Cupsieger, Meisterschaftszweiter, im Jahr 2019 nur eine Niederlage. Die Fakten der Rückrunde des FC Basel lesen sich gut. Trainerentlassung, Verpassen des internationalen Geschäfts, 1:7-Schmach bei YB. Die Fakten der Hinrunden des FCB, sie lesen sich dagegen weniger schön. Seit Samstagabend ist all dies Geschichte.

Die Super-League-Saison 2018/2019 ist zu Ende. Die Spieler sind bereits auf dem Weg in die Ferien, der Betrieb in Basel sollte ruhen. Aber er wird es nicht tun in den nächsten Tagen. Nicht nur, weil am 4. Juni noch die mit Spannung erwartete Generalversammlung ansteht. Sondern weil diese so turbulente Saison, in welcher der FCB zwei komplett konträre Gesichter gezeigt hat, Aufarbeitung benötigt.

Im Zentrum sollten dabei nicht nur die sportlichen Ergebnisse stehen, der Titel und der damit versöhnliche Abschluss. Sondern viel mehr die Frage: Was wollen wir eigentlich? Der FC Basel befindet sich seit zwei Jahren auf der Suche nach der Antwort auf diese Frage. Damals übernahm die neue Führung den Klub.

Die Trainerfrage

Sie präsentierte ein Konzept, stellte den Verein neu auf und gab Ziele heraus. Zwei Jahre ist das her, und noch immer hat man das Gefühl, dass sich in diesem Klub noch nicht alles gefunden hat. Von ganz oben bis ganz unten. Während der Präsident stets auf der Suche nach neuen Märkten ist – ob E-Sport oder Indien –, so sucht unten auf dem Platz eine Mannschaft ihren Stil und ihre Aura, die sie früher einmal umgeben hatte.

Und zwischendrin, zwischen diesen beiden Extremen, da sucht der Verein die Lösung in der Trainerfrage. Auf den routinierten, unspektakulär spielen lassenden Urs Fischer folgte der unerfahrene, spielfreudige Raphael Wicky. Und auf diesen die Verkörperung der alten Schule mit Marcel Koller. Noch routinierter als Fischer, noch unspektakulärer als Fischer. Und dummerweise auch erfolgloser als Fischer. Ob er der richtige Mann ist, dessen ist man sich im Klub unsicher. Es ist die grosse Frage, welche diese Saisonbilanz überstrahlt. Sucht man eine Lösung mit ihm, der noch ein Jahr einen Vertrag hat, oder sucht man etwas Neues – schon wieder?

Am Freitagabend haben Marcel Koller und Marco Streller miteinander telefoniert. Ersterer spricht von Dingen, «die man sacken lassen muss». Abgemacht bezüglich seiner Zukunft sei aber noch nichts. Letzterer erbittet sich Zeit, um bilanzieren zu können, «wir lassen uns nicht unter Druck setzen».

Der FCB ist mitten in der Selbstfindungsphase

Um sich entscheiden zu können, muss herausgefunden werden, wohin man will – und wofür dieser Verein stehen soll. Sind diese Fragen nicht geklärt, spiegelt sich die Unruhe wie in der Hinrunde dort, wo es zählt: auf dem Platz. Und eine weitere solche Saison kann man sich beim FCB nicht leisten. Wortwörtlich.

Valentin Stocker sagte vor kurzem, der Verein befinde sich in einer Selbstfindungsphase – und hat es damit ziemlich schön auf den Punkt getroffen. Nach zwei Jahren der Suche müsste rein nach Plan in der nächsten Saison wieder der Meistertitel her. Drei Jahre hat man sich für das Konzept gegeben, diese wären dann um. Streller gibt zu, dass dieses Projekt erst abgeschlossen ist, wenn der FCB wieder den Meistertitel geholt hat.

Nicht gut genug

In dieser Saison wurde der Titel deutlich verpasst. Erneut. Nur war der FCB Ausgabe 2018/2019 nicht so schlecht, wie die 20 Punkte Rückstand vermuten lassen. Aber er war eben auch nicht gut genug, um Teams wie GC oder Lugano zu Hause schlagen zu können. In diesen Spielen suchte die Mannschaft nach Lösungen, aber sie fand sie nicht. Ihr fehlt ebenso ein starker Mann, wie dieser dem Klub fehlt. Einer, der alles entscheidet, leitet, führt. Danach sucht man vergebens.

Wenn Streller, Burgener und Co. Bilanz über diese Saison ziehen, dann muss das grosse Bild analysiert werden. Jenes, das man im Sommer 2017 zu zeichnen begann. Aber auch die Ups und Downs dieser Saison. Nur dann kann der FC Basel auf der Suche nach dem richtigen Weg in der nächsten Saison wieder dort ankommen, wo er hinwill und -gehört: ganz oben. Dann lesen sich auch endlich wieder alle Fakten gut, und nicht nur die Hälfte davon.