbinsel spielen, wird grosszügig vergessen. So stehen beim RHC Diessbach, das am Samstagabend (20.15 Uhr; Rollerdrom) in Friedlingen gastiert, drei Portugiesen unter Vertrag.

Und so hat Roger Ehrler in einem «Offenen Brief» in diesen Tagen angekündigt, dass «ich wegen Dummheit, Missgunst und Neid meinen finanziellen Support einstellen werde». Es würde schlichtweg bedeuten, dass aus der Randsportart Rollhockey eine de facto inexistente Sportart würde. Zumindest in der Schweiz und in Deutschland.