Basketball
Ein Derby-Sieg mit vielen Nebengeräuschen: Die Starwings gewinnen bei Central Luzern mit 79:76

Nur 40 Stunden nach dem harterkämpften Heimsieg über Lausanne (76:71) gewann das Baselbieter Basketball-Kombinat ein weiteres Vier-Punkte-Spiel. Das Spiel in der Innerschweiz war nichts für schwache Nerven – und das Benehmen der lokalen Zuschauer wirft einige Fragen auf.

Georges Küng
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Starwings-Spieler Chris Jones am Ball

Starwings-Spieler Chris Jones am Ball

Zur Verfügung gestellt

Luzern-Trainer Danijel Eric, mit einer vielseitigen Vergangenheit bei den „Wings“, wurde nach 34 Minuten – nach dem zweiten technischen Foul – der Halle verwiesen. Zu diesem Zeitpunkt lagen die Gäste mit 13 Zählern in Führung – der Match schien gelaufen zu sein.

Aber das Publikum, vom Speaker (ein Medienmann notabene) aufgestachelt, trieb seine Equipe an – und der Vorsprung schmolz und schmolz. Die berüchtige Central-Kampfkraft kam zum Tragen, die Emotionen überborderten – und das einzige Gegenmittel der Baselbieter hatte primär einen Namen: Chris Jones (23), ein Spielmacher, wie ihn die Schweiz in den letzten Jahren kaum gesehen hatte.

Der Amerikaner blieb im Tollhaus stets ruhig, beruhigte Mitspieler, führte sicher den Ball – und war von der Freiwurflinie (neun von zehn) überragend. Sekundiert wurde Jones von einem grandiosen Joël Fuchs, der trotz eines Bänderrisses und sichtlichen Beschwerden (oder Schmerzen) mit 17 Punkten der zweite Machtwinner war.

Weniger gesehen wurden die „Langen“ - sowohl Björn Schoo wie auch Darell Vinson spürten den Effort vom Freitagabend und mussten sich mit Luzern-Center Rhamel Brown „herumschlagen“, der erneut einem Bollwerk gleich verteidigte und stark reboundete.

Die letzten Minuten waren nichts für herzschwache Zuschauer. Beinahe wäre dem smarten Luzern-Flügel Veselin Veselinov der Ausgleich geglückt. Sein Dreipunktewurf tanzte auf dem Ring, fiel aber nicht durch den Korb, so dass das Arlesheimer-Birsfelder Kombinat den knappen Vorsprung über die Zeit rettete.

Unflätiges Benehmen

Man kann die Hardcore-Anhänger der Gastgeber als euphorisch, enthusiastisch und „marktschreierisch“ nennen. Dass bei der Ehrung zum besten Spieler Chris Jones niedergebuht, ausgepfiffen, verbal verunglimpflicht wurde und auch Voten zu hören waren, die werde im Alltag noch in einem Stadion respektive Sporthalle etwas zu suchen haben, ist bedauerlich.

Der letztjährige Aufsteiger erklärt es damit, dass zur gleichen Zeit die drei Schiedsrichter hinausbegleitet wurden und der „Radau“ ihnen, primär dem Hauptref Markos Michaelides, galt. Dass dieser der ranghöchste Unparteiische ist und als einziger Schweizer Referée internationale Spiele (Europacup) pfeift, sei auch noch gesagt.

Mit diesem zweiten Sieg gegen direkte Playoff-Widersacher haben die Starwings ihren 4. Platz vorerst untermauert. Und könnten, sofern noch drei Erfolge gegen Boncourt, Massagno (beide zuhause) und in Winterthur gelingen, vorzeitig für die Playoffs qualifiziert sein (dafür ist ein Rang in den ersten Sechs nötig).

Wenn Jones weiterhin Basket vom Allerfeinsten zelebriert und sich einige Mitspieler zu steigern vermögen, ist dies kein unrealistisches Ziel. Schade, dass die Luzerner Matchbesucher nicht erkannt haben, welch Basket-Grösse dieser Jones ist und ihn niederbuhen mussten... Tatsache ist auch, dass die Starwings seit der letzten Saison insgesamt neun Pflichtspiele gegen Luzern und Winterthur ausgetragen haben – und alle neun Derby-Vergleiche endeten zu Gunsten der Unterbaselbieter.

Telegramm

Central Luzern – Starwings 76:79 (29:43)

Dreifachhalle Maihof. - 500 Zuschauer. - SR: Michaelides/Sani/Bovard

Luzern: Kovacevic (22), Lehmann (9), Plüss (6), Veselinov (17), Rhamel Brown (14); Tomic (5), Stevanovic (3), Mandic, Morandi, Domingos, Volic.

Starwings: Jones (27), Herrmann (9), Fuchs (17), Octavius Brown (7), Vinson (8); Sager (2), Hauri, Schoo (4), Verga (5); Pavlovic.

Bemerkungen: Luzern ohne Güttinger (verletzt). - Starwings ohne Carrara und Thélémarque (beide verletzt). - Mit fünf Fouls ausgeschieden: 28. Lehmann und 39. Plüss. - Hallenverweis für Luzern-Cheftrainer Danijel Eric (35.). - Fouls: Luzern 24, Starwings 19. - Viertelsresultate: 15:17, 14:26 (29:43); 21:16 (50:59) und 26:20 (76:79). - Zu den besten Spielern wurden der Serbe Nemanja Kovacevic und Chris Jones (USA) gewählt.