«Wie viele Partien hast du gewonnen?», will Markus Lipinsky von seinem Sohn Pierre wissen. «Zwei von vier», lautet die prompte Antwort. Die beiden klatschen ab. «Das ist gut», sagt der Vater zu seinem 6-jährigen Sohn. Am Ende des Tages hat Pierre drei von sieben Partien gewonnen. Damit kommt er in der Kategorie U12 auf den 36. Rang.

Es war ein besonderer Tag gestern am Schachfestival Basel. Inmitten grau melierter und verblüffend jugendlicher Grossmeister und Internationaler Meister tummelten sich scharenweise Kinder. Im Hotel Hilton wurden die Jugendschachkönige in den Kategorien U12 und U16 erkoren. «Dieser Event ist wichtig für das Festival», betont OK-Präsident Bruno Zanetti. «Die Kinder sorgen für eine gute Atmosphäre. Hier schaut der 10-Jährige dem 70-Jährigen über die Schulter und umgekehrt. In welcher Sportart gibt es das sonst?»

Die Lipinskys haben aus besagtem Schachfestival ein Fest für die Familie gemacht. Sie sind extra aus München angereist. «Wir verbringen unseren Urlaub hier», sagt Vater Markus mit einem Lachen. Er und Pierre, der Älteste der drei Söhne, verbringen diesen Urlaub am Schachbrett. Die Mutter, Ferdinand (4) und Basil (2) geniessen derweil die Stadt. «Basel ist zum Glück eine attraktive Stadt, auch für Nicht-Schachspieler», sagt der 41-Jährige. Seine Frau hat mit den Kindern vier Museen besucht, eine Rheinüberquerung stand auf dem Programm und auch Silvester haben die Lipinskys aus München am Rheinknie verbracht. Aber der ursprüngliche Grund für die Reise nach Basel war natürlich das Schachfestival. «Ich suchte ein kleines, aber feines Turnier, mit guten Spielern, das gut organisiert und familienfreundlich ist», sagt Markus Lipinsky. Im Turnierkalender ist er dann auf das Festival in Basel gestossen.

Es war der erste Start der Familie Lipinsky in Basel. «Und wenn die Frau einverstanden ist, werden weitere Folgen», sagt Lipinsky, der in München Geschäftsführer einer Softwarefirma ist. Es selbst geht in Basel im Meisterturnier an den Start. 2123 Elo-Punkte hat er auf seinem Konto. Zum Vergleich: Grossmeister Arkadij Naiditsch, der beste Spieler in Basel, weist 2731 Elo-Punkte auf, Magnus Carlsen, die Weltnummer 1, deren 2862.

Comeback dank dem Sohn

Zehn Jahre hat der frühere Bundesliga-Spieler pausiert, ehe er dank Sohn Pierre zurück zum Schach fand. Dass der Vater dem Sohn das Schachspiel beibringt, hat bei den Lipinskys Tradition. Schon Markus lernte das Spiel von seinem Vater. Und dass nun Markus in die Rolle des Lehres schlüpfte, führte zu seinem Comeback am Brett. Schach sei eine wertvolle Lebensschule, findet der Vater. «Es fördert die Konzentration, der IQ entwickelt sich schneller, die Sprachentwicklung und nicht zuletzt das soziale Verhalten werden gefördert», ist Markus Lipinsky überzeugt.

Auch dem Sohn scheints zu gefallen. Der 1.-Klässler mag Schach auf jeden Fall lieber als die Schule. Und was mag er am Liebsten? «Jemanden Matt zu setzen», lautet seine Antwort. Neben dem Schach spielt der 6-Jährige auch zweimal pro Woche Fussball. «Das ist wichtig», sagt der Papa, «denn das Einzige, was im Schach fehlt, ist die körperliche Aktivität.» Ob Pierre sich auch im Teenager-Alter noch für Schach begeistern lässt, «kann ich nicht beeinflussen», weiss der Vater, «aber wenn ihm das Spiel keinen Spass mehr bereitet, ist das auch kein Problem». Doch bis es soweit sein sollte, freut sich der Vater über Siege seines Sohnes und umgekehrt. Das Meisterturnier im Hotel Hilton geht heute zu Ende. Und Pierre drückt seinem Vater die Daumen.