Eishockey

Ein Konkurs mit Happy End für den Basler Cyrille Scherwey

Cyrille Scherwey: Neo-Oltner, frisch verheiratet, werdender Vater und auf dem Eishockey-Feld ein rauer Bursche.

Cyrille Scherwey: Neo-Oltner, frisch verheiratet, werdender Vater und auf dem Eishockey-Feld ein rauer Bursche.

Der frühere Basler steht mit dem EHC Olten im Playoff-Final der NLB gegen die Langnau Tigers. Nach dem Konkurs der EHC Basel AG brach für ihn eine Welt zusammen. Nun, neun Monate später, ist er der letzte Basler, dessen Saison noch nicht zu Ende ist.

«Entschuldigung, mein Bruder», sagt Cyrille Scherwey und beginnt, ins Telefon zu sprechen. Wenige Minuten später erklärt er: «Wir telefonieren täglich. Das ist mir sehr wichtig. Auch an einem Spieltag.» Für die Scherwey-Brüder beginnen gerade die aufregendsten Wochen des Jahres: Tristan, der Jüngere, trifft mit dem SC Bern in den Playoff-Halbfinals auf Davos. Cyrille spielt im Final der NLB mit dem EHC Olten gegen die SCL Tigers.

Neuer Klub, Heirat und Vaterglück

Dass es überhaupt soweit kommen konnte, gleicht einem Märchen. Denn was Cyrille Scherwey seit dem vergangenen Juni erlebt hat, ist mit einer «Berg-und-Tal-Fahrt» noch milde umschrieben. Mit dem Konkurs der EHC Basel AG brach für den 26-Jährigen eine Welt zusammen. Jetzt, neun Monate später, ist er der letzte Basler, dessen Saison noch nicht zu Ende ist, er hat vor drei Wochen seine Carolina geheiratet und erwartet Ende Mai ein Töchterchen. «Unsere kleine Prinzessin», wie er sie voller Vorfreude nennt. Was mit einem Konkurs begann, führte zu einem dreifachen Happy End.

«Ich habe eine sehr schwierige Zeit hinter mir», sagt Scherwey, «dafür schätze ich nun umso mehr, was ich habe.» Im Sommer kündigten er und seine Partnerin ihre Jobs und die Wohnung in Fribourg. Basel sollte ihr neuer Lebensmittelpunkt werden. Eine Woche, nachdem sie ihr neues Zuhause gefunden hatten, gab es den B-Ligisten EHC Basel nicht mehr. Und das einen Monat vor dem Saisonstart. «Ich hatte meinen Glauben verloren», sagt Scherwey und erzählt, wie wichtig die Telefonate in dieser Zeit mit seinem Bruder waren.

Über 100 Spiele hatte der Stürmer bis zu diesem Tag für Basel absolviert. Scherweys Glück war, dass er am Rheinknie bereits einen Job auf sicher hatte. Aus dem geplanten 50-Prozent-Job bei Helsana wurde vorübergehend ein 100-Prozent-Pensum. «Ich habe während meine Hockey-Karriere immer nebenbei gearbeitet», sagt Scherwey. Sein Fall ist ein Lehrstück dafür, wie wichtig es sein kann, neben dem Sport ein zweites Standbein aufzubauen.

Im August, während der Try-outs, versuchte Scherwey, beim A-Ligisten Ambri-Piotta unterzukommen. Ohne Erfolg. Stattdessen spielte er fortan für den EHC-Basel-Sharks-Nachfolgeklub Basel-Kleinhüningen in der 1. Liga. «Es ist brutal, die Saisonvorbereitung mit einem A-Ligisten zu bestreiten, um dann in der 1. Liga zu landen», sagt Scherwey, und fügt an: «Wenn du erst einmal in der 1. Liga bist, ist es sehr schwierig, wieder nach oben zu kommen.»

Doch statt mit Basel-Kleinhüningen in der ersten Runde der 1.-Liga-Playoffs auszuscheiden, spielt Scherwey nun um den Titel in der NLB und um den Aufstieg in die NLA. Am 1. Februar wurde die Wende zum Guten perfekt. Zwei Runden vor dem Playoff-Start unterschrieb Scherwey einen Vertrag bis Saisonende in Olten. Er wusste, dass mit der Playoff-Zeit die Chancen auf einen Klubwechsel steigen. Dass es der NLB-Spitzenklub Olten würde, damit hatte er nicht gerechnet.

Wieder bei Dino Stecher

Unlogisch ist dieser Schritt indes nicht. Mit Dino Stecher ist jener Mann Assistenztrainer in Olten, der zur Zeit des Konkurses Basels Bandengeneral war. «Dino sagte mir, ich habe diesen Wechsel verdient», sagt Scherwey. Der werdende Vater ist stolz, dass er in dieser schwierigen Zeit durchgehalten hat. Und es hat sich gelohnt. Eine zweite Saison in der 1. Liga hätte er nicht mitgemacht. «Ich hätte mit dem Eishockey aufgehört», sagt Scherwey.

Nun hat er sich in Oltens vierter Sturmlinie etabliert, hat in den Playoffs zwei Tore geschossen und ist der festen Überzeugung, dass mit diesem Team der Titel möglich ist. Das gestrige Spiel in Langnau war das erste Finalspiel in Scherweys gesamter Hockey-Karriere. In den Viertel- und Halbfinals setzte sich Olten mit 4:0- und 4:1-Siegen durch. «Ich liebe die Playoff-Zeit wegen der physischen Spielweise», sagt Scherwey. Genau wegen dieser physischen Spielweise habe ihn OIten auch geholt, ist er überzeugt.

Cyrille Scherwey ist glücklich, das spürt man. Noch immer wohnt er in Basel, noch immer hat er seinen 50-Prozent-Job bei der Helsana. Die Überstunden, die er nach dem Konkurs angehäuft hat, kann er nun während der Playoffs abbauen. Am 1. Juli zügelt er mit seiner Frau und der kleinen Prinzessin ins aargauische Holziken nahe Olten. Und wie steht es um seine Zukunft beim EHC Olten? Wird der Vertrag nach den Playoffs verlängert? «Dazu darf ich noch nichts sagen», antwortet Scherwey mit einem schelmischen Grinsen. Doch wer eins und eins zusammenzählt, kommt zum Schluss, dass Scherwey auch nächste Saison für Olten spielen wird. Ein zweites Mal wird er kaum seinen Lebensmittelpunkt verschieben, um dann ohne Klub dazustehen.

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