Basketball
Ein blutleerer sowie ideen- und orientierungsloser Abend der Starwings

Neuchâtel entpuppt sich in der Tat als der Angstgegner schlechthin. Die Starwings verloren gegen Union Neuchâtel klar mit 59:76 (35:36).

Georges Küng
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Devonte Upson (l.) mit viel Mut im Angriff: Szenen, die man gegen Neuenburg vermisste.

Devonte Upson (l.) mit viel Mut im Angriff: Szenen, die man gegen Neuenburg vermisste.

Juri Junkov

Schaut man sich die Rangliste der Nationalliga A an, so könnte man meinen, dass eine deutliche Heimniederlage der „Wings“ gegen die Romands der Normalität ent-spricht. Wenn man jedoch ein wenig die nationale Basket-Szene kennt, so erkennt man, dass Union in dieser Spielzeit 2015/16 nur noch ein Schatten seiner selbst ist und massiv an Substanz verloren hat. Dennoch warten die Unterbaselbieter seit zwei Jahren (oder einem Dutzend Matches) auf einen Sieg gegen die Neuenburger.

In der Stammfünf lief der ehemalige U20-Nationalspieler Leo Schittenhelm auf. Die-ser hatte in der letzten Saison 2014/15 in der Nationalliga B, mit dem ST Bern, gegen den Abstieg gekämpft. Weil zwei Nationalspieler – Chris Uliwabo die ganze Saison, Vincent Gaillard für die Partie gegen das Birstaler Kombinat – ausfielen, kamen als 7. und 8. Mann (Yacouba Sylla und Vincent Prêtre) zwei Akteure zum Einsatz, die – milde gesagt – in der Nationalliga B keine Rolle spielen würden... Aber weil bei den Gästen zumindest fünf Akteure (die drei ausländischen Profispieler sowie die Nationalspieler Brian Savoy und Florian Steinmann) clever spielten, keine Durchhänger hatten und schonungslos die Defizite ihrer Antipoden aufdeckten, war der Auswärtserfolg der Romands nicht nur hochverdient, sondern auch nie in Gefahr.

Burnatowsky war ein Totalausfall

Denn ein Heimsieg, wie beim Exploit gegen Lugano, wäre nur möglich gewesen, wenn alle drei ausländischen Profispieler auf einem anständigen Niveau gespielt hätten. Spielmacher Lorenza Ross hatte gute Phasen – und Perioden, in denen er orientierungslos den Aufbau versah. Devonte Upson wurde vom senegalesischen Internationalen Babacar Touré (29, 206cm) wieder zum College-Boy degradiert. Es mutet seltsam an, dass der leichtgewichtige Afrikaner sich 14 Rebounds und 27 Punkte notieren lassen kann und die Bretter nach Belieben dominierte. Und da gab es noch „Wings“-Topskorer Murphy Burnatowski, der ein einziges Ärgernis war. Wa-rum der Kanadier immer die falschen Entscheidungen traf, weiss nur er. Vier von 19 Würfen, was einer beschämenden Quote von 21 Prozent entspricht, fanden den Weg in den Korb. Das ist eine Bilanz, die eines Berufsspielers, der Leader in einer jungen Equipe sein sollte, unwürdig ist.

Captain Joël Fuchs punktete dann, als die Partie längst entschieden war. Alessandro Verga war zwar dabei und doch meist abwesend, während Zuzug Philipp Sagen (ex-Aarau) jene Explosivität, Schnellkraft und Gedankenschnelle fehlt, welche den grossen Unterschied zwischen der Nationalliga B und dem Oberhaus ausmachen. Und Niels Matter, dem man die fehlende Vorbereitungsphase ansieht, war redlich be- müht...

Kostic überzeugte

Einen Lichtblick hatten aber die Starwings. Branislav Kostic (21) war der einzige Akteur, der sich gegen die Niederlage stemmte und so etwas wie das „feu sacré“ (inne- re Feuer) in sich trug. Er punktete mehr als Burnatowsky und Upson, hatte sehr gute Wurfquoten und zeigte auch in der Defense eine zufriedenstellende Leistung. Und Starwings-Cheftrainer Roland Pavloski, der unter der Woche mit den Trainingslei- stungen seiner Equipe nicht zufrieden gewesen war, liess lange Zeit vier Schweizer Akteure und einen ausländischen Profi spielen. Ein starkes Zeichen, auch wenn da- durch natürlich das Niveau der Equipe nicht unbedingt besser wurde. „Aber es war nicht die Phase, in welcher die Partie verloren ging. Wir gingen im dritten Viertel un- ter, als drei Ausländer spielten“, monierte Pavloski zurecht.

Nostalgiker werden sich vielleicht mit Wehmut an die Saison 2010/11 erinnern, als Tony Brown (jetzt Neuchâtel) als Captain das Arlesheimer-Birsfelder Kombinat zum historischen Cupsieg geführt hatte. Damals hatten die Starwings allerdings sechs ausländische Profispieler (die Konkurrenz bis zu deren zehn!) und zwei ex-National- spieler in ihren Reihen. Der Cup-Triumph war gar teuer – und brachte den Verein an den Rand des finanziellen Kollapses.

Heuer ist der Klub finanziell wieder gesund. Dafür werden sportlich kleinere Brötchen gebacken. Gegen Union Neuchâtel hätte sich der Grossteil der „Wings“-Basketballer im Arbeitszeugnis die Bemerkung „sie waren stets bemüht, den Anforderungen ge- recht zu werden“ gefallen lassen müssen.

Starwings – Union Neuchâtel 59:76 (35:36)

Sporthalle Birsfelden. – 397 Zuschauer. – SR: Stojcev/Sani/Chalbi

Starwings: Ross (18), Fuchs (8), Verga (2), Burnatowski (10), Upson (8); Sager, Matter (1), Kostic (12); Duspara, Lutz, Ngoah, Wachsmuth.

Neuchâtel: Savoy (13), Brown (10), Schittenhelm, Mathis (13), Touré (27); Steinmann (13), Sylla, Prêtre; Keller.

Bemerkungen: Starwings komplett. – Neuchâtel ohne die beiden Nationalspieler Gaillard und Uliwabo (beide verletzt). – Mit fünf Fouls ausgeschieden: 37. Upson. – Fouls: Starwings 15, Neuchâtel 14. – Viertelsresultate: 17:21, 18:15 (35:36); 9:18 (44:54) und 15:23. – Zu den besten Spielern wurden Kostic und Brown (USA; ex-Captain der Starwings) gewählt.

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