Speziell? Nein, speziell sei dieses Spiel nicht für ihn. «Es ist ein Match wie jeder andere auch», sagt Dereck Kutesa. Und das, obwohl es für den heutigen St.-Gallen-Spieler am Samstag, 6. Oktober, gegen den FC Basel geht. Gegen jenen Verein also, bei dem er zweieinhalb Jahre unter Vertrag gestanden hatte. Aber eben nur das. Das ist der Punkt, den Kutesa das Spiel gegen den Ex-Klub als ein normales abtun lässt: Er gehörte zwar zweieinhalb Saisons dem FCB, gespielt hat er aber kaum.

«Ich habe keine grosse Geschichte mit dem FCB», sagt Kutesa. Die Eckdaten dieser Geschichte: Unterschrift im Dezember 2015, Operation der entzündeten Patellasehne Anfang 2016 und folglich ein halbjähriger Ausfall, Rückkehr auf den Platz im Sommer 2016, insgesamt nur sieben Spiele für die erste Mannschaft, nur vier davon in der Meisterschaft, allesamt Teileinsätze. Im September 2017 dann der leihweise Transfer nach Luzern. Der Anfang vom Abschied aus Basel.

In diesem Sommer dann liess er sich nach St. Gallen transferieren. Definitiv. Sowohl die Schritte nach Luzern als auch nach St. Gallen habe er aus Eigenantrieb gemacht. «Ich hätte auch beim FCB bleiben können. Aber ich habe gewusst, dass ich dann nicht enorm viel spielen würde. Bei Luzern habe ich das zwar auch nicht getan, aber zumindest waren die Vorzeichen dort besser dazu.»

Entwicklung dank Misserfolgen

Woran es gelegen hat, dass er sich weder in Basel noch in Luzern hat durchsetzen können, weiss der 20-Jährige nicht genau. «Natürlich war ich in Basel am Anfang verletzt. Aber das ist keine Ausrede. Schliesslich hat es auch nicht gereicht, als ich wieder fit war.» Am Ende sei es immer der Entscheid des Trainers. «So ist der Fussball eben.»

Missen möchte er seine Zeit in Basel aber keinesfalls. Nicht nur, weil er einmal Meister und im Mai 2017 in seiner Heimatstadt Genf auch noch Cupsieger werden durfte mit dem FCB, sondern weil er auch sonst viel gelernt habe. «Enorm viel sogar.»

Zum einen fussballerisch. «Wenn du mit Spielern wie Seydou Doumbia, Matías Delgado oder Geoffroy Serey Dié täglich trainieren darfst, wirst du automatisch besser. Das sind Spieler, die an Weltmeisterschaften oder Afrika-Cups teilgenommen haben.»

Zum anderen habe er auch physisch profitiert, habe in Basel viel an Muskeln und Masse zulegen können. Zu guter Letzt habe er sich auch sonst weiterentwickelt: «Ich habe zum ersten Mal alleine gewohnt. Und ich habe meinen Führerschein gemacht.»

Der neue Dereck

Der Dereck, der er heute ist, habe nichts mehr mit dem Dereck zu tun, der im Frühjahr 2016 zum FCB gekommen war. Gerade weil er mehr Rückschläge hat einstecken müssen, als er Erfolge feiern konnte in Basel, sagt er: «Ohne diese Misserfolge wäre ich nie geworden, wer ich heute bin.» Und das ist: Stammspieler beim FCSG. In allen bisherigen 13 Saisonspielen hat er auf dem Platz gestanden, gegen Xamax hat er gar den siegbringenden Treffer zum 3:2 erzielt.

«Die Stimmung ist super»

In St. Gallen spürt Dereck Kutesa jenes Vertrauen, das er in Basel nie bekommen hat. «Der Sportchef lässt mich dieses spüren, genau so wie der Trainer natürlich. Das war vom ersten Moment an so. Das hat mir auch Lust gemacht, hierher zu kommen.» Auch in der Mannschaft fühle er sich sehr wohl, die Stimmung sei super. Insbesondere die «Espen-Tour», eine Reise durch die Ostschweiz während der Vorbereitung, habe das Team zusammengeschweisst.

Deshalb, und auch, weil er in St. Gallen endlich sportlich die nächsten Schritte machen kann, sagt er: «Ich fühle mich dem Verein schon jetzt verbundener als dem FCB.» Die Verbundenheit zum Ex-Klub zeigt sich einzig in der noch bestehenden Freundschaft zu Kevin Bua und Afimicio Pululu. Auch wenn das Spiel sonst für ihn eines wie jedes andere sei, «gegen die zwei zu spielen, das wird schon speziell werden».