Am liebsten hätte Sportchef Marco Streller den Nachfolger von Michael Lang ja schon längst präsentiert. Weil es schnell gehen muss, da der FC Basel bereits in 16 Tagen in die Saison startet und gleich zu Beginn mit den Qualifikations-Runden für die Champions League enorm wichtige Spiele auf dem Programm hat. Doch noch lässt der Lang-Ersatz auf sich warten.

Der Plan, diesen noch am Tegernsee, wo der FCB bis diesen Samstag weilt, vorstellen zu können, scheint nicht mehr aufzugehen. Schlimm ist dies nicht, denn das Warten scheint sich gelohnt zu haben. Denn der FCB sichert sich aller Voraussicht nach die Dienste von Silvan Widmer.

Das Gerücht, dass der 25-Jährige den zu Gladbach abgewanderten Lang beerben könnte, machte bereits am Dienstag die Runde. Von einigen wurde er schon dort als präferierte Variante gehandelt, bei anderen herrschte noch viel Skepsis. Skepsis vor allem deshalb, weil Widmer zum einen bereits in der Serie A spielt, dort schon beachtliche 131 Spiele hat absolvieren können und deshalb nicht nur auf dem Radar des FCB ist.

Auch die Liga-Konkurrenten von Widmers Noch-Klub Udinese Calcio, Juventus Turin und Lazio Rom, sollen ein Auge auf den Schweizer geworfen haben. Aber nicht nur deshalb herrschte Skepsis. Udinese soll acht Millionen Euro Ablöse für Widmer verlangen.

Was für europäische Grossklubs ein Schnäppchen-Preis ist, ist für den FC Basel eine stolze Summe. Noch nie zuvor hat er so viel Geld für einen neuen Spieler ausgegeben. Mit 4,7 Millionen Euro war Cesar Carignano bisher der kostspieligste Einkauf.

Ein starkes Zeichen

Und doch zeichnet sich der Transfer Widmers, der zum erweiterten Kreis der Schweizer Nati gehört und der den Sprung ins WM-Kader nur ganz knapp verpasst hat, ab. Dies bestätigen Quellen der «bz». So soll Stand Mittwochabend schon fast alles geklärt gewesen sein.

Dass man sich Widmer nach den zahlreichen Abgängen und den damit verbundenen Einnahmen von rund 60 Millionen problemlos leisten kann, steht ausser Frage. Dass man ihn sich auch leisten will, ist ein starkes Zeichen. Ein Zeichen, wie wichtig diese Qualifikation für die Champions-League-Gruppenphase oder wenigstens die Europa League ist.

Um mindestens Letztere zu erreichen, würde es genügen, die erste Quali-Runde gegen Paok Thessaloniki zu überstehen. Dass man ob der Wichtigkeit dieser so früh anstehenden Spiele nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Taulant Xhaka, der als Interims-Lösung auf der Rechtsverteidiger-Position gedacht gewesen wäre, keine Experimente wagt, war klar. Mit Widmer hat man nun aber doch eine sehr interessante und starke Lösung gefunden.

Widmer hat sich in seinen fünf Jahren in Italien einen guten Ruf erspielen können. In den vergangenen vier Saisons kam er immer auf mehr als 20 Liga-Einsätze, in der letzten gelangen ihm zudem noch drei Tore und zwei Vorlagen. Dieser Offensivdrang ist etwas, das man beim FCB von einem Aussenverteidiger erwartet. Hinzu kommt, dass Widmer als Schweizer kaum Eingewöhnungszeit brauchen wird.

Er kann die Sprache, kennt Land und Liga, auch wenn er schon früh den Schritt ins Ausland gewagt hat. Für ihn persönlich dürfte es auch ein Entscheid aus familiären Gründen sein, ist er doch erst kürzlich Vater geworden. Dann ist die Nähe zur Familie wichtig, und die hätte er so ganz in der Nähe, schliesslich wohnt diese in Aarau.