Fussball
Ein 18-jähriger Ex-FC-Basel-Junior sitzt erstmals bei Tottenham auf der Bank

Der 18-jährige Milos Veljkovic will sich beim Londoner Premier League-Klub Tottenham Hotspur einen Platz in der ersten Mannschaft ergattern. Das Risiko, mit 15 auf die Insel zu wechseln ohne grosse Erfahrung, scheint sich auszuzahlen.

Ilan Olstein
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Milos Veljkovic im Dress der Tottenham Hotspur. ZVG

Milos Veljkovic im Dress der Tottenham Hotspur. ZVG

17. März 2011, Stade de la Fontenette in Carouge: Das Team der Schweizer U16-Auswahl trifft in einem Freundschaftsspiel auf die gleichaltrige Équipe Tricolore. Im Abwehrverbund der Eidgenossen gibt der Basler Milos Veljkovic sein Debüt für die «Nati».

Dank seiner überzeugenden Leistung landet der Name des Baslers ganz zuoberst in den Notizblöcken der anwesenden Scouts des englischen Traditionsvereins Tottenham Hotspurs. Nach der ersten Kontaktaufnahme mit den Londonern folgt ein einwöchiges Probetraining.

Nach der Schule auf die Insel

Danach geht alles ganz schnell. Die Eltern bestehen zwar darauf, dass ihr Sohn das neunte Schuljahr in der WBS-Sportklasse Bäumlihof – und damit die obligatorische Schulzeit – beendet. Doch der Wechsel von den U16-Junioren des FC Basel auf die Insel steht bereits fest. Für den damals 15-jährigen, serbisch-schweizerischen Doppelbürger geht ein Traum in Erfüllung.

Der erste kleine Schritt in Richtung Premier League, einer der besten Ligen der Welt, ist getan. Dennoch bleibt der Weg dorthin ein langer und einer, an dem viele junge, talentierte Kicker scheitern. Veljkovic ist von seiner damaligen Entscheidung, nicht nur den FCB, sondern vor allem auch als Teenager das Elternhaus zu verlassen, noch heute überzeugt: «Klar ging ich ein Risiko ein, aber nach meinem ersten Besuch vor Ort und den Gesprächen mit dem Trainer waren meine Bedenken verschwunden.»

Gastfamilie ersetzt Elternhaus

Fortan lebt er bei einer Gastfamilie in Enfield ganz im Norden Londons und in der Nähe des niegelnagelneuen Trainingsgeländes der Spurs. Mit Einsätzen in der U18 von Tottenham beginnt sein England-Abenteuer. Doch schon bald nimmt ihn Tim Sherwood – der aktuelle Chefcoach des Premier-League-Teams – in seine damalige U21-Truppe. Veljkovics Spielintelligenz, seine Fähigkeit, den Spielaufbau mit sauberen Pässen anzukurbeln und sein starkes Kopfballspiel beeindrucken Sherwood.

Serbien anstatt die Schweiz

Diese Attribute setzt der Basler von nun an auch für die serbischen Nachwuchs-Auswahlen ein. Nach seinem Verbandswechsel gewinnt er im letzten Sommer an der U19-EM in Litauen den ersten internationalen Titel für eine serbische Mannschaft. Die Freude in seiner zweiten Heimat war riesig: «Wir kamen morgens um 4 Uhr in Belgrad an und wurden von vielen Fans frenetisch empfangen», berichtet Veljkovic. Trotz des grossen Erfolgs lässt er offen, ob er nach der Juniorenstufe für Serbien oder die Schweiz spielen wird.

Zurück im Norden Londons, sichert sich der gelernte Innenverteidiger, der dank seinen überdurchschnittlichen technischen Fähigkeiten manchmal auch im defensiven Mittelfeld eingesetzt wird, einen Stammplatz in der U21. Seine erste Saison (2012/2013) als Fixstarter schliesst er mit seinem Team hinter Manchester United auf Rang zwei ab. In der aktuellen Spielzeit läuft er sogar als Captain auf.

Für Veljkovic viel wichtiger: Er darf seit geraumer Zeit am Training der ersten Mannschaft mit Stars wie Roberto Soldado, Jermain Defoe oder Jan Vertonghen teilnehmen und hinterlässt dabei offensichtlich einen bleibenden Eindruck. Der Verteidiger ist mit seiner momentanen Situation mehr als zufrieden: «Ich profitiere sehr von dieser Gelegenheit. Und dass mit Tim Sherwood mein ehemaliger U21-Trainer hier nun das Sagen hat, ist natürlich toll, denn er weiss, was ich kann.»

Diese Woche erstmals auf der Bank

Der vorläufige Höhepunkt seiner noch jungen Karriere erfolgt am Donnerstag: Im Spiel der Spurs gegen West Bromwich Albion wird Veljkovic erstmals für das Star-Ensemble aufgeboten. Sein Debüt in der glitzernden Premier League bleibt ihm aber noch verwehrt. «Wenn ich weiter hart an mir arbeite, wird der Tag kommen, an dem ich in der Liga meiner Träume auflaufen werde», zeigt sich Veljkovic selbstbewusst.

Das Risiko, dass der junge Basler bei seinem Wechsel eingegangen ist, scheint sich auszuzahlen. Mit seiner furchtlosen und gleichwohl besonnen Art personifiziert er das Motto der Spurs: «Audere est facere», zu Deutsch, «es zu wagen, ist es zu tun.»