Am Anfang war alles nur Spass. «Wir kamen fürs Studium nach Basel, haben alle vorher Volleyball gespielt und kannten weitere Leute, die Lust hatten, mit uns zu spielen», erinnert sich Heiko Breer. Heute ist er Sportchef von Traktor Basel. Damals, 1995, gründete er den Verein mit seinen Freunden Gaudenz Henzi, der auch heute noch im Vereinsvorstand ist, und Stefan Eugster.

Alle waren sie zugezogen, aus dem Aargau und aus Solothurn – keiner kam aus Basel. Und so wollten sie ihren Verein ursprünglich Traktor Basel interkantonal – kurz Trabi – nennen. Eine Hommage an die grossen Klubs aus dem Osten mit Namen wie Lokomotive Moskau, Dynamo Kiew oder Traktor Tscheljabinsk. Aus Jux und weil der Mauerfall noch immer nachhallte.

Sie begannen in der 4. Liga. Drei Jahre später waren sie bis in die 2. Liga aufgestiegen, obwohl sie nie irgendwelche Ambitionen hatten. Aber viel Talent. Immer wieder stiessen Spieler zu ihnen, die zuvor 1. Liga, NLB oder gar NLA gespielt hatten, aber nicht mehr so viel investieren wollten. Darum strebten sie jahrelang auch nicht mehr an. Die 1. Liga, das hätte mehr Reisen nach sich gezogen, mehr Training, Spiele jeden Samstag. «Wir haben damals praktisch nie trainiert. Oder wenn, dann haben wir Hockey gespielt», erinnert sich Breer.

Ein stetiger Fluss an Talenten

Das änderte sich 2013. Plötzlich wechselte Traktor auf die Überholspur. Letztes Jahr klopfte der Stadt-Verein an die Tore der NLA, beendete die Qualifikation auf Platz 2, wurde in den Playoffs schliesslich Vierter und hätte gar aufsteigen können, wenn man finanziell und bezüglich Infrastruktur bereit gewesen wäre. Was ist passiert? Wie hat der Traktor auf einmal so viel Tempo aufnehmen können?

Die Traktor-Spieler wurden älter, sie wurden Väter. Und ein Teil des Nachwuchses spielte bei SC Gym Leonhard. Vor rund zehn Jahren gründete dort Daniel Haussener, ehemaliger Volleyball-Nationalspieler und Sm’Aesch-Trainer, einen Schulklub. In den Juniorenkategorien hat der SC Gym Leonhard mehrfach Schweizer-Meister-Titel gewonnen. Etliche Talente kamen, manche wechselten ans Sportgymnasium Bäumlihof, wo sie zusätzlich gefördert wurden, und hatten in Basel trotzdem keine Gelegenheit, ambitioniertes Volleyball zu spielen. Sie wanderten ab nach Therwil oder Gelterkinden. Bis die Traktor-Väter fanden, das sei doch alles ein bisschen viel und weit. Und der Traktor den Staub abschüttelte und ambitioniert wurde. So begann der Aufstieg. Und er soll weitergehen.

Professionalisierung des Vereins

Traktor-Trainer Marc Fischer sagt: «Wir haben uns zum Ziel gesetzt, diese Saison den Aufstieg in die NLA auf sportlichem Weg zu schaffen.» Deshalb spielt Traktor diese Saison erstmals in der Rankhof-Halle, die man sich mit dem RTV Basel teilt, und nicht mehr in der Margarethenhalle.

Der Verein professionalisiert sich. Man hat einen Athletiktrainer eingestellt, versucht das Sponsoring auszubauen, auch wenn es noch harzt. Denn will man nach ganz oben und dort auch bestehen, braucht man wenigstens noch ein, zwei herausragende Spieler, Spieler, die auch in turbulenten Phasen zu 95 Prozent punkten. «Es müssen keine Ausländer sein, aber wir müssten uns sicher noch verstärken», sagt Fischer. Nur mit Spass erreicht man in diesen Sphären nichts mehr.