Schweizer Cup
Ein Klub zwischen den Dimensionen – der EHC Basel scheitert im Cup-Sechzehntelfinal deutlich

Der EHC Basel schnuppert beim 0:6 im Cup-Sechzehntelfinal für wenige Stunden wieder einmal etwas NLA-Luft – die SCL Tigers sind aber erwartungsgemäss eine Nummer zu gross für den Klub, der vor gar nicht so langer Zeit noch dem Konzert der Grossen angehörte.

Yannick Fischer
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Basel-Torhüter Guggisberg war stark gefordert an diesem Abend. 0:6 hiess es am Schluss.
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EHC Basel - SCL Tigers (18.09.2018)
Das Cupspiel gegen die SCL-Tigers lockte viele Zuschauer in die St. Jakob-Arena in Basel.
Vor dem Spiel: Die Fans betreten die Arena.
Der Gästeblock mit den mitgereisten Fans aus Langnau sorgt für Stimmung.
Die Langnauer tauchen gefährlich vor dem Basler Tor auf.
«Zämmestoo und s'Yys als Kämpfer verloo », steht auf dem Transparent der Basler Fans.
Basels Joel Fröhlicher schirmt den Ball vor Langnaus Banjamin Neukon ab.

Basel-Torhüter Guggisberg war stark gefordert an diesem Abend. 0:6 hiess es am Schluss.

Martin Toengi

Als die Spieler des EHC Basel kurz vor Anpfiff das Eis betreten wird es richtig laut. So laut wie schon lange nicht mehr in der St. Jakob-Arena. Die Ränge sind nicht schlecht besetzt, wenn auch noch viele der 6700 Plätze frei sind.

Die Basler Fankurve hievt langsam ein Transparent mit gut 20 m Durchmesser empor, darauf zu lesen: «Zämmestoo und s’Yys als Kämpfer verloo» Augenblicke später pfeift der Schiedsrichter an, der Lärmpegel steigt erneut.

3815 Tage nach dem letzten NLA-Abstieg scheint hier in der St. Jakob-Arena alles wieder beim Alten zu sein. Doch die goldenen Zeiten des EHC Basel liegen in der Vergangenheit. In den Nullerjahren spielte der EHC vier Saisons in der höchsten Schweizer Spielklasse.

Doch 2014 ging der Verein, damals in der NLB, Konkurs – und kehrte für einen Neuanfang in die 1. Liga zurück. Stefan Vögele, langjähriger Spieler des EHC und heutiges Vorstandsmitglied, erinnert sich: «Der Konkurs hinterlässt noch heute einen bitteren Nachgeschmack. Die Dinge gehen schnell kaputt, aber sie danach wieder aufzubauen, ist um einiges schwieriger.»

Der FCB und sein Kuchenstück

Der Konkurs war absehbar. Mit einem relativ geringen Zuschauerschnitt von 1381 Fans pro Spiel, liess sich Eishockey auf diesem Niveau nicht mehr finanzieren. Während dem EHCB-Untergang dominierte ein anderer Basler Verein die Schweizer Sportszene. Der FC Basel, Flaggschiff des Schweizer Fussballs wurde im selben Jahr zum fünften Mal in Folge Schweizer Meister – Fussball im Hoch, Eishockey im Tief.

Hatte der Erfolg des FCB eine Auswirkung auf den Konkurs des EHC? «Das ist schwierig zu sagen. Ich denke nicht, dass es einen direkten Einfluss hatte», sagt Vögele. «Auch der EHC hatte tolle Zeiten. Man hat gesehen, dass Eishockey in Basel funktioniert, wenn man erfolgreich ist. Natürlich, der FCB setzt die Messlatte hoch, die Leute sind erfolgsverwöhnt. Das wirkt sich auch auf der Sponsorenseite aus, wo der FCB ein grosses Stück des Kuchens abbekommt.» Deswegen dürfe man aber nicht jammern: «Alles Lamentieren bringt nichts. Der FCB hat über Jahre kontinuierlich gute Arbeit geleistet und sich den Erfolg verdient.»

Die gute Infrastruktur auch als Nachteil

Obwohl die sportlichen Dimensionen der beiden Teams unterschiedlich sind, hat der EHC eines gemeinsam mit dem FCB: eine professionelle Infrastruktur in der St. Jakob-Arena. Das sei allerdings nicht nur von Vorteil, sagt Vögele: «Es ist natürlich ein Kostenfaktor. Die Halle ist für eine höhere Liga gemacht.»

Eine höhere Liga als die Mysports League, in welcher der EHC Basel seit der Ligagründung 2017 spielt. «Der Klub ist in einer Situation, in der viele andere nicht sind. Wir haben relativ hohe Kosten, sind aber gleichzeitig immer in einer Dimension irgendwo zwischen Profis und Amateuren. Das ist gefährlich und erzeugt finanziellen Druck», sagt Vögele.

«Man muss alles über den sportlichen Erfolg machen»

Der einzige Weg aus der ungemütlichen Situation ist für Stefan Vögele klar: «Erfolg. Wenn das Geld nicht da ist, muss man alles über den sportlichen Erfolg machen.» Das erklärte Ziel des EHC Basel: der Wiederaufstieg in die NLB. «Im Moment gibt es nichts anderes. Ziel ist und muss sein, wieder in die NLB aufzusteigen. Aber es gibt hunderttausende Hürden. Das ist Wahnsinn», erklärt Vögele.

Eines will er hierbei noch anmerken: «Viele Leute stellen es sich so einfach vor, mit einem Sportklub erfolgreich zu sein. Aber das ist es nicht. Die Verantwortlichen leisten hier tolle Arbeit für einen relativ grossen Verein, der über 200 Kinder in der Nachwuchsabteilung hat. So zu arbeiten ist neben dem FC Basel schwierig. Die Leute sehen den Erfolg, wollen dabei sein. Aber man darf nie die Basis vergessen.»

Dem geforderten «Zämmestoo» zum Trotz bleibt der EHC Basel bei der 0:6-Niederlage im Cup-Sechzehntelfinal gegen die SCL Tigers chancenlos. Und so kommt es, dass das Gastspiel eines National-League-Vertreters wohl noch für längere Zeit eine Ausnahme bleiben wird.

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