Nachdem die erste Wut und Enttäuschung verflogen ist, schaut Lukas Kummer nur noch ratlos. Er weiss nicht, was er sagen soll. Er hat das gleiche Material zur Verfügung wie der spätere Gewinner. Trotzdem klappt im Moment nichts bei dem Laufner. Obwohl er die neuntbeste Startzeit hinlegt, resultiert im Ziel nur der 25.Rang. Dies bedeutet das Aus vor dem zweiten Durchgang. Beim Heimweltcup in St.Moritz. «Was soll ich sagen? 25. von 28 Fahrern ist nicht gerade das, was ich mir erträumt habe», macht sich der 26-Jährige Luft.

Beim Start macht er wohl ein, zwei Schritte zu viel. Als er auf dem Schlitten liegend den Kopf das erste Mal hebt, naht schon die Wand. Zu spät, um einen Aufpraller zu verhindern. «Da wusste ich schon, dass das Rennen gelaufen ist», sagt er. Dabei war Kummer nicht der Einzige. Auch der russische Schnellstarter Alexander Tretiakov, der in diesem Winter schon dreimal auf dem Podest stand, kollidiert in der ersten Kurve und ist im zweiten Durchgang nicht mehr mit von der Partie.

In einer Negativspirale

Schon in den Trainings hätte er gemerkt, dass es nicht läuft. Er hätte zwar zwischendurch einmal eine gute Fahrt gehabt, aber irgendwie sei der Wurm drin. Die schlechten Resultate vertreiben die nötige Lockerheit. Kummer befindet sich in einer Negativspirale. Deswegen den Bettel hinzuwerfen, kommt aber nicht infrage. «Ich bin nicht der Typ fürs Aufgeben», sagt der Laufner, der im November sein Studium abgeschlossen hat, bestimmt. Irgendwie hätte er wohl zu viel erwartet, nachdem er sich diesen Winter erstmals zu 100 Prozent seinem Sport widmen könne. Die Resultate zu Beginn des Weltcups und der zweite Platz an der Schweizer Meisterschaft hätten ja auch positiv gestimmt. Gerade die Silbermedaille dürfe aber nicht überbewertet werden, weil Sieger Pascal Oswald, der eigentlich pausiert, klar dominierte und Kummer in Abwesenheit von dem zweiten Weltcup-Fahrer Michael Höfer auch auf dem Papier die Nummer zwei war.

Blick nach vorne richten

Kummer will das Rennen am liebsten schnell abhaken. Die Weltcup-Stationen in Übersee kommen gerade richtig. Schliesslich hat er in Calgary vor einem Jahr sein bislang bestes Resultat eingefahren. Wieso also nicht auf der Strecke, die mit der langen Startrampe schnelle Läufer bevorzugt, ein positives Zeichen setzen?

Zuerst steht aber noch die Olympiastrecke von Vancouver auf dem Programm. Eine schwierige Bahn, die keine Fehler verzeiht. Kummer will die Trainingstage intensiv nutzen, um die alte Sicherheit zurückzugewinnen. Nach den zwei kanadischen Weltcup-Etappen steht noch der Saisonhöhepunkt auf dem Programm. Die Weltmeisterschaft im US-amerikanischen Lake Placid. Dort will der 26-Jährige mit einem Rang in den Top 20 für einen versöhnlichen Saisonabschluss sorgen.