Helm auf – eigentlich ein ganz gewöhnliches Szenario im Leben des Rennpiloten Fabio Leimer. Aussergewöhnlich ist nur, dass ein Helm anlässlich des Athletiktrainings aufgesetzt wird. Und dieser zudem mit Gewichten von bis zu 5 Kilogramm beschwert wird. Diese exotische Trainingsmethode, die G-Kräfte simuliert, wird in der Sportler-RS in Magglingen von Till Vogt angewandt.

Der Allschwiler Fallschirmspringer, der 2011 den Basler Sportpreis erhalten hat, ist dort als Coach angestellt. Den Helm setzt er seinen Schützlingen nicht für das Krafttraining auf, sondern für Übungen mit dem eigenen Körpergewicht oder in spielerischen und koordinativen Übungen, wie beispielsweise beim Badminton. Dort jedoch nicht mit 5 Kilogramm beladen. Dies wäre nicht verantwortbar, denn das Training mit der ungewöhnlichen Kopfbedeckung ist nicht ungefährlich.

Ungeliebtes Konditionstraining

«Beim Trainieren eines Motorsportlers liegt der Fokus auf optimaler Stabilität aus dem Rumpf und dem Nacken heraus», erklärt Vogt. Die Verbesserung dieser Punkte wird dadurch erschwert, dass Fabio Leimer sein Körpergewicht konstant halten muss und deshalb das Aufbauen neuer Muskelmasse kontrolliert werden muss. Auch die Ausdauer ist ein zentraler Punkt im Fähigkeiten-Katalog eines erfolgreichen Rennpiloten.

«Das Konditionstraining gehört einfach dazu, auch wenn es nicht zu meinen Vorlieben gehört», sagt der 24-Jährige. Sich dafür motivieren zu können, ist eine grosse Kunst. Und nicht zuletzt auch eine der Aufgaben von Till Vogt, der zwei bis drei Mal wöchentlich nach Magglingen reist.

Ein kleiner Teil des von Vogt für Leimer erarbeiteten Trainingsprogramms benötigt das Requisit «Schwerer-Kopf-Helm». Der Fallschirmspringer hatte bereits vor seinem Engagement in Magglingen einen solchen Helm bei sich zu Hause. Und da die Methode nahe am Rennsport ist und mit diesem Helm der Nacken isoliert trainiert wird, nahm ihn der Allschwiler kurzerhand mit nach Magglingen.

Und siehe da: Nach dem ersten Training mit dem ominösen Helm bekam Leimer einen Muskelkater im Nacken – ein positives Zeichen.

Rennsport-Alltag noch härter

Beim Selbstversuch wird die Wirkung verdeutlicht. Die kleinste Kopfbewegung wirkt sich um ein Vielfaches aus. Muskelkater gab es zwar nicht, trotzdem ist der Effekt dieser Trainingsmethode leicht vorstellbar. Schliesslich sind es fünf Kilogramm mehr, die der Nacken im Vergleich zum Alltag zu tragen hat. Dies entspricht einer Steigerung um fast 100 Prozent für den 6 Kilogramm wiegenden Kopf.

Von der Belastung, der der Kopf in einer Kurve auf der Rennstrecke ausgesetzt ist, ist dies dennoch ein Bruchteil. Dort wirken bis zu 4-G auf das Haupt (etwa 12 Kilogramm). Fabio Leimer reicht die Belastung von 5 Kilogramm: «Der Helm sorgt für leicht unangenehme Gefühle und nach dem Training spüre ich es beim Schlucken», erklärt er.

Erster Rennfahrer in der Sportler-RS

Leimer ist dem Militär dankbar, dass er als erster Rennpilot überhaupt die Spitzensport-Rekrutenschule absolvieren darf und damit in den Genuss der umfassenden Infrastruktur kommt. Weiter schätzt er, dass er Unterstützung vom harten, aber herzlichen Trainer Till Vogt erhält. «Wir beide verstehen uns sehr gut und haben ein kollegiales Verhältnis», erzählt der Aargauer. Möglich, dass die beiden nach Ende der Rekrutenschule in acht Wochen weiter zusammenarbeiten werden.

Schon bald tauscht der Rennpilot den ungewöhnlichen Helm wieder mit dem normalen Kopfschutz eines Rennfahrers. Dann wird Fabio Leimer nach Beendigung der Rekrutenschule die neue Saison hoffentlich ohne Nackenstarre und schweren Kopf, dafür aber mit rekordverdächtiger Nacken-Stabilität in Angriff nehmen.