Basketball
Ein Balanceakt zwischen Hörsaal, Kita und Körben

Vor fünf Minuten sass sie noch im Prüfungssaal, jetzt bestellt sie sich einen Tee mit doppelt Zucker. Viel Zeit bleibt nicht. In 30 Minuten muss sie ihren Sohn von der Kita abholen. Eva Moldovanyi ist Basketballspielerin, Studentin und Mutter.

Patrick Pensa
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Zwischenstopp im Café: Eva Moldovanyi bringt Basketball, Studium und Familie unter einen Hut.

Zwischenstopp im Café: Eva Moldovanyi bringt Basketball, Studium und Familie unter einen Hut.

Patrick Pensa

Lange Zeit stand der Sport für Eva Moldovanyi (25) im Vordergrund. Nun hätte aber das Wirtschaftsstudium Priorität, welches sie zu lange nur nebenbei betrieb. Jetzt soll es vorwärtsgehen. Darunter leidet das Basketballtraining – und auch die Leistung auf dem Platz. «Früher war ich immer in der StartingFive. Jetzt spüre ich die Konkurrenz», sagt die Baslerin, die im Alter von zehn Jahren erstmals in ein Schnuppertraining ging.

Kündigung: Harrison geht nach Spiel

Der SC Uni Basel Basket hat den Vertrag mit Michelle Harrison, die im Sommer als zweite Ausländerin neben Megan Skouby verpflichtet wurde, frühzeitig aufgelöst. Sie wird heute zu ihrem letzten Auftritt im Basler Dress kommen. Dabei liest sich ihre persönliche Statistik nicht schlecht: Bei elf Einsätzen warf sie durchschnittlich 21 Punkte, holte neun Rebounds und gab zwei Assists. Da Basketball aber ein Mannschaftssport ist, interessiert die Klubverantwortlichen des letztjährigen Meisterschaftsvierten in der der NLA eine andere Statistik, die Rangliste. Aus zwölf Spielen resultieren neun Niederlagen und nur drei Siege, welche gegen die zwei Aufsteiger und gegen ein schwaches Luzern errungen wurden: Platz 7. Deswegen war eine Reaktion gefragt. «Die Position, auf der wir reagieren können, ist die der Ausländerin», sagt Klubpräsident Emanuel Kuhn, der sich von einem Vollprofi mehr versprach. Die 1,91 Meter grosse Harrison punktet zwar, ist auf dem Feld aber nicht die gesuchte Leaderin. «Ob eine Spielerin zum Team passt, weiss man leider erst, wenn sie vor Ort ist», sagt Kuhn. Ob für die verbleibenden Spiele eine neue Ausländerin verpflichtet wird, ist noch offen. Ein neues Engagement lohne sich nur, wenn man dadurch in der ersten Playoff-Runde einem der zwei Topteams aus dem Weg gehen könne, sagt Kuhn. (PP)

Tatsächlich kommt die 1,78 Meter grosse Spielerin zu weniger Einsatzzeit als in der vergangenen Saison und punktet nicht regelmässig im zweistelligen Bereich. Währenddessen Moldovanyi den Grund für die schlechtere Statistik vor allem im Fokus aufs Studium sieht, denkt Klubpräsident Emanuel Kuhn, dass dies auch einen Zusammenhang mit Michelle Harrison (siehe Box) haben könnte. Im Gegensatz zu Vorgängerin Colleen Hart, die als Point Guard das Spiel lenkte, spiele Harrison eher auf der gleichen Position wie Moldovanyi und nehme ihr entsprechend auch einmal Bälle weg.

Solche Gedanken macht sich die 25-jährige Mutter nicht. Sie ist fasziniert vom Basketball, weil es ein Mannschaftssport ist und man nur als Team erfolgreich sein könne. Etwas, das in dieser Saison etwas fehle. «Im letzten Jahr war das Zusammenspiel besser. Bislang fehlte uns der nötige Kampfgeist, aber im Training merkt man, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagt sie. Vielleicht wäre sich das ganze Team nach dem vierten Platz in der letzten Saison seiner Sache auch einfach zu sicher gewesen, fügt sie an. Im Spiel gegen Fribourg (Sa, 22.12.) sei schon etwas möglich. «Wenn wir konzentriert spielen und alle ihr Potenzial abrufen können, ist ein Sieg möglich», sagt Moldovanyi.

Nach den Prüfungen will die Spielerin, die dreimal im Aufgebot der Nationalmannschaft stand, wieder mehr in den Sport investieren. Bei den vielen Verpflichtungen, welche die 25-Jährige hat, ist das nur mit guter Organisation möglich. Neben der Mutter springen auch mal die Mitspielerinnen als Babysitter ein. «Er war ziemlich früh bei den Spielen dabei und ist mittlerweile so etwas wie unser Teammaskottchen», sagt die Mutter. Die Frauengarderobe bleibt für den Vierjährigen mittlerweile verschlossen, dafür besucht er bereits das Kindertraining bei CVJM Birsfelden. Der Ball fällt eben nicht weit vom Korb.