Vielleicht hatte Raphael Wicky es geahnt. Am Freitag sagte er, dass er sich bewusst sei, dass man nicht bis Saisonende alle Spiele so furios und deutlich gewinnen würde wie die letzten drei. In denen siegte der FC Basel mit 6:1, 4:2 und 5:1, zeigte pure Fussballfreude, Spielwitz und Effektivität.

Gestern aber kommt ihm all das komplett abhanden. Gleich mit 1:4 geht er beim FC Zürich unter. Wohlgemerkt einem FCZ, der nicht übermächtig ist und den man bis zur Pause neutralisiert. Das 0:0 zur Pause ist folgerichtig, das Spiel bis zu diesem Zeitpunkt harzig, fast schon langweilig.

Begleitschutz für den FC Zürich

Vom Spektakel der letzten Wochen ist man genau so weit entfernt wie am Ende des Spiels von einem Erfolgserlebnis. Gleich nach der Pause gerät der FCB in Rückstand. Raphael Dwamena kann beinahe ungehindert auf Tomas Vaclik zusteuern, Fabian Frei sowie Eder Balanta leisten nur Begleitschutz.

Nur zwölf Minuten später wird Pa Modou sträflich alleine gelassen und kann auf 2:0 erhöhen. «Diese beiden Tore ärgern mich extrem», sagt Raphael Wicky. «Da wird einfach nicht umgesetzt, was wir intern angesprochen haben.» Der FCB-Trainer spricht den fehlenden Willen an, mit allen Mann zu verteidigen. Beide Male ist nur die Hälfte der Mannschaft in die Defensivarbeit involviert.

Unerwartet und unnötig

Die beiden Treffer aber scheinen ein Weckruf zu sein. Danach versucht sich der FCB erstmals nicht nur mit verzweifelten Weitschüssen, sondern kombiniert sich vors Zürcher Tor. Albian Ajeti erzielt aus kurzer Distanz und nach einem missglückten Abschluss Kevin Buas gar das Anschlusstor. Dieses wird aber wegen knappem Offside aberkannt.

Das Glück ist nicht auf der Seite der Basler. Das wird auch deutlich, als Samuele Campos guter Distanzversuch nur an die Latte knallt. Aber es fehlt dem FCB gestern nicht nur an Glück. Vielmehr mangelt es überall: An der Abstimmung in der Defensive, an der Kreativität im Mittelfeld und an der Präzision im Sturm.

«Es war einfach alles kacke heute»

Der FCB zeigt jenes Gesicht, das er im Frühling zu oft gezeigt hat und von dem man gehofft hatte, dass man es nicht mehr sehen muss. Es ist ein Rückfall in alte Muster – so unnötig wie unerwartet. Als Wicky versucht, mit einer offensiveren Ausrichtung die Wende herbeizuführen, resultiert dies im genauen Gegenteil.

Der FCB kassiert die Gegentore drei und vier. «Es war einfach alles kacke heute», fasst Fabian Frei zusammen, unterschlägt dabei aber das einzig Positive an diesem Spiel: Ajetis Ehrentreffer zum 1:4 in der Nachspielzeit. Der bringt zwar keine Punkte, hilft Ajeti aber, an der Spitze der Torschützenliste zu bleiben, obwohl auch Verfolger Hoarau trifft. So wahrt der FCB zumindest die Chance auf den letzten Titel der Saison.