Was wäre gewesen, wenn Ermin Alic (30) den Penalty in der 55. Minute beim Stand von 1:1 nicht an die Unterkante der Latte gedonnert hätte? Es wäre das 2:1 für die Schwarz-Sterne gewesen. Auch in der 78. Minute – es stand weiterhin 1:1 - sah Mergim Ahmeti seinen satten Schuss vom Aussenpfosten abprallen.

Dass der Konjunktiv im Fussball meist für den Verlierer steht, trifft für diese kurzweilige, rassige Cuppartie zwischen dem Aufsteiger in die "Cerutti Il Caffè Promotion League" und dem FCZ nicht zu. Denn der Fa­vorit aus der Raiffeisen Super League musste «kämpfen, leiden, zeitweise alle Kräfte mo­bilisieren, damit wir mit einem Sieg nach Zürich fahren konnten», so Zürich-Trainer Ludovic Magnin.

Und der ex-Internationale meinte an der Pressekonferenz nach Matchende: «Kompliment an den FC Black Stars und meinen Trainerkollegen Samir Tabakovic; ich wusste, dass diese Equipe sehr guten Fussball spielen kann. Ich will mir gar nicht vorstel­len, was gewesen wäre, wenn der Elfmeter das 2:1 gebracht hätte. Sicher, auch wir ver­schossen einen Strafstoss, aber es ist nicht gleich, ob man dies zu Spielbeginn tut oder nach fast einer Spielstunde», so Magnin.

Mit Physis und Wucht

Natürlich war der FC Zürich die bessere Mannschaft. Müssen sie auch sein. Mit mehr Phy­sis, mit mehr Wucht und mit Akteuren, die viel Fussball im Fuss haben. Wir sahen einen Denis Popovic (29), der jahrelang in der obersten polnischen Division und 1. Liga in Russ­land viele Duftmarken gesetzt hat. Und sich in den Kreis der slowenischen Nationalmann­schaft gespielt hat. Seine stehenden Bälle sind etwas vom Feinsten, was es in der Schweizer Super League zu sehen gibt.

Sein Eckball, der sich hinter Black-Goalie Steven Oberle ins Tor senkte (wobei Mimoun Mahi den Ball noch leicht mit der Schulter touchier­te), bedeutete die Führung, nachdem Oberle nur 40 Sekunden zuvor bravourös einen Pen­alty von Mahi pariert respektive in Eckball abgewehrt hatte. Und der Siegsicherung der Gäste von der Limmat ging ein superber Freistoss von Popovic voraus; Nathan konnte die gutgetimte Flanke wuchtig ins Eck einköpfeln.

In diesen Szenen spielten die Profikicker in einer anderen Etage – einige der Gastspieler hatten ein Gardemass von 190 Zentimeter und mehr, so dass der Basler Abwehrverbund oft an ihnen abprallte oder nahezu "übergumpt" wurde.

Stets aktiv und konstruktiv

Aber der FCBS kam nie unter Dauerdruck. Der ambitionierte Quartierverein musste nie destruktiv agieren und versuchte, mit spielerischen Mitteln und feinen Ballstafetten selber zu agieren. Das gelang oft und liess den Favoriten vorsichtig(er) aufspielen. Im Wissen, dass mit Deny Gomes ein Mann in "Blägg"-Reihen stand, der mit seiner Schnelligkeit und Power für Panik, und einmal für einen feinen Abschluss (nach einem Fehler von Gast­goalie Andris Vanins), sorgen konnte.

Dreimal in den letzten sieben Jahren hat sich der FC Black Stars (zweimal als Erstligist, heuer als Verein der Promotion League) mit dem FCZ im Cup duelliert. Einmal musste der Grossklub in die Verlängerung, das erste Mal (2012) gewann der FCZ in der Endphase mit 3:1.

Auch im dritten Vergleich fehlte zur Überraschung sehr wenig – und obwohl die Ama­teure vom Buschweilerhof bereits die dritte englische Woche absolvieren (am Mittwoch folgt die Partie in der Romandie bei Stade Nyonnais, am Samstag der ultimative Spitzen­kampf gegen Yverdon auf der "Blägg"-Matte), ist den Schwarz-Sternen zuzutrauen, dass sie auch in der neuen Spielklasse eine Attraktion und Bereicherung sind – und bleiben werden.

Standing Ovation nach Abpfiff

Grosser Gewinner einer Partie, die im Vorfeld primär als Hochrisikospiel deklariert worden war und mediale Schlagzeilen gemacht hatte, war der Fussball respektive der Schweizer Cup. Und auch wenn Trainer Tabakovic vom «dritten moralischen Sieg» sprach und dabei not very amused wirkte – der frühere Profifussballer weiss genau, dass Klub, Vereinsver­antwortliche und sein Personal eine grosse, ja heroische Partie gezeigt hatten.

Der Gross­teil der Zuschauer auf der OB-Tribüne jedenfalls stand nach Abpfiff auf und spendete dem "Verlierer", der ebenso ein Gewinner wie der ruhmreiche FCZ war, einen herzlichen, lan­gen und warmen Applaus.