Briefe für Tokio
Christian Kirchmayr über seinen geplatzten Traum: «Es war ein Leben ohne Stützräder»

Drei Basler Sportler berichten von ihrem Weg an die Olympischen Spiele 2021. Christian Kirchmayr schaffte es nicht, sich für Tokio zu qualifizieren. In seinem Brief schreibt er darüber, was er anders machen würde und weshalb er dennoch stolz ist.

Christian Kirchmayr
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Christian Kirchmayr reiste um die ganze Welt, um an den Olympischen Spielen dabei zu sein. Doch es reichte nicht.

Christian Kirchmayr reiste um die ganze Welt, um an den Olympischen Spielen dabei zu sein. Doch es reichte nicht.


Kenneth Nars

Keine Olympischen Spiele in Tokio für mich. Nach meiner Niederlage im Sechzehntelfinal der Europameisterschaft vor zwei Wochen war die Qualifikation für mich nicht mehr zu erreichen. Ich beende die Qualifikation auf Rang 45. Mir fehlen drei Plätze.

Es ist schwierig, die richtigen Worte zu finden. Die Intensität einer solchen Qualifikationsphase war auf verschiedene Arten derart beanspruchend, aber auch bereichernd, dass man es wohl kaum auf einen Punkt oder einen prägnanten Satz bringen kann.

Natürlich bin ich nun sehr enttäuscht und viele Dinge würde ich im Nachhinein anders machen. Mal ein Turnier mehr auslassen, damit ich für ein anderes besser vorbereitet bin. Oder bei interkontinentalen Turnieren früher anreisen, damit ich mich besser an die klimatischen Bedingungen gewöhnen kann.

Aber ich habe es nie bereut, diesen Weg gegangen zu sein und mein Ziel konsequent bis zum Ende verfolgt zu haben. Ich habe alles gegeben und viel geopfert. Ich hätte es mir nie verziehen, wenn ich es nicht versucht hätte. Auf diesen Versuch, bei dem ich Tag für Tag alles in die Waagschale geworfen habe, werde ich immer stolz sein.

Es war eine Zeit voller Erfolge und Rückschläge. Turniere auf dem ganzen Globus, Europa- und Weltmeisterschaften, der Covid-Lockdown, zur Passivität verdammt zu sein, das Warten auf den Neustart der Qualifikationswettkämpfe, Verletzungen und unzählige Stunden Training. Es war ein Leben und Schaffen ohne Stützräder und ohne Scheuklappen.

Auch wenn die Enttäuschung überwiegt, so bin ich doch auch dankbar. Dafür, dass ich die Chance hatte, um Olympia zu kämpfen. Für all die Erfahrungen, die ich sammeln durfte. Ich möchte allen danken, die mich während dieser Zeit unterstützt haben, mit Worten, Taten und gedrückten Daumen. Euer Mitfiebern bedeutet mir sehr viel.

Nun werde ich es etwas ruhiger angehen lassen. Ich werde mir überlegen, wie viel ich noch bereit bin zu geben und wie fest das Feuer in mir noch brennt. Die Olympischen Spiele in Tokio werde ich mir trotzdem nicht entgehen lassen. Auch wenn es nur vom Fernseher aus sein wird.