Eishockey

EHC Zunzgen-Sissach feiert seine Wiederauferstehung und Marco Streller wagt sich aufs Eis

ZS-Fest Marco Streller

Marco Streller in Eishockey-Montur

August 2019

Nach dem drohenden Dacheinsturz im Oktober 2012 stand der Eishockeyklub Zunzgen-Sissach vor dem finanziellen Ruin. Sieben Jahre nach dem Drama markiert das ZS-Fest am Wochenende den Start in eine ruhigere Zukunft. Dafür lässt sich auch Marco Streller nach Sissach locken.

Die Geschichte ist in der Beiz des Eishockeyklubs Zunzgen-Sissach greifbar. An den Fenstern hängen Trikots des Vereins, beginnend bei zwei unterschiedlichen Leibchen, als die Dörfer Zunzgen und Sissach noch eine eigene Mannschaft stellten. Dahinter breitet sich die Eishalle aus. Nichts lässt erahnen, dass das Dach dieser Halle im Jahr 2012 den Oberbaselbieter Verein beinahe in den finanziellen Ruin stürzte.

In der Beiz sitzt Ruedi Müller, vor ihm ein schwarzer Kaffee. Seit 35 Jahren ist das ehemalige Vorstandsmitglied als Spieler, Trainer und Sportchef auf der Sissacher «Kunsti» tätig. «Der Verein ist mein Herzblut», sagt er. Müller erzählt leidenschaftlich, wie ihn die vergangenen Jahre prägten. Es ist eine Geschichte in fünf Akten.

Erster Akt: Der drohende Dacheinsturz

Im Oktober 2012 verändert sich die Geschichte des EHC Zunzgen-Sissach schlagartig. Das Dach der Eishalle droht einzubrechen. Müller bekommt das Drama als damaliger Sportchef hautnah mit: «Ich war auf dem Weg zur Kunsteisbahn, um einen Kaffee zu trinken. Hier herrschte eine grosse Unruhe. Mir wurde gesagt, dass ein Einsturz des Daches drohe. Alle Mannschaften befanden sich mitten in der Saison, aber wir konnten nicht spielen. Für mich und meine Vorstandskollegen war die Situation ein Hammerschlag. Das Bitterste war, dass wir vorher so viel Herzblut in den Verein steckten. Vom einen auf den anderen Tag waren wir mit der Frage konfrontiert, ob es den Verein nach so vielen Jahren in Zukunft überhaupt noch geben wird.»

Zweiter Akt: Die kurzfristige Rettung

Die erste Mannschaft des ZS befindet sich zum Zeitpunkt des drohenden Dacheinsturzes in der 1. Liga. Müller und seine Kollegen setzen alle Hebel in Bewegung, um die Saison zu retten: «Kurz nach dem Dachvorfall haben wir eine mobile Aussenanlage geplant, um die Saison zu beenden. Ansonsten hätten wir den Verein auflösen können. Die Gemeinde Sissach unterstützte uns nicht von Anfang an. Da ich aber den damaligen Regierungsrat Urs Wüthrich hinter mir wusste, setzte sich schliesslich auch die Gemeinde an den Tisch. Ich realisierte, dass ohne Vitamin B nichts geht. Ich bin heute noch stolz, dass wir die Anlage in sechs Wochen aufgebaut haben. Damit haben wir den Klub gerettet.»

Dritter Akt: Die nächste Hiobsbotschaft

Die Saison ist aufgrund der mobilen Aussenanlage gerettet, das Problem mit dem Dach besteht aber auch im Sommer 2013 noch: «Kaum war die Saison vorbei, kam die nächste Hiobsbotschaft. Das Dach liess sich nicht reparieren. Für die mobile Aussenanlage bekamen wir keine Bewilligung, denn diese wäre unser finanzieller Tod gewesen. Wir verteilten die gesamte Juniorenabteilung auf umliegende Vereine. Unsere erste Mannschaft zogen wir aus der 1. Liga zurück und meldeten sie für die 2. Liga an. Das Debakel um das Dach nahm uns die Entscheidung ab, da uns finanziell keine andere Wahl blieb.»

Vierter Akt: Die Wiederauferstehung

Im Jahr 2015 kann der ZS wieder in Sissach eine Saison in Angriff nehmen. Das Gröbste ist für Müller durchgestanden: «Wir wollten die Junioren, die wir an andere Vereine verteilt hatten, wieder zurückholen. Dies gelang uns nicht ganz, weil sie teilweise in ihren neuen Klubs schon integriert waren. Heute können wir aber mit Stolz behaupten, dass wir mehr Junioren als vor dem Dachvorfall haben. Der Verein befindet sich auf einer Erfolgswelle und hat so etwas wie eine Wiederauferstehung erlebt.»

Fünfter Akt: Das Fest für eine bessere Zukunft

Am Wochenende organisiert der Verein das ZS-Fest. Für Müller, der in der Zwischenzeit nicht mehr im Vorstand ist, sind die Festivitäten eine Genugtuung: «Zum ersten Mal haben wir bei uns auf der Kunsti ab August bereits Eis. Zudem sind seit Sommer die letzten Umbauarbeiten vorbei. Deswegen organisierten wir ein Fest , mit dem wir die Vergangenheit abschliessen und die Zukunft einläuten. Meine Kollegen im OK und ich haben das Programm in drei Monaten auf die Beine gestellt. Dabei half uns Kevin Schläpfer mit seiner ZS-Vergangenheit. Dank ihm konnten wir Davos und Zürich nach Sissach holen.»

Ruedi Müller schaut nach den turbulenten Jahren hoffnungsvoll in die Zukunft. Die aktuelle Zusammenstellung der Trikots, die in der Beiz an den Fenstern hängen, ist bald wieder Geschichte. Dies jedoch aus gutem Grund: «Wenn wir schon zwei NLA-Mannschaften hier auf der Kunsti haben, müssen wir ihre Trikots auch in der Beiz hinhängen. Dafür mache ich gerne Platz», sagt er.

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