Es ist Ende Juni, meteorologisch hat der Sommer längst begonnen. Zu dieser Zeit werden viele Leute vom Reisefieber gepackt und sie verabschieden sich in die wohlverdienten Ferien. Nicht so die Läuferinnen des Eislaufclub beider Basel (ECB), die hohen Besuch bekommen haben.

Der russische Trainer Alexei Mischin, der einst dem russischen Eiskunstläufer Jewgeni Pluschenko zu zweimal Olympia- und dreimal WM-Gold verholfen hat und heute Coach der erst 18-jährigen amtierenden Weltmeisterin Jelisaweta Tuktamyschewa ist, übernimmt für eine Woche das Zepter in der St. Jakob-Arena in Basel. Zur Unterstützung hat er einige seiner Schützlinge aus Russland mitgebracht; darunter die zwölf Jahre alte Lisa, die als grosse Nachwuchshoffnung gilt.

Durch klubinterne Beziehungen und jede Menge Organisation von Eltern konnte man Mischin für das Camp an sich binden. Um die Ausgaben des grössten Eislaufklubs der Schweiz im Rahmen zu halten, hat man die von Mischin trainierten Läuferinnen in Familien untergebracht. Einzig Mischin selber residiert in einem nahe gelegenen Hotel.

Man verspricht sich viel von Mischins Engagement

René Rohrer, Präsident des ECB, hat das Projekt vorangetrieben. Er erzählt seine Beweggründe: «Einerseits wollen wir mit dem Engagement Mischins unsere Läuferinnen motivieren und ihnen etwas bieten. Andererseits profitieren die Läuferinnen von seinen Tipps. Auch für unsere Trainer ist er eine Bereicherung, denn sie können durch seine Inputs neue Schlüsse ziehen und Verbesserungen gezielter anbringen.»

Die einheimischen Teilnehmerinnen sehen den Vorteil des Camps vor allem darin, dass Jungtalente wie Lisa, die bereits alle Dreifachsprünge beherrscht, mit von der Partie sind. So können sie perfekt vorgeführte Übungen hautnah beobachten und erhalten von Mischin zeitgleich Anweisungen zur Optimierung.

Es fällt sofort auf, dass das Eislaufen hier eine Randsportart ist. Eine Mutter berichtet, dass die Eltern jeweils alles selber finanzieren und organisieren. Wenn das Eis für einige Zeit einer Erotikmesse weichen muss, sind die Eltern gefordert, schnellstmöglich eine neue Trainingslokalität aufzutreiben und diese natürlich zu bezahlen.

Eiskunstlauf soll mehr gefördert werden

Dies will Rohrer künftig vermeiden. Sein Ziel ist ein Leistungszentrum in Basel. In Zürich und der Romandie gibt es bereits solche. Dies würde der Schweiz helfen, im internationalen Ranking mithalten zu können.

Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Alexei Mischin klatscht in die Hände, die Läuferinnen und wenigen Läufer der Elitegruppe versammeln sich um ihn. In Turnschuhen steht er auf dem Eis. In gebrochenem Englisch fordert er wie immer Lisa auf, die nächste Übung vorzuzeigen. Nicht schlimm, wenn es jemand nicht verstanden hat. Denn jede Erklärung demonstriert Mischin mit viel Ganzkörpereinsatz, sodass man sich ungefähr denken kann, was er sehen will.

Die Boxen geben zum wiederholten Mal ein euphorisches «Sing, sing, sing, sing, everybody start to sing» zum Besten. Dann fangen alle an, den verlangten Sprung zu üben. Schwierig, in diesem wilden Durcheinander den Überblick zu behalten. Doch für Alexei Mischin kein Problem. Sein geschultes Auge sieht jede Kleinigkeit.