Curling
Eine curlende Fernbeziehung ohne Reisestress

Die Binningerin Imogen Lehmann peilt mit Deutschland die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Sotschi an. Dass die Baselbieterin für Deutschland aufs Eis geht, «ist eigentlich reiner Zufall», sagt sie schmunzelnd.

Jonas Burch
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Seit dem EM-Titel 2009 sucht Deutschland mit Imogen Lehmann (Mitte) wieder den Anschluss an die Weltspitze. Keystone

Seit dem EM-Titel 2009 sucht Deutschland mit Imogen Lehmann (Mitte) wieder den Anschluss an die Weltspitze. Keystone

Englands Fussball-Ikone Gary Lineker sagte einst: «Fussball ist ein einfaches Spiel und am Ende gewinnen immer die Deutschen.» Tatsächlich gibt es nicht viele Sportarten, wo vor allem auch die Schweiz dem nördlichen Nachbarn zeigt, wo es langgeht. Curling bildet da eine Ausnahme. Mit EM-Gold bei den Männern und der Bronze-Medaille bei den Frauen haben sich die «Eisgenossen» von ihrer Parade-Seite gezeigt. Und Deutschland? Dort sind die Ziele derzeit bescheidener. Die Frauen schafften den angestrebten Klassenerhalt und die Männer stiegen in die oberste Spielklasse auf. «Curling fristet in Deutschland noch immer ein Schattendasein. In der Schweiz gibt es gut 10 000 Lizenzierte, bei uns rund 100», sagt Nationalspielerin Imogen Lehmann.

Teil zum Ligaerhalt beigetragen

Seit 2010 curlt die schweizerisch-deutsche Doppelbürgerin mit dem Bundesadler auf der Brust. Im Team von Skip Andrea Schöpp gehört die Binningerin zu den Leistungsträgern. Auch an der EM in Stavanger trug die 23-Jährige ihren Teil dazu bei, um den Ligaerhalt zu sichern. «Mit zwei Siegen zum Abschluss konnten wir viel Selbstvertrauen mitnehmen», weiss die Baselbieterin.

Per Facebook ins Nationalteam

Dass Lehmann für Deutschland aufs Eis geht, «ist eigentlich reiner Zufall», sagt sie schmunzelnd. Andrea Schöpp erfuhr an der WM 2010 in Kanada von einer Schweizer Curlerin von Lehmanns deutscher Staatsbürgerschaft und schon hat es – wortwörtlich – klick gemacht: Über Facebook schrieb Schöpp Lehmann unverbindlich an. Der Rest ist Geschichte. Das auch die Schweiz eine reizvolle Alternative gewesen wäre, stört die Jura-Studentin nicht. Im Gegenteil. «Ich freue mich über die Erfolge der Schweiz. Aber meinen Entscheid habe ich nie bereut.»

Qualifikationsturnier in Füssen

Und mit Deutschland ist sie vor allem in der kommenden Woche gefordert. Während die Schweizerinnen bereits für Sotschi planen können, müssen sich die Deutschen am Qualifikationsturnier in Füssen für die Winterspiele qualifizieren. Dabei kämpfen sieben Teams – darunter auch Japan und China – um zwei offene Olympia-Plätze. «Das wird für uns ein Härtetest. Aber die Chancen sind intakt», blickt Lehmann voraus.

Wahrheit auf dem Eis

Auch wenn das Mitglied des SC Riessersee für Deutschland curlt, kommt es selten zu Reisestrapazen. Unter der Woche trainiert Lehmann täglich allein in Arlesheim. «Länge und Konstanz lassen sich individuell sowieso besser trainieren.» Ein bis zwei Mal pro Saison reist Lehmann dann für eine Woche zum Team nach Garmisch. «Wir spielen viele Turniere in der Schweiz. So gesehen, sind es eher meine Kolleginnen, die den grösseren Aufwand betreiben müssen», sagt Lehmann weiter. Eine Fernbeziehung, die seit mittlerweile drei Jahren bestens harmoniert. Am Ende «liegt die Wahrheit auf dem Platz», liess sich Fussball-Urgestein Otto Rehhagel einst zitieren. Oder auf dem Eis.