Vor dem Klassiker

Ein Basler in fremden Diensten: Fidan Aliti will es seiner Heimat zeigen

Bei seinem ersten Einsatz für den FCZ gab es für Fidan Aliti einen Sieg. Der nächste soll gegen den FCB folgen.

Bei seinem ersten Einsatz für den FCZ gab es für Fidan Aliti einen Sieg. Der nächste soll gegen den FCB folgen.

Fidan Aliti spielte einst für den FCB-Nachwuchs. Heute trägt er im Klassiker das FCZ-Trikot und schickt Kampfansagen in Richtung Basel.

Begibt sich Fidan Aliti auf den Weg ins Training, steigt er in seinem Wohnort Duggingen im Baselland in sein Auto. Kurz darauf erblickt er aus dem Fenster den St. Jakob Park. Den Ort, in dessen Nähe er früher als ambitionierter Junior stets war. Doch jetzt lässt der 27-Jährige die Basler Spielstätte rechts liegen – und fährt weiter auf der Autobahn. In Richtung Zürich. Dorthin, wo er vor wenigen Wochen einen Leihvertrag für ein Jahr mit Kaufoption unterschrieben hat. Beim FCZ.

Wechselt ein Fussballer zu einem Rivalen, dann birgt das eine gewisse Brisanz. Auch Aliti muss sich in der Kabine Sprüche anhören. «Meinen Basler Dialekt habe ich halt schon noch», sagt er. Doch Aliti nimmt es mit Humor. Er sagt, das gehöre dazu. Dass sein Wechsel ansonsten keine höheren Wellen wirft, liegt daran, dass seine Zeit beim FCB zehn Jahre zurückliegt. Noch als er in der U18 der Basler spielt, verlässt er den Verein. Die Aussicht auf einen Sprung in die erste Mannschaft ist zu klein, trotz Erfolgen im Nachwuchs. Der Verteidiger entscheidet sich für einen Rückschritt, geht zu den Old Boys. Den Profitraum verfolgt er weiter. «Wenn du an dich glaubst und tagtäglich an dir arbeitest, klappt es früher oder später», so sein Motto. Eines, das aufgeht.

Nach zwei Jahren beim Basler Quartierverein schliesst Aliti sich der U21 des FC Luzern an. Dort überzeugt er auf Anhieb und wird nach einem Jahr zu den Profis berufen. Kurz darauf feiert er sein Debüt in der Super League. «Meine Karriere ist ein Beispiel dafür, dass ein Ziel auch über Umwege erreichbar ist. Das soll eine Motivation für all die Junioren sein, die den Sprung nicht auf Anhieb schaffen», sagt Aliti.

Nach nur einem Jahr verlässt er die Super League und schliesst sich Sheriff Tiraspol in Moldawien an. Es beginnt eine Zeit, in der er beinahe im Jahrestakt den Verein wechselt. Nach Tiraspol geht er nach Kroatien, zu Slaven Belupo. Dann zum KF Skenderbeu. In Albanien wird der Kosovare als unbestrittener Stammspieler Meister. Doch international ist sein Verein zum Zuschauen verdammt. Wegen Spielabsprachen und Betrug schliesst die Uefa Skenderbeu aus allen europäischen Wettbewerben aus. Für ganze zehn Jahre. Es ist die härteste Strafe, welche die Uefa je ausgesprochen hat. Aliti will das Thema nicht kommentieren, weil die Vergehen vor seiner Zeit passiert sind. «Als Folge ist die Mannschaft aber auseinandergefallen», sagt er. Auch der 27-Jährige bleibt nicht, beendet seine Reise durch osteuropäische Länder und geht nach Schweden. Zu Kalmar FF.

Grosse Freude über die Rückkehr in die Schweiz

In Alitis erster Saison rettet sich der Verein erst in der Relegation zum Ligaerhalt. Als das Angebot vom FC Zürich kommt, muss er keine Sekunde überlegen. Es sei schliesslich ein Topklub in der Schweiz. Nach fünf Jahren, in denen er nirgends länger als 18 Monate blieb, kehrt er wieder in die Super League zurück. «Ich bin als Junge gegangen und als reifer Mann zurückgekommen», sagt er und wirkt dabei fast schon philosophisch.

Als Aliti zum FCZ wechselt, ist der Zürcher Stadtklub aber kein Topklub, sondern das Krisenkind der Liga. Am Tag nach der Bekanntgabe seines Wechsels, anfangs Oktober, geht der FCZ in Lausanne mit 0:4 unter. Das saisonübergreifend elfte sieglose Meisterschaftsspiel kostet Ludovic Magnin den Trainerjob. Drei Wochen später feiert Aliti sein Debüt und verhilft seinem neuen Arbeitgeber gleich zu einem 4:1-Sieg in Vaduz. «So ein Start verleiht Schwung und entfacht Euphorie», meint Aliti.

Den Schwung will er in seinen ersten Klassiker gegen den FC Basel mitnehmen. «Ganz ehrlich: Ich verbinde keine grossen Emotionen mit diesem Spiel», erzählt er und verblüfft. Klar sei es spezieller als wenn es gegen einen anderen Superligisten geht. Doch das sei nicht nur für ihn, sondern für alle FCZ-Spieler der Fall. «Dass keine Fans dabei sind, macht auch einen grossen Unterschied.» Die Unterstützung seiner Familie ist ihm dafür gewiss. Die rotblauen Fanutensilien sind bei ihr verschwunden. Ersetzt durch weissblaue.

Einer, der heute ein Gegenspieler sein wird, war vor Kurzem in der kosovarischen Nationalmannschaft noch sein Teamkollege: Edon Zhegrova. «Ich habe ihm gesagt, dass es für den FCB schwierig wird gegen uns», sagt Aliti. Doch auch der geborene Basler hat vor Augen, wie Zhegrova den gegnerischen Verteidigern gerne Knoten in die Beine dribbelte. «Er ist ein technisch sehr starker Spieler, auf den wir 90 Minuten aufpassen müssen», warnt Aliti. Ein Rezept liegt schon parat: «Zhegrova hat es nicht gerne, wenn man nah bei ihm steht und ihm nicht viel Raum gibt.»

Die FCB-Frage bringt Aliti kurz ins Grübeln

Aliti zeigt sich im Gespräch auskunftsfreudig, nur einmal ringt er um die korrekte Antwort. Ob er es sich überlegen würde, wenn er ein Angebot des FC Basel bekäme. Die Maske verdeckt seinen Gesichtsausdruck, doch sein hörbares Schnaufen hält sie nicht ab. «Das ist eine gefährliche Frage», sagt er, dreht sich zum Mediensprecher um, und sagt, halb Spass, halb Ernst. «Kannst du mir helfen?». Doch die Hilfe, die braucht er gar nicht. Denn kurz darauf antwortet er wieder mit seiner typischen Bedächtigkeit, stets bemüht, in kein Fettnäpfchen zu treten: «Ich will länger als zwei Jahre beim FCZ bleiben. Weiter will ich gar nicht denken.»

Auch Aliti weiss, dass eine unüberlegte Aussage vor dem Klassiker ein stümperhafter Misstritt wäre. Da sind ihm Kampfansagen lieber. «Ich bleibe bei meinen Worten: Wir werden alles daransetzen, dass es der FCB gegen uns schwierig haben wird.» In den bisher einzigen Spielen gegen seine alte Heimat verlor er mit Luzern mit 1:3 und 0:3. Doch das ist fünf Jahre her. «Damals war Basel viel stärker als heute», sagt Aliti, der alles daran setzen wird, dass er den FCB diesmal ärgern kann.

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