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Ein letzter Aufgalopp an den Basler Islandpferde-Sporttagen?

Zum dritten Mal finden auf der Reitsportanlage Schänzli in Muttenz die jährlichen Basler Islandpferde-Sporttage statt. Es könnte eines der letzten Male sein.

Patrik Bieli
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Die Islandpferde-Sporttage finden zum dritten Mal in Muttenz statt.

Die Islandpferde-Sporttage finden zum dritten Mal in Muttenz statt.

zvg

Pferde haben drei Grundgangarten: Schritt, Trab und Galopp. Darunter können sich auch Menschen etwas vorstellen, die mit Pferdesport wenig bis gar nichts am Hut haben. Es gibt aber etliche Pferderassen, die noch weitere, dem Laien eher unbekannte Gangarten in ihrem Repertoire haben.

Die meisten Islandpferde können sich zum Beispiel auch im Tölt und im Rennpass fortbewegen. Während der Rennpass nur bei Höchstgeschwindigkeit gefragt ist, handelt es sich beim Tölt um eine Gangart, die von der Fussabfolge her mit dem Schritt identisch ist.

Weil er aber ein Laufen (Einbeinstütz) und kein Schreiten (Dreibeinstütz) ist, kann das Tempo deutlich höher sein. Ausserdem fehlt im Unterschied zum Traben und Galoppieren eine Schwebephase, wodurch grobe Erschütterungen beim Tölt-Reiten ausbleiben.

Andrea Herrmann ist Mitglied der Turnierleitung der an diesem Wochenende zum dritten Mal in Folge stattfindenden jährlichen Basler Islandpferde Sporttage. Seit 30 Jahren arbeitet die passionierte Islandpferde-Reiterin und -Trainerin (C-Lizenz) praktisch ausschliesslich mit Islandpferden. Das Reiten in der Spezialgangart Tölt empfindet sie als «ungemein spannend».

Gerne würde sie am Samstag auch selber als Reiterin zum Einsatz gelangen. Je nach Turnierverlauf wird sie aber zu stark mit organisatorischen Aufgaben beschäftigt sein und auf eine Teilnahme verzichten müssen.

Die Zuschauer auf der Reitsportanlage Schänzli in Münchenstein werden auf jeden Fall einiges geboten bekommen. Ein bunt gemischtes Teilnehmerfeld bestehend aus Jugendlichen, Erwachsenen, Freizeitsportlern und Profi-Reitern wird versuchen, die Jury von ihren Fähigkeiten zu überzeugen.

Mit dabei ist auch Markus Albrecht Schoch, der amtierende Pass-Weltmeister über 250 Meter. Allerdings ohne sein Gold-Pferd Kóngur frá Lækjamóti. Auch wenn Herrmann die Passbahn auf dem Schänzli als «sehr schnell» bezeichnet, dürfte Albrecht dem Weltrekord deshalb nicht mehr so nahe kommen wie noch an der WM in Holland vor gut einem Monat.

Wohnhäuser statt Wettbewerbe

Die schnelle Passbahn ist nicht das Einzige, was den Organisatoren am Schänzli gefällt. «Als wir uns auf die Suche nach einem neuen Austragungsort gemacht haben, habe ich mich für eine Reithalle ausgesprochen», so Herrmann. «Es hat sich aber herausgestellt, dass das Schänzli absolut ideal für unsere Bedürfnisse ist. Beispielsweise müssen wir aufgrund der bereits vorhandenen Tribünen kein Festzelt aufbauen und die Atmosphäre ist schweizweit einzigartig.»

Allerdings dürfte man in Zukunft von besagten Tribünen aus nicht mehr Zeuge von trabenden und galoppierenden, geschweige denn weltmeisterlich im Tölt daherbrausenden Pferden werden. Stattdessen wird das Areal wohl Schauplatz eines eher auf die Bedürfnisse von Zweibeinern gemünzten Umbaus:

Im Rahmen des Projekts Hagnau/Schänzli erarbeitet die Einwohnergemeinde Muttenz derzeit Pläne für eine Umnutzung des Schänzli. Im aktuellen Konzept vorgesehen ist dabei neben einer Reihe von Wohnhäusern auch eine ausgedehnte Grünzone.

Sollte die Gemeindeversammlung das Konzept 2018 genehmigen, würde dies das Ende eines in der Umgebung aussergewöhnlichen Austragungsortes für den ansonsten in der Schweiz immer beliebteren Pferdesport bedeuten.