Er wusste, dass dieses Thema irgendwann angesprochen werden würde. Deshalb kam Präsident Bernhard Burgener von sich aus auf das FCB-Engagement im E-Sports zu sprechen. Er weiss, wie sehr dem Kern der Muttenzer Kurve die digitalen Ambitionen des Klubs widerstreben. «E-Sports dr Stegger zieh» – diese Botschaft haben die eingefleischten Fans mehrfach und in unmissverständlicher Art unter die Leute gebracht: mit schwarzem Rauch und riesigem Banner im Stadion, in riesigen Lettern als Grafiti an der Autobahn.

«Das sind irgendwelche Söldner»

Und so steht Burgener also hinter einem Vorhang aus Regen im Rampenlicht und preist die Vorteile, das Gute an diesem Engagement. «E-Sports bewegt die Massen, baut Brücken», sagt er. Im Hintergrund Donnergrollen. Endzeit-Stimmung. Es hat etwas Eigenartiges, das ganze Szenario. Und die ganze Entwicklung, die Digitalisierung, der Vormarsch der Controller-Helden etwas Unaufhaltsames, so wie ihn Burgener darstellt.

Die Premier League habe am vergangenen Wochenende beschlossen, dass es ab kommender Saison eine E-Premier-League gebe. In Holland und Österreich ist dies schon Tatsache. Und in der Schweiz rechnet er damit, dass die Liga den Klubs ab 2019 vorschreibt, auch ein Team an der Playstation zu stellen.

Kurz: Burgener wird den Stecker nicht ziehen

Die Kritik lässt nicht lange auf sich warten. Zweifel werden geäussert, dass die drei für den FCB antretenden E-Sportler dem Klub etwas bringen, geschweige denn der Region. Zwei Deutsche, ein Zürcher. «Das sind irgendwelche Söldner.» Oder wie ein anderer Kritiker meint: «Man muss diese Entwicklung doch nicht einfach hinnehmen. Der FCB als grösster Klub der Super League kann sich bei der Liga doch gegen eine solche E-Liga aussprechen.»

Burgener nimmt die Kritik zwar ernst, sagt, er hätte es selbst lieber anders. Aber gibt auch zu Bedenken, dass der FCB das Rad der Zeit nicht zurückdrehen könne: «Wir können nicht einfach hinstehen und sagen: Wir sind Nostalgiker, das wollen wir nicht. Wir müssen bereit sein, uns zu verändern.» Kurz: Den Stecker wird er nicht ziehen.

Jahreskarten-Verkäufe sind rückläufig

Denn er hofft mitunter dank E-Sports wieder mehr Leute ins Stadion zu locken. Ein weiteres grosses Thema, mit dem sich der Verein rumschlägt. Die Jahreskarten-Verkäufe sind rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr hat der FCB 5 Prozent weniger verkauft, was derzeit 21 958 Jahreskarten entspricht. Auch die Ticketeinnahmen sind entsprechend rückläufig und im Vergleich zum Vorjahr von 28,5 Millionen auf 26,74 Millionen Franken gesunken.

Ein weiteres Problem, das mit dieser Entwicklung zusammenhängt und dem der FCB noch nicht wirklich auf die Schliche gekommen ist, sind die No-Shows. Fast 30 Prozent bleiben den Spielen fern, obschon sie gültige Tickets hätten.

Ob E-Sports wirklich hilft, diesem Trend entgegenzuwirken, da scheint sich die Klubführung allerdings selbst nicht so sicher. Sonst hätte sie kaum eine Taskforce einberufen, die sich damit beschäftigt.