Ski
Ein Unterländer sucht sein Glück in den Bergen

Marco Nebiker aus Lampenberg will zwar nicht mit aller Vehemenz in den Weltcup, versucht sich im Nachwuchskader von Schneesport Mittelland (SSM) als einziger Baselbieter aber dennoch durchzusetzen.

Annemarie Keusch
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Marco Nebiker schaut sich Techniken der Spitzenathleten ab.

Marco Nebiker schaut sich Techniken der Spitzenathleten ab.

Annemarie Keusch

Die Skination Schweiz steckt in der Krise. Daran wird wohl auch der 14-jährige Marco Nebiker nichts ändern können. «Ich will nicht unbedingt in den Weltcup. Das ist ein sehr weiter Weg bis dorthin», ist Nebiker realistisch. Und dennoch gehört er zum Kader des SSM von Swiss Ski, dem die Gebiete Emmental, Fribourg und Nordwestschweiz angehören. Bis dreimal wöchentlich trainiert der in Lampenberg wohnhafte Nebiker in den Bergen.

Den weiten Weg nimmt er mitsamt allem Gepäck, dazu gehören mehrere Paar Ski, Skischuhe und natürlich die Rennausrüstung, alleine mit dem Zug in Angriff. Diese Strapazen meistert er bereits während der zweiten Saison und hat sich mittlerweile eine gute Taktik angeeignet. «Zehn Minuten bevor ich aus- oder umsteigen muss beginne ich meine Sachen zusammenzusuchen. Nachher frage ich einfach fremde Leute, ob sie mir helfen können, mein Gepäck aus dem Zug zu tragen. Alles auf einmal zu schleppen würde meinen Rücken kaputtmachen», erzählt Nebiker. Besonders lustig sei die Zugreise im Sommer, wo die Skicracks auf dem Gletscher in Saas Fee trainieren. Da stehe er mit kurzen Hosen und T-Shirt in Liestal am Bahnhof und habe im Gepäck Ski und Skiausrüstung, lacht er.

Einer der Jüngsten im Kader

Doch diesen Mehraufwand, als Unterländer in den Bergen trainieren zu gehen, nimmt der Baselbieter gerne in Kauf, denn das Skifahren ist seit seinem dritten Lebensjahr seine grösste Leidenschaft. «Die schöne Bergwelt fasziniert mich. Ich liebe das Adrenalin, das beim Skifahren mit hohem Tempo ausgeschüttet wird», kommt Nebiker ins Schwärmen.

Bereits die zweite Saison kann der erst 14-Jährige im Kader des SSM mittrainieren. Dort ist er auch einer der Jüngsten. «Die Älteren übernehmen das Kommando und so ist es manchmal schwierig, mich in die Gruppe integrieren zu können», sagt Nebiker. Erschwerend kommt hinzu, dass er der einzige Basler in diesem Kader ist. Doch der junge Skifahrer will sich durchbeissen und weiss genau, wo er noch am meisten Potential hat. «Insbesondere wenn ich mal wegen einer Verletzung eine Woche lang nicht trainieren kann, merke ich, dass ich im Muskelaufbau noch zulegen muss», weiss Nebiker.

«Schule für offenes Lernen» als Ideallösung

Nebiker besucht momentan die siebte Klasse an der «Schule für offenes Lernen» in Liestal. «Marco ist schon länger dort. Dass er diese Schule besucht hat nichts damit zu tun, dass er Ski fährt», betont Mutter Andrea Nebiker. Doch im Nachhinein ist der Gang an diese Schule auch für Nebikers sportliche Karriere ein Glücksfall. Anders als an anderen Schulen bekommt er nämlich wöchentlich einen Plan, was alles für Lernstoff ansteht. So kann er selber entscheiden, wann er was macht und seinen Lernplan auf den Trainingsplan abstimmen. Was Nebiker nach der Schulzeit beruflich machen will, lässt er noch offen. Sicher ist nur, dass Skifahren immer ein wichtiger Teil seines Lebens bleiben wird, auch ohne Weltcup-Einsätze.