Je weiter man in den Osten blickt, desto beliebter wird das olympische Boxen. Zwischen den Sportlern aus Osteuropa und der Schweiz liegen daher in den meisten Fällen Welten. Dies liegt weniger am fehlenden Talent der Schweizer-Boxer, sondern viel mehr an der fehlenden Unterstützung.

Diesbezüglich einen Schritt aufholen will der Schweizer Boxverband Swiss Boxing nun mit der Umstellung der Trainerstelle von Michael Sommer. Der langjährigen Leiter des Bereichs Nachwuchs und Damen ist beim Verband neu Nachwuchstrainer.

Dank finanzieller Unterstützung von Swiss Olympic wurde die Stelle auf professionelle Basis gestellt. «Bis jetzt habe ich den Job nebenbei und freiwillig gemacht, nun wird ein guter Teil bezahlt», erklärt der gebürtige Liestaler, der mittlerweile in Frenkendorf wohnt.

Durch diese Umstellung werden die Möglichkeiten für den 44-Jährigen erweitert. «Jetzt kann ich mit den Sportlern in Trainingslager reisen und sie an den Turnieren begleiten», sagt er. «Ebenfalls kann ich nun auch den anderen Trainern unter die Arme greifen und ihnen Tipps geben.»

Reformen tragen Früchte

Dass Michael Sommer im olympischen Boxen den ersten Verbandstrainer-Posten der Schweiz erhält, kommt nicht von ungefähr. Bereits vor sechs Jahren hatte er mit einer Konzeptplanung für den Nachwuchs begonnen.

In dieser Zeit herrschten noch fast miserable Verhältnisse. Box-Talente in der Schweiz konnten keine Sportschulen oder Sportlehren absolvieren. Somit konnten sie nicht während der Schul- oder Lehrzeit trainieren oder mussten auf viele Dinge verzichten, um Erfolg zu haben.

Gemeinsam mit Swiss Boxing wurde nun das Konzept fertiggestellt und umgesetzt. Dadurch konnte man einen grossen Schritt nach vorne machen. Und es hat sich bereits ausbezahlt. Mehrere Schweizer Talente des Boxsports besuchen eine Sportklasse oder absolvieren eine Sportlehre.

Die Liebe galt bei Michael Sommer schon immer dem Sport. Seit 2012 ist er sportlicher Leiter des «Noble Art Boxing Center» in Frenkendorf, welches ein olympischer Leistungsstützpunkt im Boxen ist.

«Ich lebe für die Sportler»

Gleichzeitig bildete sich der gelernte Bäcker und Konditor immer weiter und absolvierte neben zahlreichen Weiterbildungen auch den Wettkampftrainerkurs von Swiss Boxing und den Trainergrundkurs von Swiss Olympic.

Dies alles, um mit seinen Schützlingen gute Resultate zu erzielen. «Ich lebe für die Sportler. Wenn sie gewinnen, freue ich mich mit Ihnen. Wenn sie verlieren, leide ich mit.»

Zusätzlich zur Finanzierung des Verbandstrainers wurden den Boxern weitere Fördermittel zur Verfügung gestellt. Diese werden es ermöglichen, das Engagement im Nachwuchsbereich auf nationaler Ebene auszubauen.

Ziel dabei ist es, mit einer verstärkten Nachwuchsförderung und der Unterstützung von den Boxsport in der Schweiz besser zu verankern und talentierte junge Sportlerinnen und Sportler auf breiter Ebene und zugleich verstärkt zu fördern.

Schon einmal knapp gescheitert

Das langfristige Ziel des Engagements ist klar: die Olympischen Spiele. Michael Sommer ist dies als Trainer bereits beinahe einmal gelungen.

Mit seiner Athletin Sandra Brügger holte er an der Weltmeisterschaft des letzten Jahres in Kasachstan den herausragenden fünften Platz. Für eine Teilnahme an den Olympischen Spielen wäre jedoch der vierte Platz nötig gewesen.