Fussball Frauen

Ein turbulentes Jahr für die FCB-Frauen – und ein glücklicher Abschluss

Die Frauenmannschaft des FC Basel konnte sich nach dem 4:0-Sieg im letzten Spiel der Hinrunde feiern lassen. Ein versöhnliches Ende eines anspruchsvollen Halbjahrs.

Die FCB-Frauen beenden mit einem 4:0-Sieg eine Hinrunde, die nicht nur wegen der Gala-Demütigung schwierig war. Nach reihenweise verletzten Leistungsträgerinnen, einem Trainerwechsel und Budget-Kürzungen geht es für die FCB-Frauen nun mit einem positiven Gefühl in die Winterpause.

Obwohl die FCB-Frauen gegen den Tabellenletzten spielten, war der Ausgang nicht so klar. Im Hinspiel erreichte Basel nur ein 0:0, und wer auf gleich zehn Spielerinnen zu verzichten hat, muss schauen, ob er der Favoritenrolle gerecht werden kann. «Wir plagen uns schon die ganze Spielzeit mit vielen Absenzen herum, sodass wir gelernt haben daraus das Beste zu machen. Es war enorm wichtig, dass wir dieses Spiel gewinnen. Nicht alleine wegen der Punkte, sondern für das positive Gefühl, das wir jetzt alle in die Pause mitnehmen», betonte Thomas Moritz und wirkte sichtlich erleichtert.

Musste man nach früher Führung durch Marion Rey in der siebten Minute den Gästen noch zu viele Aktionen zugestehen, dominierte Basel in der zweiten Hälfte deutlich und kam durch Kristina Sundov, Madison Sarah Solow und Topskorerin Buser zu weiteren Treffern. Einmal noch stieg der Puls bei Moritz, als Yverdons Audrey Riat in der 67. Minute einen Foulpenalty an den rechten Pfosten setzte. Es wäre der Anschlusstreffer zum 1:2 gewesen.

Nach Abgängen ein Umdenken

Mehrmals versuchte man beim FC Basel mit reichlich finanziellen Mitteln für die Frauenabteilung den ersten Meistertitel zu gewinnen. Letzte Saison war man nahe dran, verpasste es aber am 29. April im Heimspiel gegen den FC Zürich zu gewinnen.

Aus jenem Team standen Mittwochabend gegen Yverdon gerade noch Jana Brunner, Sina Hirschi und Kristina Sundov auf dem Platz. Die übrigen und Trainerin Sissy Raith verliessen die Equipe nach Bekanntwerden der Budgetreduktion oder sind verletzt.

Benno Kaiser, bis im Sommer Verantwortlicher des FCB-Frauenfussballs, hat Verständnis, dass man das Budget etwas zurückfuhr. «Die ausländischen Spielerinnen beanspruchten doch sehr viel Raum, sodass die Budgetreduktion sicher vertretbar ist. Aber die FCB Frauen waren so nicht mehr in der Lage, Topspielerinnen zu verpflichten um weiter ernsthaft um den Titel mitzuspielen.»

Meistertitel kaum mehr ein Thema

Wegen der Budgetreduktion verlor Basel Spielerinnen und die Trainerin. Der neue Coach kam «nur» aus dem Nachwuchs und musste viele junge Spielerinnen ins Team integrieren. Die Folge waren drei Niederlagen zu Saisonbeginn. Das alles passte so gar nicht mehr ins Bild eines FC Basel.

Beim FCB war man sich durchaus bewusst, dass aufgrund der Veränderungen der Meistertitel jetzt kaum ein Thema werden kann. «Wobei man auch hier etwas präzisieren muss», wirft Kaiser ein. «Es sind keine ganz grossen Namen mehr dabei, aber es hat sehr viele hoffnungsvolle Talente im Team. Aber, und das hat sich gezeigt: Es verträgt sich noch nicht, dass Leistungsträgerinnen gleich reihenweise ausfallen. Die jungen Spielerinnen sind noch nicht so weit», wie Kaiser sagt.

Nach Umbau ein Fehlstart

Im Vergleich zum Saisonstart hat das Team Fortschritte gemacht. «Es ist schön, wenn man das auch von aussen wahrnimmt», meint Trainer Moritz. «Wir arbeiten hart und die Stimmung war und ist gut. Wir alle wissen, dass wir uns immer noch verbessern können und das auch müssen und dafür erhalten wir vom Verein auch jegliche Unterstützung.»

Trotzdem: Der Meister Zürich hat bereits mehr als doppelt so viele Punkte und auch Lugano und Luzern scheinen momentan ausser Reichweite. Mit dem Sieg gegen Yverdon ist der Abstand nach hinten so komfortabel, dass in Ruhe gearbeitet werden kann. «Wir müssen auch nichts Spezielles vorkehren in Sachen Kader. Das ist gross und breit genug. Ich bin überzeugt, wenn es am 9. Februar zu Hause gegen Lugano wieder beginnt, sind dann auch die meisten der zuletzt verletzten Spielerinnen wieder voll motiviert dabei», sagt Moritz.

Geduld ist gefragt

Er weiss aus seiner Zeit im Nachwuchs, dass er zudem immer auf die Spielerinnen aus der U19 bauen kann, wenn er sie braucht. Dem pflichtet auch Kaiser bei. Er ist überzeugt, dass das Team im Februar bereits anders auftreten wird: «Der Staff macht seine Arbeit sehr gut und die jungen Spielerinnen entwickeln sich positiv. Hier ist jetzt vor allem Geduld von allen Seiten gefragt.»

Zur Demütigung an der FCB-Gala, die weltweit für Negativschlagzeilen sorgte, will sich rund um das letzte Spiel des Jahres keiner mehr äussern. Zur Erinnerung: Die FCB-Frauen wurden nicht offiziell eingeladen und mussten – während die Herrenmannschaft und die Gäste ein Gala-Dinner verspeisten – stattdessen Lose verkaufen, um überhaupt an der Feier dabei sein zu können.

Dieses Thema sei erledigt und besprochen. Man wolle und werde jetzt in die Zukunft schauen und die sei dank des 4:0 gegen Yverdon vom Mittwochabend um einiges erfreulicher geworden, bekam man auf dem Campus mit Nachdruck zu verstehen.

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