Schach
Ein Hauch von WM am Festival – 21 Grossmeister kommen nach Basel

Schach Polen, Israel und Russland: Bereits die Herkunftsländer der drei stärksten Teilnehmer am 16. Schachfestival Basel deuten ein internationales Spitzenfeld an. Insgesamt spielen 21 Grossmeister ab dem Neujahr im Hotel Hilton.

Patrick Pensa
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Titelverteidiger in Basel: Der Russe Boris Grachev.

Titelverteidiger in Basel: Der Russe Boris Grachev.

In Indien kämpften Ende November der norwegische Herausforderer Magnus Carlsen und Titelverteidiger Viswanathan Anand um den WM-Titel. Carlsen, gerade mal 23-jährig erkletterte im Januar 2010 als bisher jüngster Spieler die Spitze der Weltrangliste. Im Februar 2013 realisierte er mit 2872 Punkten, die höchste je erreichte ELO-Zahl (siehe Box) und entthronte damit Schachlegende Garri Kasparow.

Ab 2500 Punkten ist man ein Grossmeister

Die ELO-Zahl ist eine Wertungszahl, welche die Spielstärke von Schachspielern beschreibt. Das Wertungssystem wurde 1960 von Arpad Elo entwickelt und zehn Jahre später vom Weltschachverband übernommen. Für die jeweilige Berechnung des neuen ELO-Stands ist die erwartete Punktezahl wichtig, die Spieler A gegen Spieler B voraussichtlich erreicht. Dabei gilt: Für einen Sieg gibt es einen, für ein Remis einen halben und für eine Niederlage keinen Punkt. Magnus Carlsen als bester Spieler hat eine ELO-Zahl von 2872. Weltweit haben nur gerade 49 Spieler einen Wert über 2700. Die Ungarin Judit Polgar erreicht eine ELO-Zahl von 2693. Ab 2500 Punkten ist ein Spieler Grossmeister, ab 2400 Internationaler Meister. Yannick Pelletier hat eine ELO-Zahl von 2576.

Dass er vor einem Monat den über 20 Jahre älteren Anand vorzeitig nach zehn Partien besiegte, ist sensationell, aber nicht überraschend. Dies bestätigt auch der Organisator des Basler Schachfestivals, Peter Erismann: «Die Schachspieler werden immer jünger. Früher dachte man, dass der Zenit erst jenseits von dreissig Jahren erreicht wird. Heute geht man von 25 Jahren aus.»

Indirekt hat auch das Schachfestival mit der WM zu tun. Allerdings kommt nicht der Weltmeister höchstpersönlich nach Basel, sondern der Pole Radoslaw Wojtaszek, der Titelverteidiger Anand als Sekundant bei der WM-Vorbereitung half. «Wojtaszek hat eine ELO-Zahl von 2711. Alles über 2700 ist herausragend. Boris Grachev, der die letzten zwei Jahre in Basel gewann, steht hinter ihm und dem Israeli Maxim Rodshtein nur an dritter Stelle der Meldeliste», sagt Erismann nicht ohne Stolz.

Ihm ist es wiederum gelungen, das Basler Turnier qualitativ und quantitativ zu verbessern. Er erklärt, dass die 2700 ELO-Punkte eine magische Grenze wären. Hat man bei einem Turnier Teilnehmer aus dieser Zone, kann man sich der Aufmerksamkeit der Schachwelt gewiss sein.

Drittgrösstes Turnier der Schweiz

Basel geniesst einen guten Ruf in der Szene und profitiert gleichzeitig von der Lage im Kalender. Unmittelbar davor findet das Turnier in Zürich statt, welches nochmals etwas stärker besetzt ist. Viele Spieler, die auf Europa-Tour sind, verbinden die zwei Turniere miteinander. «Damit können die Spieler Kosten sparen und minimieren gleichzeitig das Risiko, mit leeren Taschen nach Hause zu gehen», sagt Erismann. «Erarbeiten sich die Spieler in Zürich keine Spitzenplatzierung, sind sie in Basel besonders motiviert.»

Basel ist hinter Zürich und Biel, welches traditionell im Sommer ein grosses Turnier durchführt, das drittgrösste Turnier der Schweiz, holt gegenüber der inländischen Konkurrenz aber kontinuierlich auf. Insgesamt haben sich bisher für die kommende Ausgabe 231 Spieler eingeschrieben.

Pelletier als Nummer 10 gesetzt

Wiederum in Basel am Start ist die Schweizer Nummer 1, Yannick Pelletier. Er greift als Nummer 10 des Turniers ins Geschehen ein. Aus der Region sind mit Andreas Heimann (SR Reichenstein) und Nicolas Brunner (SG Riehen) zwei Spieler unter den besten 25 zu finden. In diesen Kreis schafft es auch die stärkste Spielerin. Die erst 20-jährige Russin Alina Kashlinskaya gilt als grosses Talent und trägt den Titel einer Frauen-Grossmeisterin. Das Turnier beginnt am Mittwoch um 14 Uhr mit der ersten Runde der Meister und Amateure. Die Sieger werden am Sonntag erkoren. Dann findet auch der Wettkampf um den Nordwestschweizer Jugendschachkönig statt.

Das genaue Programm finden Sie auf www.schachfestivalbasel.ch.