Das Experiment ist gewagt. Nach erfolgreicher Kanti in der Sportklasse will Nico Lerch nun ein Jahr aussetzen, um sich voll und ganz seiner Leidenschaft, dem Judo, widmen zu können. «Es ist mein letztes Jahr in der U21 Kategorie», erklärt der Basler. «Ich will mich weiterentwickeln und schauen, wie ich mich verbessere und wo meine Grenzen sind.» Den Entschluss hat er zusammen mit einem Kollegen gefällt. «Da wir momentan beide in der gleichen Situation sind, haben wir uns dazu entschlossen, dieses Jahr gemeinsam zu absolvieren.»

20 Stunden pro Woche

Ein Leben ohne Judo, das ist für den 18-Jährigen nur schwer vorstellbar. Bereits seit zehn Jahren trainiert er mehrmals in der Woche. Im kommenden Jahr werden es sogar 20 Stunden in der Woche sein. «Es gab mal eine Zeit, da überlegte ich mir, die Sportart zu wechseln, da man vom Judo in der Schweiz leider nicht leben kann», blickt Lerch, der in der Judo Schule Nippon in Basel trainiert, zurück. «Mein Vater überredete mich dann allerdings dazu, doch mit dem Judo weiter zu machen. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar.» Die Eltern unterstützen Nico Lerch auch heute immer noch. Seine Eltern sind sozusagen sein Sponsor. «Zurzeit zahlen sie mir die Kosten, die anfallen, doch irgendwann sollte ich schon mein eigenes Geld verdienen», sagt er und lacht.

Komplexe Sportart

Doch im Moment will er sich aufs Judo konzentrieren und der Job muss hinten anstehen. «Judo ist eine komplexe Sportart, es laufen viele Faktoren zusammen, daher braucht es auch viel Training», sagt Lerch. Dabei spielt nicht nur die Kraft eine grosse Rolle, sondern auch Koordination, Timing, Ausdauer und Technik. «Gerade deshalb gefällt mir der Sport so gut, weil all diese Faktoren zusammen passen müssen, damit man erfolgreich ist.»

An sieben bis acht internationalen Turnieren und ebenso vielen nationalen nimmt Lerch pro Jahr ungefähr teil. Bei den nationalen Turnieren geht es darum, möglichst viele Punkte zu sammeln, um eine gute Ausgangssituation zu haben für die Schweizer Meisterschaft. Diese konnte er bereits einmal gewinnen, allerdings in der Kategorie bis 45 kg. Im Moment wiegt er 73 kg und peilt in diesem Jahr nun den Titel in dieser Kategorie an. Weiter hinaus blickt er aufs nächste Jahr. Dort will er an den internationalen Turnieren mit guten Resultaten für die EM qualifizieren.