Kennen Sie die palmenförmige Insel Jumeirah vor Dubai? Wohl die wenigsten waren selbst schon dort, die meisten werden aber eine Luftaufnahme der künstlich aufgeschütteten Insel gesehen haben. Auch Till Vogt kennt die Insel nur aus der Luft. Gerade jetzt könnte der Fallschirmspringer aus dem Helikopter auf die Insel schauen. Vielleicht fliegt er aber auch gerade über der Wüste. «Im Moment gibt es zwei mögliche Ziele: die Palmeninsel oder ein Gebiet ausserhalb der Stadt über der Wüste», sagte der Allschwiler Zielsprung-Vize-Weltmeister von 2010 kurz vor Abflug ins arabische Scheichtum.

Dubai hat sich für die WM vorgenommen, neue Massstäbe zu setzen. Ein Freund, der vor Ort war, hat Vogt bereits erzählt, dass überall Plakate hängen würden. Der Springer selbst ist voller Vorfreude. «Die geben unheimlich Gas. Das wird gigantisch», sagt er. Ein paar Zahlen: Während zehn Tagen werden 1500 Springer in sieben Disziplinen ihr Können unter Beweis stellen. Insgesamt werden ungefähr 10000 Sprünge absolviert werden. Gigantisch, wenn man sich nur die Anzahl Piloten und Flugmittel vorstellt, die dafür gebraucht werden.

Ob nun über Wasser oder Wüste gesprungen wird, spielt für den Gewinner des Baselbieter Sportpreises 2011 keine Rolle. Anspruchsvoll werden die Bedingungen so oder so. Insbesondere die Dauer der Wettkämpfe, ohne zu wissen, wann man genau an der Reihe sein wird, sei herausfordernd. «Wir können wegen der Hitze wohl nur früh morgens und abends springen. Die grösste Kunst wird es sein, die Anspannung zu halten, sich aber gleichzeitig zu erholen», sagt der 30-Jährige.

«Alles beginnt bei null»

Einen Sonderstatus geniesse er nicht als Vize-Weltmeister. «Das interessiert niemanden mehr. Alles beginnt bei null», sagt Vogt. Im Zielspringen könne einen ein kleiner Fehler bereits aus dem Rennen werfen. Für das Podest kommen viele Kandidaten infrage. Das interessiert den Allschwiler aber nur sekundär. «Für mich ist es das Nonplusultra, einen Wettkampf auf dem höchstmöglichen Niveau zu springen. Ich konzentriere mich voll auf mich», sagt er. Wenn er dabei die ausländische Konkurrenz, die meisten davon Profis, die der Armee ihres Landes dienen, nervös machen kann, umso besser.

Bereits die Selektion zur WM stand auf Messers Schneide. Erst bei der SM in Locarno Ende September konnte sich Vogt definitiv qualifizieren. Ein Kopf-an-Kopf-Rennen sei es gewesen. Zehn Athleten hätten bis zuletzt um die fünf Schweizer Plätze gekämpft, sagt Vogt. Ein Springer, der 2008 mit dem Team noch eine WM-Medaille gewonnen hat, konnte sich zum Beispiel nicht qualifizieren.

Wer denkt, dass sich Vogt nach der WM noch ein paar Tage auf der Insel unter Palmen gönnt, täuscht sich. Er fliegt zurück in die Schweiz, schliesslich arbeitet er Vollzeit. Sowieso, ihm gefällt die Palmeninsel besser aus der Vogelperspektive.