Patric Kottmann ist ein veritabler Spätzünder. Der Laufner nimmt dieses Jahr seine erste Saison bei der Elite unter die Räder – und dies mit stolzen 27 Jahren. Erst vor vier Jahren trat er einem Verein bei, sammelte erste Erfahrungen bei Bike-Marathons und wechselte auf 2009 hin zu den Strassen-Rennfahrern. Letztes Jahr belegte Kottmann den dritten Platz in der Amateur-Gesamtwertung und schaffte die Elite-Qualifikation. «Ich bereue es schon ein bisschen, erst so spät angefangen zu haben», gibt er unumwunden zu, «mit meiner aktuellen Situation bin ich aber trotzdem ganz zufrieden.»

Der Kopf und die Taktik

Kottmann ist Inhaber von zwei Bachelor-Diplomen (Sportwissenschaft und Wirtschaft), arbeitet zu 60% im Büro des Familienbetriebs und widmet sich daneben dem Sport. Er fährt für das Team «Groupe Sportif Rufalex», trainiert aber hauptsächlich im Regionalen Radsportzentrum Nordwest unter Thomas Rentsch. Er war es auch, der Kottmann die Strasse schmackhaft machte. «Mir gefällt vor allem, dass – im Gegensatz zu Bikerennen – nicht unbedingt derjenige mit den besten Beinen gewinnt. Auf der Strasse ist der Kopf viel entscheidender, die Rennen sind taktisch anspruchsvoller und daher auch interessanter», erklärt er den Wechsel. Ende Saison will Kottmann unter den besten 20 klassiert sein und hofft an den Schweizer Meisterschaften im Zeitfahren in die Top 15 zu fahren. «Ich muss mir mit meinem Alter ja hohe Ziele setzen», sagt er schmunzelnd. Schliesslich hat er noch den Traum, an einer Tour de Suisse starten zu können, wozu er aber in ein Team aufgenommen werden müsste, das Rennen eine Stufe höher fahren kann.

Dies wird äusserst schwierig, zumal neben guten Leistungen die richtigen Beziehungen und natürlich auch das Alter eine Rolle spielen. «Ich sage nicht, mein Ziel ist es noch Profi zu werden, ich rede nicht einfach ins Blaue», meint er. «Zudem stehe ich auch schon ziemlich im Leben und muss Geld verdienen, um etwa die Miete bezahlen zu können.»

Hoffen auf das vierte Jahr

Deshalb wird Kottmann im September wieder Bilanz ziehen, alle Optionen genau abwägen und sich fragen, wohin er auf seiner sportlichen Reise noch gehen will. «Der Sport gibt mir sehr viel, ich profitiere in jedem Lebensbereich davon. Aber andererseits muss ich deswegen auch auf sehr vieles verzichten.»

Der Trainingsaufwand beläuft sich inklusive Krafttraining auf etwa zwanzig Stunden in der Woche, zudem steht im Sommer fast jedes Wochenende ein Rennen an. Dass er aber schon dieses Jahr einen Schlussstrich zieht, ist nicht zu erwarten: «Ich bin jetzt in der dritten Saison und es heisst, dass die Vierte in der Regel die Beste ist», erläutert er. Man darf also gespannt sein.